Es hat mich doch noch erwischt, mit 47 Jahren.
Eigentlich hatte ich mit dem Thema Männer und Beziehungen abgeschlossen, - aber dann passierte es doch.
Ich bin eine Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht, selbstständig, selbstbewusst und mit genügend Grips ausgestattet, um durchs Leben zu kommen.
Finanziell unabhängig, ich verdiene mein eigenes Geld - was sollte mir also passieren.
Nach einer 22 jährigen Ehe und einer 2 jährigen Beziehung hatte ich beschlossen lieber alleine zu bleiben.
Selbst ist die Frau, ich lernte Löcher in eine Wand zu bohren, Schränke abzubauen und aufzubauen, streichen und tapezieren, einen Reifen zu wechseln, Ol zu wechseln und manch andere wichtige Dinge.
Mein Freundes- und Bekanntenkreis wuchs, ich konnte tun und lassen was ich wollte - ohne Mann.
Ich lernte alleine auszugehen, mich zu beschäftigen und meine Hobbys auszuleben.
Natürlich gab es Interesse und Anfragen von Männern, aber ich habe alles abgelehnt. Nein, nicht noch mal.
Manchmal fühlte ich mich wie ein Tiger, der mit dem Rücken an der Wand stand.
Fühlte ich mich bedrängt, habe ich meine Krallen ausgefahren.
Nie wieder, nicht noch einmal.
Es war schön - so redete ich es mir ein.
Wenn ich ehrlich bin, so ganz stimmte es nicht.
Irgendetwas fehlte - ein Mensch, mit dem Frau etwas teilen konnte.
Meine Freundin Karin krempelte schließlich die Ärmel hoch, mit dem Satz:
" Der Mensch ist nicht dazu geschaffen alleine zu sein und Du schon gar nicht".
Sie überredete mich, eine Anzeige aufzugeben, ich konnte mich damit nicht so recht anfreunden, aber sie ließ nicht locker.
Auf einer regionalen Internetseite erschien ein Text, von mir verfasst, mit den Gedanken:
Dann tue ich Karin den Gefallen, dabei kommt sowieso nichts Gescheites raus.
Und - sie hat ihren Willen und kann dann selber lesen, was sich im Internet alles so rumtreibt.
65 Zuschriften kamen, - einmal der Spiegel der Gesellschaft,
alles war vertreten, wie befürchtet.
Einer nach dem anderen wanderte in den Papierkorb, recht schnell.
Bis auf eine Zuschrift - die war anders.
Nummer 32, mit Namen Rudi, 57 Jahre alt.
Ein reger Mailaustausch erfolgte, nach einiger Zeit erfolgte das erste Telefongespräch und schließlich wurde nach einem ersten Date gefragt.
Und genau in diesem Moment bekam ich Angst. Einfach so.
Ich stellte mir viele Fragen:
- Ist das überhaupt richtig?
- Willst Du das wirklich?
- Beim zweiten Mann hattest Du Dir gesagt:
"Beim nächsten Mann wird alles anders",
war es ja auch - anders schlimm.
- Was sollte ich mir nun, beim vielleicht dritten Mann sagen?
Meine Selbstsicherheit und mein Selbstbewusstsein schwanden, je näher das Date rückte.
Viele Fragen, kaum Antworten und Angst machte sich breit.
Ich schrieb einem Freund auf Platinnetz - Ekki -, um eine unabhängige Meinung zu hören.
Seine Lebenserfahrung und sein Zuspruch haben mir geholfen zum ersten Date zu gehen.
Ich mutierte zu Ekkis "kleinem Hasenfuss" und machte die Entwicklung zum "mutigen Hasenfuss" durch.
Ekkis Humor und die aufmunternden und wahren Worte waren eine große Hilfe für mich.
Denn, in meinem Inneren gab es den Satz:
"Trau keinem Mann".
Das erste Date war aufregend und wir stellten fest, es gab eine Menge Verbindungen und Sympathie.
Dieser Mann war wirklich nett, nicht nur beim mailen, sondern auch in Natura.
Wir hatten uns so viel zu erzählen, dass wir nicht merkten, wie die Zeit verging.
Abends zu Hause habe ich Ekki Bericht erstattet.
Weitere Treffen erfolgten, Vertrauen wurde aufgebaut -
im Schneckentempo mit Tempolimit.
Dieser Mann war immer noch nett.
Ekki arbeitete mit mir an meinen Zweifeln, schrieb aufmunternde Nachrichten, gab Tipps, um Fehler an meinem Gegenüber finden zu können. Aber - ich wurde nicht fündig.
Alles passte - merkwürdig - es gab keine Fehler und auch keine "Leichen im Keller".
Rudis Interesse war gleich bleibend groß, meines entwickelte sich.
Aber, ich konnte den nächsten Schritt einfach nicht gehen.
Mmmhhh... dieser Mann war immer noch nett.
Mit viel Geduld und dem Aufbau von Vertrauen, schaffte Rudi es schließlich mich zu überzeugen, die Angst trat in den Hintergrund.
Es war, mit einer der besten Entscheidungen meines Lebens.
Seit 4 Wochen hat sich mein Leben nun grundlegend verändert, nichts ist mehr so, wie es war.
Raum und Zeit wurden außer Kraft gesetzt.
Liebe kann alles, wenn Frau es zulässt.
Jetzt gibt es jeden Morgen ein gemeinsames Frühstück mit einer brennenden Kerze auf dem Tisch, gemeinsames einkaufen und kochen. Keiner will mehr ohne den anderen sein.
Wir ziehen zwischen zwei Wohnungen umher, einmal bei mir, einmal bei ihm.
Meine Großmutter sagte immer:
"Wenn alte Scheunen brennen...".
Jetzt verstehe ich diese Worte.
Eigentlich wollte ich ja nicht mehr, - Männer, dass Thema war für mich abgeschlossen. Bis Rudi auftauchte.
Das Singledasein, was ich mir so nett eingerichtet hatte, meine vermeintliche Freiheit - ich möchte sie nicht mehr.
Freiwillig habe ich sie aufgegeben.
Im Moment sitze ich auf einer rosa-roten Wolke, mit Blick auf das Universum und kann mein Glück kaum fassen.
Gefühlsmäßig bin ich gerade 18, genieße diese Liebe und bin dankbar für dieses unverhoffte Geschenk.
HEY - es hat mich mit 47 Jahren voll erwischt und es ist unbeschreiblich - schön.
Wir ( Rudi und ich ) werden gemeinsam an dieser Beziehung arbeiten, wir wollen sie erhalten, hegen und pflegen.
Wir sind beide erwachsen und wissen was wir wollen.
Das Leben hat bei uns beiden Spuren hinterlassen und trotzdem versuchen wir es noch mal.
Schau`n wir mal, wie weit wir kommen.
Ein großes Dankeschön an Ekkehard Engelmann, ohne ihn wäre ich diesen Weg wohl kaum gegangen.
"Ekki, weiß Deine Frau eigentlich, dass Du Gold wert bist"?
Ich drücke Dich und sende Dir eine schwesterliche Umarmung und einen dicken schwesterlichen Kuss. Danke.
Ich kann allen nur Mut zusprechen und raten, traut euch, stürzt euch nicht ins Abenteuer Liebe, geht langsam und bedächtig - es lohnt sich.
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