Die weiblichen  Mitglieder der Familie, deren Name hier aus verständlichen Gründen nicht genannt wird, stehen seit Generationen mit allem was Strom benötigt, auf dem Kriegsfuß. Das wäre weiter kein Problem, würden eben diese technisch minderbe…äh, nicht geschulten Frauen die Finger davon lassen. Immerhin waren diese Frauen klug genug, sich Männer zu suchen, die handwerklich begabt sind. Dummerweise glänzen Männer öfter einmal durch Abwesenheit, was dem Broterwerb ihrer Familien durchaus dienlich ist.

Natürlich behauptet man, nein Frau tut dies, Männer seien grundsätzlich nicht da, wenn man sie brauche, womit sie natürlich meinen, wenn SIE sie brauchen. Seit Generationen versuchen Männer eine gewisse Einsicht für die Mitschuld an den Miseren bei ihren Frauen zu erwecken, leider vergebens. Dazu muss man den genauen Sachverhalt kennen….

Oma Emma, geboren 1886, war eine der früh emanzipierten Frauen. Ihr Hobby war tapezieren und Möbel umstellen. Ihrem Mann, dem armen Albert, brachte dies einige Blessuren ein. Nicht etwa, weil er beim Tapezieren von der Leiter fiel, sondern weil er sich statt auf das Sofa, das am Nachmittag noch neben dem Fenster gestanden hatte, mit Schwung in die Vitrine warf, die plötzlich dort residierte.

Zwei Sammeltassen verloren die Henkel, ein Teller hatte einen Sprung und auch die Emma war aus dem Bett gesprungen, sprang dann wie das Rumpelstilzchen um Albert herum, klagte über die Scherben und Alberts Blindheit. Schließlich war so eine Vitrine kein Staubkorn, das man übersehen konnte. Albert, totmüde von der Schicht, hatte auf das Licht verzichtet und maulte, nachts seien alle Möbel gleich. Das war nun der Dank dafür, dass er seine Emma nicht wecken wollte! Während der schmerzgeplagte und immer noch sehr müde Albert damit nur hatte sagen wollen, dass er im Dunklen nichts sah, erklärte Emma ihm den Unterschied zwischen Sofa und Schrank. Die Gebete, die Albert gewiss dabei zum Himmel schickte, wurden schleunigst erhört.

Am nächsten Morgen, Albert hatte das Sofa inzwischen mit dem Ehebett getauscht, da nun seine Frau in der Wohnküche hantierte und er kaum drei Stunden Schlaf abbekommen hatte, gab es einen heftigen Knall. Albert rannte schlaftrunken in die Küche und fand Emma in einem säuerlichen Zustand vor. Die zweiadrige Litze, die Albert wenige Wochen zuvor für die Leselampe über dem Sofa verlegt hatte, wurde von Emma kurzerhand mit der Schere abgeschnitten, weil die Lampe neben der Vitrine nicht nötig war. Früher waren Scheren noch ganz aus Metall und der Heilige Geist fuhr Emma gehörig in die Glieder. Nun wusste sie, dass es zumindest nötig ist, vor solchen Taten die Sicherung heraus zu drehen.

Ihre Tochter Margrit war da schon klüger. Trotz ihres Wissens, nicht eben ein Genie zu sein, wenn es um solche Dinge ging, „half“ sie ihrem Dieter gern. Natürlich war auch der nicht anwesend und der Möbelwagen, der den neuen Schrank bringen wollte, war nun doch schon vormittags unterwegs zu ihnen. Da der alte Schrank in den Sperrmüll sollte, traute Margrit sich durchaus zu, diesen fachgerecht zu….zerdeppern. Eine Dreiersteckdose hinderte sie an ihrem Vorhaben, ihn einfach umzukippen. Ihr Dieter hatte das Ding durch ein kleines Loch in der Rückwand des alten Schranks so verlegt, dass man von der Leitung nichts sah. Vorsichtig zog Margrit an der Steckdose und ein Stück Strippe wurde sichtbar.

Selbst ist die Frau, dachte sie sich und klug wie sie war, drehte sie die Sicherung heraus, die inzwischen Dank des Fortschrittes, nur noch runter gedrückt werden musste. Wie schön, dass ihr Dieter alle Sicherungen genau beschriftet hatte. Sie testete trotzdem und war stolz auf sich, weil das Deckenlicht  nicht funktionierte. Sie nahm den Schraubendreher und hatte schnell Leitung und Dreierstecker getrennt. Fein säuberlich legte sie alle Drähte parallel zueinander hin und umwickelte das Ganze mit Isolierband…gute zehn Lagen, um ganz bestimmt alles ordentlich zu isolieren. Dummerweise war inzwischen irgendetwas mit der Sicherung geschehen, die weigerte sich nämlich beharrlich, oben zu bleiben, obwohl Margrit den Kippschalter immer wieder betätigte.

