Was ist überhaupt Stress?
„Der Begriff "Stress" (engl. Druck, Kraft) entstammt der Geologie und bezeichnet einen einseitigen, gerichteten Druck bei tektonischen Vorgängen, und wurde später auch in der Werkstoffkunde allgemein für den Zustand eines Materials verwendet, das unter Zug oder Druck steht.“

Heute ist Stress ist ein Symbol für Belastung ganz allgemein geworden. Ursprünglich sollte der Begriff nur beschreiben, was im Körper passiert, wenn er belastet wird. Stress ist also zunächst ein neutraler Ausdruck.

Stressformen
Man unterscheidet den sog. „Disstress“ (negative Form) und den „Eustress“ (positive Form).
Spricht man umgangssprachlich von Stress, ist damit in der Regel automatisch der Disstress gemeint, also die Form, die auf lange Sicht auslaugt, ermüdet, nervt und nicht selten sogar krank macht.

Eustress ist jene Art von Anspannung, Herausforderung und Abwechselung, die der Körper und der Geist eines jeden Menschen das ganze Leben lang benötigt, damit er sich nicht langweilt. Zu viel Routine, Gewohnheit und Ruhe schadet langfristig genauso wie der Disstress. Es gilt also wie so oft: Es kommt auf das richtige Maß und eine ausgeglichene Kombintion beider Stressformen an.

Stresstoleranz
Wie gut jemand mit (Dis-)Stress umgehen kann und wieviel er/sie davon verträgt, bis sich negative Auswirkungen bemerkbar machen, ist höchst unterschiedlich und von vielen verschiedenen Faktoren abhängig.

(Dis-)Stressfaktoren:

Psychisch:
- Angst um den Arbeitsplatz
- Mobbing am Arbeitsplatz
- Ständiger Leistungsdruck in Verbindung mit Versagensangst
- Finanzielle Sorgen
- Probleme/Streit in der Partnerschaft
- Trennung vom Partner
- Sterbefall in der Familie oder im Freundeskreis
- Mangelnde gesellschftliche Akzeptanz, Kontaktschwierigkeiten
- Alleinsein/Einsamkeit
- Langeweile, stumpfe Routine, fehlende Abwechselung


Physisch:
- Schichtdienst
- Extrem lange Arbeitstage (>12 Stunden)
- Viele Reisen in unterschiedliche Zeitzonen
- Ständig wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus
- Extreme Lärmbelastung
- Schlafmangel
- Zu häufiges körperliches Training in sehr hohen Intensitäten
- Ungesunde Ernährung
- Bewegungsmangel
- Rauchen/Alkohol
- Starkes Übergewicht

Einige der genannten Punkte könnten auch beiden Bereichen zugeordent werden, natürlich kommt es zu Überschneidungen. I.d.R. treten auch mehrere Stressfaktoren in Kombination auf.

Wichtig:
Problematisch und ggf. gesundheitsgefährdend wird der Stress meist dann, wenn die Belastung dauerhaft anhält, also über viele Monate oder gar Jahre hinweg!
Kurzfristig und vorübergehend verträgt der menschliche Körper (und zumeist auch die Psyche) eine ganze Menge Stress, sofern es immer wieder zu einem Ausgleich kommt.


Was kann man tun, um dem (Dis-)Stress besser Herr zu werden?

1. Bewusstmachung
Machen Sie sich bewusst, welchen Stressfaktoren Sie ständig ausgesetzt sind und bei welchen dieser Faktoren Sie das Gefühl haben, dass sie eine unangeneheme Belastung darstellen.

2. Rhythmisierung
Ohne in Monotonie oder Langweile zu verfallen, braucht der Mensch Rhythmen und Rituale.
Die Abwechselung der körperlichen und geistigen Reize darf nicht verloren gehen, aber das regelmäßige Wiederkehren bestimmter Be- und Entlastungen ist wichtig für Psyche und Physis. Klassiches Beispiel hierfür ist der Schlaf-Wach-Rhythmus. Bei Babys und Klein-kindern ist es selbstverständlich, aber es gilt grundsätzlich genauso für jeden Erwachsenen. Auch beim Sport ist es wichtig, dass Training und Erholung in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen.

3. Bereitschaft zur Veränderung
Wenn Sie für sich erkannt haben, welche Stressfaktoren sie besser reduzieren sollten, seien Sie bereit, Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen und bemühen Sie sich aktiv um Veränderung. Manchmal kommt man allein vielleicht nicht darauf. Dann holen Sie sich Unterstützung. Hilfe kann schon ein persönliches Gespräch mit dem besten Freund bringen, denn ein Außenstehender erkennt das Problem häufig eher als man selbst. Unter Umständen hilft sogar ein unbeteiligter Dritter besser als ein Vertrauter, weil er die Situation objektiver und unvoreingenommer beurteilt. Das setzt natürlich voraus, dass Sie diesem Dritten gegenüber ehrlich und vollständig Ihre Lebenssituation schildern.


