Erlebnisse mit einem Oldtimer
Angeregt durch Lilly K. "Sachen mit dem Auto" fielen mir meine eigenen Erlebnisse mit meinem Oldtimer der Marke Adler ein.
In den Semesterferien vor dem letzten Studienjahr war es mir doch tatsächlich durch Beziehungen (die brauchte man in der ehemaligen DDR immer und für fast alles) gelungen, an einem Kurs zum Erwerb der Fahrerlaubnis teilzunehmen. Die Fahrschule bestand aus einem Fahrlehrer für die Praxis, dessen Schwester für die Theorie sowie einem PKW Trabant. Nach bestandener Fahrprüfung hielt ich dann glücklich den Führerschein in der Hand.
Doch nun musste ein Auto her!
Mein Ehemann, Vorstand und Ernährer unserer 3-köpfigen Kleinfamilie genehmigte mir 500 Mark und das war tatsächlich die Obergrenze dessen, was wir uns leisten konnten, stand er doch auch gerade erst am Anfang seiner Kariereleiter.
Während der täglichen Bahnfahrt zwischen meinem Wohnort und dem Studienort Jena wurden eifrig Zeitschriften nach fahrtüchtigen PKWs durchstöbert. Mein Studienkollege und Hobbyautobauer der ebenfalls pendelte unterstützte mich dabei und empfahl mir schließlich einen Oldie der Marke "Adler", weil er für just dieses Auto einen ganzen Schuppen voll Ersatzteile von seinem Vater geerbt hatte.
Und dann stand es vor mir mein erstes Auto! Ein (noch) fahrbereiter "Adler Trumpf junior 1 E" mit Röhrenradio und Handgas, vorne Blattfedern und hinten Torsionsstäbe, die dem Fahrgast das Gefühl vermittelten auf Omas Sofa zu sitzen. Alles in allem genau für die 500 Mark, die mein Mann mir so großzügig bewilligt hatte!
Das Auto sprang dank der vom Vorbesitzer aufgeladenen Batterie auch tatsächlich an, und wir fuhren es zunächst in den Garten meines Hobby-Autobauer-Kommilitonen. Dort begannen wir damit, den Wagen aufzupoppen. Ein Freund konnte schweißen und übernahm kleine Reparaturen an Karosse, Auspuff usw. Die Seilzugbremsen wurden erneuert, da ich beim Bergabfahren immer so stark auf das Bremspedal treten musste,dass die Rückenlehne des Sitzes abzubrechen drohte, weil ich mich so dagegenstemmte.
Die erste Probefahrt mit den neuen Bremsseilen brachte mir dann auch prompt eine Beule an der Stirn ein, weil die Bremsen blockierten und ich mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe prallte. Schließlich wurde noch eine komplette re. Vorderachse (aus dem Schuppen meines Kumpels) eingebaut und anschließend mit einer geborgten Spritzpistole das Auto lackiert. Leider sah die Farbprobe auf einer Pappe ganz anders aus, als das Endprodukt. Der Wagen wurde himmelblau!
Endlich war unserer Meinung nach alles i.O.
Für die Ummeldung bei der Polizei war eine Art TÜV erforderlich. Wir stellten das Auto vor, aber die wollten nicht, dass ich es im Verkehr bewegte und empfahlen, es zu verschrotten.
Heulend fuhr ich ohne TÜV vom Hof, hatte ich doch nicht nur meine ganze Arbeit und Liebe in das Vehikel gesetzt, sondern auch meine 500 Mark verloren!
Ich bewundere heute noch die Gelassenheit und Toleranz meines Angetrauten, dem ich die ganze Pleite gestehen musste.
Aber mein Hobby- Autobauer-Studienkollege hatte schon wieder eine neue Idee: Auf sein Anraten und seine Vermittlung hin verschenkte ich das Auto an einen Cousin von ihm, der im Bezirk Erfurt Zahnarzt bei der Nationalen Volksarmee war. Dieser erklärte sich bereit, den Adler auf seinen Namen in Erfurt anzumelden. Solche Kumpels gab es damals wirklich!
Gesagt, getan, das alte Nummernschild wurde wieder angeschraubt- bei der Polizei in Gera waren wir ja Gott sei dank noch nicht gewesen - und wir machten uns auf den Weg nach Erfurt.
Ungefähr auf halber Strecke, bei der Abfahrt von einem ziemlich hohen Berg, wo man den Wagen mal bis zur Spitzengeschwindigkeit von 100 Sachen ausfahren konnte, hörte ich rechts vorn ein verdächtiges Klappern. Der Versuch abzubremsen scheiterte kläglich - keinerlei Bremswirkung!!
