Entäußert


Schon heute Abend möchte ich anfangen.
Liebhart hat mir Mut gemacht, schreiben soll ich.
Meinen Gedankengletscher auflösen zu einem Rinnsal, dass Papier benetzt.
Ich sitze hier und befolge den, der Eigendynamik stärkenden, Ratschlag.
Tropfend lenken die noch verborgen Worte meine suchenden Fingerspitzen über die Tastatur. Sich trotz Hemmnissen befreiend, finden sie - eigenen Gesetzen folgend - ihren Weg. Einer Metamorphose gleich. Der im Geiste eingefrorene Lebensfluss, sich in seine Einzelteile differenzierbar, kritisierbar zerlegt. Wasser des Lebens nun klar umrandet, neu kristallisiert. Der Sichtbarkeit preisgegeben. Und absorbierbar.
Für mich und für DICH.

Ein Freund, ein neuer.
Geht ähnlich seinen Weg. Ähnlich, nicht gleich.
Enteisend fing er gestern an. Dem Schicksal folgend, drängt seine Seelen-Tiefe zur entäußernden Entblößung. Sehnsucht und Erleben verflüssigen sich, erheben sich aus seinem Sein. Sein Lebenswille bläst Wermutstropfen zu Scham und Sinn vergrößernden Seifenblasen auf.
Geist - schäumend,
pinselführend seine Hand blanke Ober-Fläche intentionalisierend berührt.

Und obwohl auf diese Weise, sinnige, sinngebende Augen-blicke wörtlich oder auch bildlich zeitlos werden, entzündet diese Farbgebende Be-rührung, nicht jede Haut, nicht jedes Hirn.

Abgestumpft, eingeschlafen,
fast schon Tod,
bleiben sichtbar gewordene Wirklichkeiten
– Ungesehen, ungeschehen?

Hast DU - Habe ICH angefangen, wirklich?
Bin ich? Ist Du?
Ich bin!
Entäußert