Dieter hat heute wegen des vielen Kopfschüttelns einen bleibenden Schaden an der Halswirbelsäule. Erklärungen hielt er für überflüssig, schließlich trug seine Frau die Gene ihrer Mutter in sich und war für ihr Handeln nicht voll verantwortlich.

Die Frauen der dritten Generation waren vorgewarnt. Eine davon verliebte sich Halsüberkopf in einen Mann, den sie gleich heiratete. Nach einigen Jahren fiel ihr ein, was sie sich geschworen hatte. Sie wollte einen technisch begabten Mann! Statt den Mann zu tauschen, schickte sie ihn zur Schule. Vier Jahre später war sie auf der sicheren Seite. Sie versprach, niemals selbst Hand anzulegen, zumindest nicht bei allem, was technisch ist.

„Mein Bügeleisen ist kaputt!“ Fast berührten ihre Lippen noch meinen Mund, da hatte ich schon meine Aufgabe zugeteilt bekommen.

„Essen gibt’s danach, heute ist Versammlung, ich brauche die weiße Bluse….gebügelt!“

Sobald ein Mann die Notwendigkeit der Gängelei kennt, erträgt er sie mit Fassung.

„Ist das Bügeleisen runtergefallen oder so?“

„Nein, es wurde einfach nicht warm, gestern bei deinen Hemden ging es noch einwandfrei.“

"Kauf dir doch endlich mal ein Dampfbügeleisen!"

"Nein, das ist so klobig, ich behalte das von Mama!"

„Steckdose ist in Ordnung?“

„Klar! Das Radio läuft doch auch!“ Sie schnaubt und rollt die Augen gen Himmel.

Zur Vorsicht knipse ich die kleine Lampe an, die auch im Dreierstecker ihre Spannung bekommt. Sie funktioniert. Ich drehe am Rad des Bügeleisens und…..es bleibt kalt. Seufzend hole ich die Werkzeugtasche, denn eigentlich habe ich Hunger und würde gern erst essen, bevor ich mich mit diesem Überbleibsel der Steinzeit ärgere. Ich meine das Bügeleisen, nicht meine Frau! Die steht interessiert guckend neben mir.

„Ist der Herd auch kaputt oder kannst du schon mal loslegen? Ich sterbe vor Hunger!“

Sie öffnet grinsend die Türe der Mikrowelle und verkündet, alle Frikadellen seien für mich, sie habe schon gegessen, weil sie früh los müsse. Ihren Hinweis, die Kartoffeln und das Gemüse wären nicht nur Dekorationszwecken dienlich, hätte sie sich sparen können. Ich habe solchen Kohldampf, da würde ich selbst vor Milchreis nicht stoppen.

„Mach warm, ich bin hier in fünf Minuten fertig,“ stelle ich klar und bald darauf fest, dass ich falsch gedacht habe.

„Das Bügeleisen ist innen völlig in Ordnung, das muss an der Leitung liegen. Du knickst sie immer, statt sie aufzurollen,“ grummle ich mit meinem Magen um die Wette.

„Was ist denn nun? Ich muss in fünf Minuten los und die Bluse ist immer noch nicht gebügelt,“ drängelt man mich.

„Ich muss eine andere Leitung dranmachen, die alte hast du gehimmelt,“ seufze ich dem Hungertod nahe und ziehe an der Strippe. Folgsam wie ein kleines Hundchen kommt ein Stecker hinter der Kaffeemaschine hervor, strauchelt an der Kante der Anrichte und fällt mir mit einem „Plopp“ vor die Füße.

Zwei Augenpaare starren auf den dritten Stecker in der Dreiersteckdose. Langsam verfolgt mein Blick den Weg der schwarzen Schlange, die im Staubsauger mündet. Die Leitung in meiner Hand ist …..weiß!

Ich verstehe, warum Opa Albert Renovierungen und Möbelrücken bis an sein Lebensende hasste, mir ist klar, warum meines Schwiegervaters Halswirbelsäule in so desolatem Zustand ist. Die Gene meiner Frau bin ich bereit zu ertragen. Mich sorgt die Frage, ob sowas abfärbt oder zumindest farbenblind macht.