Der Handbremse und der Tatsache, dass es am Ende der Abfahrt wieder bergauf ging, hatte ich es zu verdanken, dass ich auf einem Parkplatz bei Mellingen zum Stehen kam. Bei der Inspektion des re. Vorderrades erbleichte mein Beifahrer und Hobbyautobauer. Das Klappern stammte von der Achsmutter der neu eingebauten Vorderachse, die offenbar nicht versplintet, und während der Fahrt fröhlich in der Radkappe umhergesprungen war. Bei einer Linkskurve hätte sich unweigerlich das ganze Rad gelöst. Nicht auszudenken was passiert wäre,wenn....
Wie bestellt befand sich ganz in der Nähe die Reparaturwerkstatt einer LPG. Die richteten das Rad soweit her, dass wir mit 30 km/h bis zur nächsten Autowerkstatt kamen.
Es ist nicht zu fassen, das Auto wurde im Anschluss daran in Erfurt wirklich zugelassen und ich fuhr fortan in Gera mit einem Erfurter Nummernschild herum. Bis zur nächsten Panne...
Im darauffolgenden Winter hatte ich ein Praktikum in Gera zu absolvieren und wollte unbedingt mit dem Auto zur Arbeit fahren.
Zu diesem Behufe musste ich jeden Abend die altersschwache Batterie ausbauen, drei Etagen hochschleppen, ggf. aufladen und am nächsten Morgen wieder einbauen. Dies erleichterte das Starten ungemein, konnte aber nicht verhindern, dass eines Morgens der Motorblock eingefroren, und ein runder Stöpsel, der sich für eben solche Fälle an der Seite des Motorblocks befand, herausgedrückt worden war.
Also wieder Treppen hoch, Wasser erhitzt um Motor aufzutauen, eine Dichtungsmasse, ich glaube Mobidix oder so ähnlich hieß das Zeug, (das hatte ich als gelehrige Schülerin meines Hobby- Autobauer-Kollegen vorrätig) geschnappt und mit einem großen Hammer den Stöpsel wieder reingekloppt. Der saß dann etwas schief, aber bis zur nächsten Werkstatt hats wieder mal gereicht.
Endlich war der Frühling da! An einem sonnigen Wochenende luden wir meine Eltern zu einer Ausfahrt ein. Inklusive meines 5-jährigen Sohnes waren wir zu fünft im Wagen. Das war offenbar eine Person zu viel! Das Auto neigte sich hinten links zur Seite und war fortan schief.
Was war passiert? Die Befestigungsschrauben des Torsionsstabes waren abgebrochen, wahrscheinlich der Reihe nach alle 5!
Nun war es an der Zeit sich nach einem gebrauchten Trabbi umzusehen, den wir uns dank meines Arbeitsbeginns im Herbst zumindest auf Pump auch leisten konnten.
Ich habe den Adler schließlich noch für 1000 Mark an einen Oldtimerfreund aus dem Thüringer Wald verkauft.
Doch nun musste ein Auto her!
Mein Ehemann, Vorstand und Ernährer unserer 3-köpfigen Kleinfamilie genehmigte mir 500 Mark und das war tatsächlich die Obergrenze dessen, was wir uns leisten konnten, stand er doch auch gerade erst am Anfang seiner Kariereleiter.
Während der täglichen Bahnfahrt zwischen meinem Wohnort und dem Studienort Jena wurden eifrig Zeitschriften nach fahrtüchtigen PKWs durchstöbert. Mein Studienkollege und Hobbyautobauer der ebenfalls pendelte unterstützte mich dabei und empfahl mir schließlich einen Oldie der Marke "Adler", weil er für just dieses Auto einen ganzen Schuppen voll Ersatzteile von seinem Vater geerbt hatte.
Und dann stand es vor mir mein erstes Auto! Ein (noch) fahrbereiter "Adler Trumpf junior 1 E" mit Röhrenradio und Handgas, vorne Blattfedern und hinten Torsionsstäbe, die dem Fahrgast das Gefühl vermittelten auf Omas Sofa zu sitzen. Alles in allem genau für die 500 Mark, die mein Mann mir so großzügig bewilligt hatte!
Das Auto sprang dank der vom Vorbesitzer aufgeladenen Batterie auch tatsächlich an, und wir fuhren es zunächst in den Garten meines Hobby-Autobauer-Kommilitonen. Dort begannen wir damit, den Wagen aufzupoppen. Ein Freund konnte schweißen und übernahm kleine Reparaturen an Karosse, Auspuff usw. Die Seilzugbremsen wurden erneuert, da ich beim Bergabfahren immer so stark auf das Bremspedal treten musste,dass die Rückenlehne des Sitzes abzubrechen drohte, weil ich mich so dagegenstemmte.
