Was hat Erziehung mit Transexualität zu tun, viel wie ich meine. Unsere Erziehung prägt unser Leben so nachhaltig das wir aus dem gelernten kaum ausbrechen können. Das was unsere Eltern uns an positives oder Sachen die als Negativ angesehen werden beigebracht haben,bleibt meistens in unserem Unterbewusstsein ein Leben lang verankert. Um diese festen Strukturen zu Durchbrechen braucht man sehr viel Selbstbewusstsein und Innere Stärke.

 

Seit ich mein "Coming out" als Transexuelle vor ca. sechs Monaten hatte habe ich diese mir angelernten Strukturen sehr deutlich spüren können. Am Anfang meines "outing" habe ich mich gefreut endlich so Leben zu können wie ich es eigentlich schon vor sehr vielen Jahren immer wollte. Doch dann nach ein paar Wochen fing es bei mir im Gehirn an zu rattern und die immer wieder kehrenden Fragen waren alles angelernte Erziehungsstrukturen die ich durch mein "Coming out" in frage gestellt hatte. Plötzlich stellte ich meine ganze Erziehung in frage und da musste ich mich schließlich damit auseinandersetzen. Das hat mich in große Konflikte mit mir selbst gebracht, da ich damit ja auch ein Stück weit meine Eltern in frage stellen musste. Beide sind leider schon Tot und ich habe mit der Zeit begriffen das auch meine Eltern nicht frei von Fehlern waren, aber selbst das war für mich eine Entwicklung die ich erst mal durchlaufen musste.

 

Nun möchte ich mal eine Erziehungsform hier aufzeigen die allen, wenn sie eine solche genossen hätten frei von allen Vorurteilen gemacht hätte. Wenn meine Eltern zum Beispiel mich im Sinne Erzogen hätten das alle Facetten eines Menschen eben zu ihm gehören und nur unser aller Leben Bunter und Interessanter macht, dann hätte ich alle die Menschen die anders als die breite Masse sind ohne Vorurteile Begegnen können. Das habe ich in dem Konflikt den ich mit mir selbst hatte ganz stark gespürt, allein das ich vor mir selbst endlich zugegeben habe das ich Transexuell bin und seit meiner Jugend viel lieber eine Frau sein wollte hat meine angelernten Erziehungsstrukturen in ihren Grundmauern völlig erschüttert. Denn mein Wunsch entsprach alle dem wovor die Gesellschaft Angst hatte, als Mann eine Frau zu werden ist noch heute nicht richtig Akzeptiert und stellt uns als Betroffene vor einigen Schwierigkeiten. Wären wir alle Vorurteilsfrei Erzogen worden dann könnte jeder so Leben, natürlich nur wenn er damit niemanden schädigt wie er es wollte. Ich finde das dies eine wirklich lohnende Sache wäre und viel Frieden in eine Gesellschaft bringen könnte. Aber wahrscheinlich sind wir als Menschen nicht in der Lage ganz ohne Vorurteile jemanden Begegnen zu können. Das ist ja auch ein Hochgestecktes Ziel und auch ich bin nicht frei von Vorurteilen, gerade weil es uns so anerzogen wurde.

 

Umso länger man sich mit diesem Thema Beschäftigt umso mehr Lernt man über sich selbst und seinen Schwächen aber auch über seine Stärken. Seit ich das Begriffen habe gehe ich viel normaler mit meiner Transexualität um und gehe auch als Frau Einkaufen, denn eines habe ich dabei bemerkt, niemand spricht mich an wenn er gemerkt hat das ich Brüste habe. Da wird ganz verstohlen geschaut und wenn ich dann gucke dann schaut der andere Blitzschnell wieder weg. Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt, aber natürlich gehe ich immer noch mit Nervosität als Frau nach draußen, das ist eine Sache der Entwicklung und braucht eben seine Zeit. Aber trotz aller Widerstände bin ich froh endlich als Frau Leben zu können, denn nur so fühle ich mich wohl und alles andere ist für mich eine Verkleidung!

                                                                             Kuss Michaela