Erstens werden offenbar dick und ungesund gleichgesetzt. Heutzutage gilt die Ernährung des Körpers offenbar per se als ungesund. Genauer gesagt: Dem Körper Vitamine, Mineralstoffe und sowas zuzuführen ist ja in Ordnung, aber dem Körper Brennstoff zuzuführen ist ungesund. Und das, obwohl seit Millionen und Milliarden von Jahren genau das der Sinn von Ernährung ist. Ich weiß es nicht, ich kann den Gedanken, der mir im Kopf rumschwirrt, noch nicht klar formulieren, aber es geht um den Sinn von Essen... um die Frage, warum ich überhaupt essen soll, wenn ich dem Körper doch gar keine Nahrung zuführen darf. Ich meine: Essen ist doch keine Kulturtugend, sondern eine biologische Grundfunktion, die dazu dient, dem Körper das zu geben, was er zum Leben braucht, und das sind nun mal nicht nur Vitamine, Spurenelemete usw. sondern auch Brennstoff. Dem Körper das zu geben, was er haben will, ist aber neuerdings grundsätzlich ungesund.
Der Körper hat aber auch nix zu wollen, er ist schließlich eine Maschine, mein Eigentum, oder vielleicht sogar: Eigentum der Mode- und Fitnessindustrie und hat schlank und "sportlich" zu sein und sonst nix!

Dass man alles Positive ins Gegenteil verkehren kann, wenn man's nur weit genug übertreibt, ist klar. Trotzdem sollte man doch auseinanderhalten: Ernährung, auch Ernährung mit Brennstoff, ist gut. Schlecht ist Ernährung mit zu viel Brennstoff. Aber solche unreflektierten Pauschalplattheiten wie Brennstoff = Ungesund sollte man sich doch sparen.

Wobei: Die haben nicht mal ganz unrecht, denn der Körper ist ja auch bekloppt. Ich meine, dass man Vorräte für schlechte Zeiten anlegt, ist ja durchaus eine sinnvolle Sache. Und dass diese schlechten Zeiten, also Mangelernährung und Hunger, für viele Menschen in den Industriezivilisationen des beginnenden 21. Jahrhunderts wahrscheinlich nie kommen werden, ist ein solches Novum in der Menschheitsgeschichte, dass wir Europäer und Nordamerikaner noch keine Zeit hatten, uns genetisch vom Rest der Menschheit wegzuentwickeln. Sprich: Dass die Evolution unsere Körper noch nicht dazu bewogen hat, die Vorratshaltung in Form von Fettpolstern aufzugeben.
Aber das meine ich nicht mit "bekloppt". Sondern: Wenn ich Vorräte anlege, dann sorge ich auch dafür, dass ich die verkraften kann. Also entweder lege ich nur so viele Vorräte an, wie meine Lager überhaupt ertragen können, oder ich konstruiere meine Lager entsprechend so, dass sie alles ertragen können, was ich nur aufnehmen will.
Aber, lieber Körper, du bist doch nicht ganz dicht, wenn du einerseits darauf erpicht bist, jede kleinste Kalorie, die dir überflüssigerweise zugeführt wird, als Fett zu lagern, dich aber andererseits gar nicht für dieses Vorhaben gerüstet hast, weil du deine Knochen, Gelenke, Blutgefäße usw. gar nicht dafür ausgelegt hast, diese Vorräte zu (im wahrsten Wortsinne:) ertragen.