Die erste Probefahrt mit den neuen Bremsseilen brachte mir dann auch prompt eine Beule an der Stirn ein, weil die Bremsen blockierten und ich mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe prallte. Schließlich wurde noch eine komplette re. Vorderachse (aus dem Schuppen meines Kumpels) eingebaut und anschließend mit einer geborgten Spritzpistole das Auto lackiert. Leider sah die Farbprobe auf einer Pappe ganz anders aus, als das Endprodukt. Der Wagen wurde himmelblau!
Endlich war unserer Meinung nach alles i.O.
Für die Ummeldung bei der Polizei war eine Art TÜV erforderlich. Wir stellten das Auto vor, aber die wollten nicht, dass ich es im Verkehr bewegte und empfahlen, es zu verschrotten.
Heulend fuhr ich ohne TÜV vom Hof, hatte ich doch nicht nur meine ganze Arbeit und Liebe in das Vehikel gesetzt, sondern auch meine 500 Mark verloren!
Ich bewundere heute noch die Gelassenheit und Toleranz meines Angetrauten, dem ich die ganze Pleite gestehen musste.
Aber mein Hobby- Autobauer-Studienkollege hatte schon wieder eine neue Idee: Auf sein Anraten und seine Vermittlung hin verschenkte ich das Auto an einen Cousin von ihm, der im Bezirk Erfurt Zahnarzt bei der Nationalen Volksarmee war. Dieser erklärte sich bereit, den Adler auf seinen Namen in Erfurt anzumelden. Solche Kumpels gab es damals wirklich!
Gesagt, getan, das alte Nummernschild wurde wieder angeschraubt- bei der Polizei in Gera waren wir ja Gott sei dank noch nicht gewesen - und wir machten uns auf den Weg nach Erfurt.
Ungefähr auf halber Strecke, bei der Abfahrt von einem ziemlich hohen Berg, wo man den Wagen mal bis zur Spitzengeschwindigkeit von 100 Sachen ausfahren konnte, hörte ich rechts vorn ein verdächtiges Klappern. Der Versuch abzubremsen scheiterte kläglich - keinerlei Bremswirkung!!
Der Handbremse und der Tatsache, dass es am Ende der Abfahrt wieder bergauf ging, hatte ich es zu verdanken, dass ich auf einem Parkplatz bei Mellingen zum Stehen kam. Bei der Inspektion des re. Vorderrades erbleichte mein Beifahrer und Hobbyautobauer. Das Klappern stammte von der Achsmutter der neu eingebauten Vorderachse, die offenbar nicht versplintet, und während der Fahrt fröhlich in der Radkappe umhergesprungen war. Bei einer Linkskurve hätte sich unweigerlich das ganze Rad gelöst. Nicht auszudenken was passiert wäre,wenn....
Wie bestellt befand sich ganz in der Nähe die Reparaturwerkstatt einer LPG. Die richteten das Rad soweit her, dass wir mit 30 km/h bis zur nächsten Autowerkstatt kamen.
Es ist nicht zu fassen, das Auto wurde im Anschluss daran in Erfurt wirklich zugelassen und ich fuhr fortan in Gera mit einem Erfurter Nummernschild herum. Bis zur nächsten Panne...
Im darauffolgenden Winter hatte ich ein Praktikum in Gera zu absolvieren und wollte unbedingt mit dem Auto zur Arbeit fahren.
Zu diesem Behufe musste ich jeden Abend die altersschwache Batterie ausbauen, drei Etagen hochschleppen, ggf. aufladen und am nächsten Morgen wieder einbauen. Dies erleichterte das Starten ungemein, konnte aber nicht verhindern, dass eines Morgens der Motorblock eingefroren, und ein runder Stöpsel, der sich für eben solche Fälle an der Seite des Motorblocks befand, herausgedrückt worden war.
Also wieder Treppen hoch, Wasser erhitzt um Motor aufzutauen, eine Dichtungsmasse, ich glaube Mobidix oder so ähnlich hieß das Zeug, (das hatte ich als gelehrige Schülerin meines Hobby- Autobauer-Kollegen vorrätig) geschnappt und mit einem großen Hammer den Stöpsel wieder reingekloppt. Der saß dann etwas schief, aber bis zur nächsten Werkstatt hats wieder mal gereicht.
Endlich war der Frühling da! An einem sonnigen Wochenende luden wir meine Eltern zu einer Ausfahrt ein. Inklusive meines 5-jährigen Sohnes waren wir zu fünft im Wagen. Das war offenbar eine Person zu viel! Das Auto neigte sich hinten links zur Seite und war fortan schief.
Was war passiert? Die Befestigungsschrauben des Torsionsstabes waren abgebrochen, wahrscheinlich der Reihe nach alle 5!
Nun war es an der Zeit sich nach einem gebrauchten Trabbi umzusehen, den wir uns dank meines Arbeitsbeginns im Herbst zumindest auf Pump auch leisten konnten.
Ich habe den Adler schließlich noch für 1000 Mark an einen Oldtimerfreund aus dem Thüringer Wald verkauft.
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