Wie immer in meinem Geburtstagsmonat flogen wir auch im September 2001 in Urlaub. Mallorca versprach zu dieser Zeit noch halbwegs gutes Wetter, so suchten wir uns im Internet ein nettes Hotel an der Playa de Palma aus.

„Was hältst Du davon, wenn wir im Urlaub Geld verdienen?“ Mit diesem Versprechen versuchte ich Ende August meine Frau Maria dafür zu begeistern, kurz vor unserer Abreise ein paar Aktien zu erwerben.

„Warum sollen Wertpapiere von SAP und Telekom denn ausgerechnet im September im Kurs steigen?“ Marias Frage war berechtigt, doch irgendwie hatte ich mir in den Kopf gesetzt, es anderen gleich zu machen und mit Aktien das große Geld verdienen zu können.

„SAP steigt seit Monaten ohne Unterhalt, bei diesem großen Softwareunternehmen kann eigentlich gar nichts schief gehen. Das geht weiter bergauf, da kannst Du Dir sicher sein. Und die Telekom-Aktie, das hast Du doch auch schon gehört, die ist total unterbewertet, der Kurs muss bald steigen.“

Meine Prophezeiungen bezog ich damals wie so viele anderen aus dem Wirtschaftsteil der Tageszeitung. Beide Aktien waren mit einer „Kaufen-Empfehlung“ gekennzeichnet, irgendwie schien alles ganz sicher zu sein.

Im Düsseldorfer Flughafen, es war inzwischen der 7.September 2001 mittags, zerrte ich Maria kurz vor dem Start unseres Fliegers zu einem Monitor, auf dem das Programm des Nachrichtensenders n-tv flimmerte.

„Schau mal am unteren Bildschirmrand, unsere Aktien steigen heute schon wieder! 0,8% bei SAP und 0,3% bei der Deutschen Telekom! Wenn das so weiter geht, werde ich Recht behalten! Mit Aktien lässt sich wirklich viel Geld verdienen.“

Verschwiegen hatte ich Maria, dass diese prozentuale Steigerung nicht unser Reingewinn sein würde. Die Einrichtung des Depots und der Einkauf der Aktien durch Mitarbeiter unseres Kreditinstituts hatten natürlich zusätzlich Geld gekostet. Falls wir die Aktien zum Ende des Urlaubs wieder zu Geld machen wollten, würden für den Verkauf weitere Handlingsgebühren anfallen. Aber bei einem Kursgewinn von 5 bis 10 Prozent ... kein Problem!

Wir flogen nach Mallorca und schon am Samstag, es war der 8.9.2001, kaufte ich mir mit den Gefühlen eines Großaktionärs stolz die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Besonders interessierte ich mich natürlich auch an den nächsten Tagen für den Wirtschaftsteil.

Die Tendenz unserer Aktien war auch in den Vormittagsstunden des 11.9. noch positiv, denn inzwischen war ich online. Auf dem Fernseher unseres Hotelzimmers hatte ich zum Leidwesen meiner Frau beim Zappen den Sender n-tv entdeckt. Somit war ich ständig live mit den Börsen der Welt verbunden.

An diesem Tag, es war mein Geburtstag, besuchten wir die Hauptstadt der Insel, Palma de Mallorca. Bei einer leckeren Pizza unter freiem Himmel ließen wir es uns gut gehen. Auch der Fußweg am Wasser zurück zum Hotel machte noch Freude.

Als wir am späten Nachmittag unser Zimmer erreichten, schaltete ich sofort den Fernseher ein, um zu schauen, was unsere Aktien machten. Ich war irritiert, denn auf allen Sendern zeigten sie das gleiche Programm.

„Maria, irgendetwas stimmt mit dem Fernseher nicht. Die zeigen überall so einen blöden Action-Film.“ Auf einmal registrierte ich die roten Unterzeilen auf n-tv: „+++ Flugzeug im World Trade Center New York +++“.

Mit diesem Tag veränderte sich sehr viel. Der weltweite Absturz der Börsen war nur eine Folge des schrecklichen Attentats vom 11.9.2001.

Es dauerte Monate, bis ich mich kleinlaut entschloss, unser Aktiendepot aufzulösen. Die Kurse von SAP und Deutscher Telekom hatten sich inzwischen ein wenig erholt, doch die Summe, die ich für die Aktien vor unserem Urlaub so hoffnungsvoll und sicher ausgegeben hatte, erhielt ich nicht zurück.

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