Typische Stress-Symptome:
- Häufige oder gar ständige Müdigkeit
- Gereiztheit
- Ein- und Durchschlafprobleme
- Motivationsschwierigkeiten
- Antriebslosigkeit, „Wurschtigkeit“
- Kreativitätsverluste
- Das Gefühl keine Zeit für sich selbst zu haben
- Das Gefühl es ständig allen anderen Recht machen zu müssen
- Das Gefühl sich nicht entspannen zu können und unter Dauerdruck zu stehen
- Das Gefühl andere zu enttäuschen
- Das Gefühl ständig zu „kränkeln“
- Häufige Erkältungen, Grippe und andere kleine Infekte


Mit folgenden Tipps können Sie Ihrem Geist und Ihren Körper beibringen, mit der Zeit nahezu alle permanenten Belastungen besser zu tolerieren – und somit weniger darunter zu leiden.

1. Mal eine Pause machen
Auch wenn es die Arbeit eigentlich nicht zuzulassen scheint – machen Sie spätestens alle zwei Stunden eine kurze Pause, in der Sie aufstehen, ein wenig herumlaufen, ein paar private Worte mit einem netten Kollegen wechseln, sich ausgiebig strecken, räkeln oder kurz an die frische Luft gehen. Sie werden dadurch sicher nicht weniger Arbeit in einer bestimmten Zeit erledigen, sondern eher mehr.

2. Mehr Bewegung! Zeitfenster suchen und nutzen
Bauen Sie regelmäßige Bewegung in Ihren Alltag ein. Es muß nicht immer gleich Sport oder „richtiges“ Training sein, auch häufigeres zügiges zu Fuß gehen oder leichtes radfahren bringt bereits Nutzen. Drei bis Viermal pro Woche moderates, wenig anstrengendes Ausdauertraining (laufen, walken, Nordic Walken, radfahren, inlineskaten, schwimmen, o.ä.) zwischen 40 und 60 Minuten ist optimal. Dazu täglich Wege zu Fuß oder mit dem Rad erledigen. Gehen Sie zur U-Bahn, fahren Sie mit dem Rad in die Arbeit, steigen Sie eine Station früher aus Bus oder Bahn oder parken Sie das Auto zwei Kilometer entfernt vom Arbeitsplatz und gehen Sie den Rest der Strecke zügig zu Fuß.
Nehmen Sie sich mal ein paar Minuten Zeit und überprüfen Sie Ihre normale Alltagswoche nach möglichen Zeitfenstern – es gibt immer welche! Früh morgens, in der Mittagspause, am Abend – auch auf Geschäftsreise.

Mehr Bewegung verbessert u.a. die Sauerstoffaufnahme, ökonomisiert alle Stoff-wechselprozesse und die Herzarbeit, fördert die Gehirntätigkeit, kräftigt Knochen, Muskeln und Bänder und strafft das Gewebe.
Probieren Sie es aus, es lohnt sich garantiert! Regelmäßige Bewegung ist ein mächtiges Therapeutikum und wirkt oft wesentlich besser und nachhaltiger als viele Medikamente!

3. Schlaf-Wach-Rhythmus gleichmäßig gestalten
Schaffen Sie einen regelmäßigen Rhythmus, gehen Sie unter der Woche immer etwa zur gleichen Zeit ins Bett und stehen Sie genauso in etwa zur selben Zeit auf. Ideal ist es, wenn die Zeiten nicht mehr als 15 Minuten variieren. Um die sieben Stunden Schlaf für Männer und um die acht für Frauen gilt als optimal. Haben Sie einen guten Schlafrhythmus, regeneriert der Körper deutlich besser und Sie tanken Kraft für den nächsten Tag.
Phasen, in denen ein Baby oder Kleinkind mit Ihnen lebt, sind eigenen Gesetzen unterworfen J

4. Ernährung überprüfen und verbessern
Wie sieht Ihre Ernährung in einer normalen Alltagswoche aus? Kleine Veränderungen können bereits grosse Wirkung haben. Frühstücken Sie jeden Tag, nehmen Sie sich Zeit dafür. Essen Sie öfter über den Tag verteilt, am besten immer schon bevor Sie richtig Hunger haben. Verzehren Sie viel Obst und Gemüse, trinken Sie drei Liter Wasser über den Tag verteilt, bei Sport mehr. Vermeiden Sie Zucker und Weißmehl wo immer es geht und essen Sie mehr eiweißhaltige Lebensmittel. Vier bis fünf Stunden vor dem zu Bett gehen keine Kohlenhydrate mehr. Der Körper schläft dann besser und kann effektiver regenerieren.
Legen Sie sich am besten auch am Arbeitsplatz immer gesunde Snacks bereit, damit Sie bei einsetzendem Hunger gleich etwas griffbereit haben und nicht das Snickers aus dem Automaten ziehen.

