"Eisen, Lumpen und Papier!" Diese Worte ließen die Kinder in den fünfziger Jahren aufhorchen. Der Lumpensammler fuhr mit seinem LKW durch die Gegend und bat lautstark um alles, was zu dieser Kategorie gehörte: Eisenteile, alte Kleider, Lumpen und Zeitungen. Mit Begeisterung sammelten wir Eisenteile, die mit etwas Glück mit 10 oder sogar 20 Pfennigen oder einem mit Gas gefüllten Luftballon bezahlt wurden.
10 Pfennige bedeuteten die erfreuliche Aussicht auf ein zusätzliches Eis, das vom Eismann auf dem Motorrad angeboten wurde. Auf dem Zweirad befand sich eine Kühlanlage mit den damals üblichen Eissorten Schokolade, Erdbeer und Vanille. Später kam Waldmeister hinzu, das allein schon durch die grüne Farbe verlockend für uns war. Eine Kugel kostete 5 Pfennig, etwas später bereits 10. Nicht jeder schöne Sommertag war ein Eistag, doch der Lohn vom Lumpensammler sorgte für manche zusätzliche Eis-Glückstage.
Süßigkeiten waren in dieser Zeit etwas Besonderes. In Ermangelung süßer Köstlichkeiten durfte es auch schon mal eine Brotschnitte mit Margarine und Zucker sein. Auch "Schäumchen ziehen" war sehr beliebt. "Echter" Lakritz wurde in einer mit Wasser gefüllten Flasche geschüttelt, wodurch sich viel Schaum bildete. Heute könnte ich so etwas nicht mehr trinken.
Im elterlichen Garten wuchs Rhabarber, der pur kaum genießbar ist. Das Problem war schnell gelöst: Die Rhabarberstangen wurden kurzerhand in Zucker getaucht. Wir fanden es köstlich. Wenn weit und breit nichts Süßes in Sicht war, eigneten sich Rosinen aus Mutters Vorratsschrank als willkommener Ersatz. Den unvermeidlichen Ärger, wenn sie den Sonntagskuchen ohne Rosinen backen musste, nahmen wir gerne in Kauf. Rückblickend finde ich, dass wir Kinder damals ganz schön erfinderisch waren.
Bild: pixelio
Diana Mohr
