Wir machten Urlaub auf dem Bauernhof in Tönning an der Eider.

 

Meine Tochter, das Großstadtkind, liebte Tiere über alles. Alle Tiere. Angst kannte sie keine, was mich dann manchmal mit Besorgnis erfüllte. Auch meine Mahnung „Andrea, geh nicht gleich auf jeden Hund an den du nicht kennst“, stieß einfach auf taube Ohren bei ihr. Gebissen wurde sie zum Glück bis heute nie. Ihr Verhalten Tieren, besonders Hunden gegenüber hat sich nie geändert.

 

Umgekehrt scheint es so zu sein, dass alle Tiere auch sie lieben, die Katze kann noch so scheu sein, der Hund noch so bissig, sie kommen alle zu ihr.

 

Also Urlaub auf dem Bauernhof war für mich kindgerechter Urlaub, meinem Kind gerecht. Irgendwo im Süden die Zeit an Stränden zu verbringen, das wusste ich, das war nichts für sie.

 

Wir hatten ein Zimmer im Altenteil gebucht, im Haus, dass der Altbauer und seine Frau sich gebaut hatten, nachdem sie den Hof dem Sohn übergeben hatten. Im Bauernhaus selbst gab es noch 3 Ferienwohnungen, somit waren noch andere Familie mit Kindern dort und wir haben unsere Tochter seltenst gesehen. Tiere gab es genug, da war der Hofhund, ein reinrassiger Stragami, jede Menge Katzen, Pferde, Kühe. Die Kinder durften überall hin. Die Kühe standen auf der Weide, wurden nur zum melken rein getrieben. Auch dabei halfen die Kinder, also nicht beim melken, aber beim rein treiben.

 

Und dann waren da die Katzen und ganz besonders der Wurf junger Katzen, die sich gerade selbständig machten und ein Kater hatte es meiner Tochter ganz besonders angetan. Er war aber auch ein hübsches Exemplar, grau-schwarz getiegert mit einer wunderschönen Gesichtszeichnung und er lief ihr überall hin nach.

 

„Mama, kann ich den mitnehmen?“ „Nein, kannst du nicht, der ist Freigang gewöhnt, den kannst du nicht an eine Wohnung gewöhnen, der will raus und streunen“. „Ach Mama, bitte.“ Doch da blieb ich unerbittlich.

 

Nun, alles hat ein Ende und erst recht 3 Wochen Urlaub. Es war die Zeit des Abschiednehmens gekommen. Andrea verabschiedete sich von jedem Tier einzeln, auch von den Kühen. Schmuste mit dem kleinen Kater, den sie Felix genannt hatte. Wollte sich nicht trennen. Doch das half alles nichts, die letzte Nacht war angebrochen.

 

Morgens nach dem Frühstück kamen die Koffer ins Auto, ein letzter Rundgang meiner Tochter auf dem Hof und dann fuhren wir los, mit dem Versprechen im nächsten Jahr wiederzukommen. Auch die Gäste im Bauernhaus fuhren am nächsten Tag los. Sie kamen wie wir aus NRW und auch sie wollten im nächsten Jahr wieder kommen.

 

In Heide machten wir noch einmal halt, gingen dort auf den Markt, kauften Gemüse, Fisch und noch einiges andere ein, war es doch Samstag und zu Hause war der Kühlschrank leer. Dann ging weiter.

 

Wir hatten die Hälfte der Strecke hinter uns gebracht, da ertönte plötzlich im Auto „Miauuuuuuuuu“. „Andrea? Was war das?“. „Was Mama?“ „Da hat doch grade eine Katze miaut?“ „Ich hab nichts gehört Mama“. Ich sah meinen Mann auf dem Beifahrersitz an, „hast du das auch gehört?“. „Nein, wird irgendwas draußen gewesen sein“, meinte er. Ich fuhr weiter, doch ich horchte angespannt auf jedes Geräusch. Ein paar km weiter wieder, „Miauuuuuuuuuuuuuu“. Jetzt hatte es auch mein Mann gehört. Wir beide, wie aus einem Mund „Andrea“. Keine Antwort. Ich fuhr auf den nächsten Parkplatz. Dem wollte ich nachgehen. Wir hielten an und da war es laut und deutlich „Miauuuuuuuuu“.

 

„Du hast den Kater mitgenommen, obwohl ich gesagt habe nein?“ „Nein Mama, ich hab ihn nicht mitgenommen, der ist wohl von ganz alleine ins Auto, als ihr beim packen die Türen aufgelassen habt.“ „Ja klar, mein Schatz, du kannst mir viel erzählen, wenn der Tag lang ist“.

 

Ich sah meinen Mann an „und was jetzt?“ „Ich fahr jetzt nicht mehr zurück, 150 km noch und wir sind zu Hause“. „Na, dann haben wir jetzt einen Kater“ war seine Antwort. Ja, das war dann wohl so. Zum Glück sind die Geschäfte noch offen, wenn wir nach Hause kommen, dann können wir wenigstens Katzenklo, Streu und Futter besorgen. Meine Tochter hielt glücklich ihren Kater auf dem Schoß und wir fuhren weiter.

 

Zu Hause angekommen, machten wir als erstes die notwendigen Besorgungen, riefen auf dem Hof an. Erklärten dort die „Entführung“, der Kater war schon vermisst worden und man war froh, dass er nicht überfahren worden ist, wie man dort schon befürchtet hatte. Im Gegensatz zu meiner Befürchtung lebte Felix sich gut ein, vermisste anscheinend den Freigang nicht, denn er machte niemals Anstalten raus zu wollen.

 

Leider wurde er nur 8 Jahre alt, wie sich beim kastrieren und der dazugehörenden Untersuchung herausstellte, hatte er Katzenleukose.

 

Ich habe seitdem nie wieder eine so anhängliche, verschmuste Katze erlebt, wie Felix es war und als wir ihn einschläfern lassen mussten, war das für alle sehr schlimm.