Das Wichtigste:
a.) Reduzieren Sie Ihren Zuckerkonsum, essen Sie mehr Obst und Gemüse
b.) Hungern Sie nicht! Behalten Sie den Spaß am Essen und genießen Sie. Alles andere funktioniert sowieso nicht dauerhaft und frustriert nur unnötig.

5. Mehr Zeit für Familie und Freunde nehmen
Überlegen Sie einmal mehr, womit und mit wem Sie Ihre wertvolle Freizeit wirklich verbringen wollen und priorisieren Sie.

6. Entwickeln Sie einen gesunden Egoismus
Sagen Sie auch mal Nein. Denken Sie an sich und an das, was Ihnen gut tut.

7. Genießen Sie bewußter und gönnen Sie sich etwas. Fragen Sie sich, was Sie wirklich gerne mögen und machen Sie genau das so oft wie eben möglich.
Nehmen Sie sich Zeit für die angenehmen Dinge des Lebens. Und wenn die Zeit dafür knapp ist, dann erst recht. Das heißt nicht, daß Sie Ihre Arbeit weniger gewissenhaft ausführen sollen! Nutzen Sie nur die frei verfügbare Zeit besser. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie diese Dinge genauso in Ihren Terminkalender eintragen wie geschäftliche Termine?!

8. Machen Sie Ihrem Ärger Luft, fressen Sie nicht alles in sich hinein
Bleiben Sie diplomatisch und überlegt, aber fressen Sie nicht alles in sich hinein. Oftmals lassen sich unangenehme Situationen und Diskussionen am ehesten lösen, wenn man ehrlich und offen mit dem Gegenüber umgeht. Es klappt natürlich nicht immer, aber sicher öfter als Sie vielleicht meinen.

9. Machen Sie sich Ihre Stärken bewusst und gestehen sich Schwächen ein und zu

10. Verändern Sie dauerhafte Missstände aktiv und selbstbestimmt
Wenn Sie mit einem Zustand in Ihrem Leben dauerhaft unzufrieden sind, verändern Sie ihn! Das ist oftmals sehr schwierig und vielleicht auch unbequem und aufwendig, aber Ihre Gesundheit leidet garantiert, wenn Sie langfristig unglücklich sind. Sie selbst sollten es sich Wert sein.
Besonders belastende Faktoren dieser Art können vor allem Job und Beziehung sein. Beides sind Dinge, die Sie i.d.R. lange begleiten und sich stark auf Ihren generellen Gemütszustand auswirken.
Wenn Sie z.B. mit Ihrer Arbeit unzufrieden sind, versuchen Sie zuerst die Aspekte herauszufiltern, die am meisten stören und belasten. Überlegen Sie, ob Sie es schaffen können, diese durch Gespräche mit Kollegen bzw. Vorgesetzten und/oder Verhaltens-änderungen an sich selbst, zu beseitigen. Probieren Sie es ernsthaft und einige Monate aus. Wenn es nicht klappt, suchen Sie sich einen neuen Job! Das ist natürlich alles andere als einfach, aber oftmals hilft schon die Beschlussfassung und das Gefühl, selbst aktiv und nicht nur fremdbestimmt zu sein. Es gibt sicher Phasen, in denen die Jobsuche besonders schwierig ist und vielleicht funktioniert es auch eine ganze Weile einfach nicht. Aber versuchen Sie es und entwickeln Sie Eigeninitiative.

Fazit:
Alle beschriebenen Tipps sind mit Umstand, Mühe und Gewohnheitsveränderungen verbunden. Das fällt naturgemäß schwer. Aber wenn Sie es ernsthaft versuchen und sich wirklich bewusst machen, warum Sie eigentlich immer so gestresst sind, kann allein das schon helfen.
Seien Sie selbst so aktiv wie möglich und nehmen Sie die Dinge in die Hand. Unterstützung durch Außenstehende in Anspruch zu nehmen ist dabei sicher kein Anzeichen von Schwäche – ganz im Gegenteil.