Es war ein schöner Nachmittag mit und bei ihren Freunden. Aber irgendwann hat alles einmal ein Ende und so machte sich Xenia auf die Heimreise.
Die Dämmerung setzte bereits ein, als sie die Autobahn erreicht hatte. Viel Verkehr war nicht, so kam sie gut voran. Ein Kleinlaster vor ihr veranlasste sie zu überholen. Die Tachonadel zeigte 130 km an. Damit kam sie zügig auf die linke Fahrbahn. Sie hatte bereits die Höhe der Fahrerkabine erreicht, als sie Durst verspürte. Da die Wasserflasche griffbereit stand und keinerlei Verrenkungen des Suchens oder Öffnens notwendig war, sah Xenia keinen Grund, den Überholvorgang abzuwarten. Sie ist eine gute und sichere Fahrerin und diesen Trinkvorgang hatte sie schon viele Male erfolgreich durchgeführt.
Sie nahm die rechte Hand vom Lenkrad, um die Wasserflasche zu ergreifen. Doch dazu kam es nicht, denn sie nahm mit Entsetzen zur Kenntnis, dass ihr Wagen schlingerte und dabei immer mehr nach rechts zog.
Xenia erwartete jeden Moment die Geräusche von Blech. Hoffentlich, so dachte sie, wird niemand, außer ihr, an Leib und Seele Schaden nehmen und möge dies ihr letzter Moment sein. Denn als Krüppel wollte sie nicht leben. Gedanken in Nanosekunden.
Gleichzeitig handelte sie souverän
Lenkrad mit beiden Händen festhalten
Keine Lenkbewegungen
Fuß vom Gas, nicht auf die Bremse.
Die Zeit verrann, ihr Fahrzeug war auf der rechten Spur und ohne Crash wieder im Lot. Im Rückspiegel konnte sie nichts erkennen, was auf eine Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer hingewiesen hätte. Offensichtlich hatte ihre Geschwindigkeit ausgereicht, damit das Einfangen des Wagens ohne Gefahr für andere blieb.
Xenia zitterten die Knie. Für das Geschehene hatte sie keine Erklärung. Sie hatte das Lenkrad nicht unbeaufsichtigt gelassen. War die Ursache eine Ölspur?
Nun galt es für Xenia weiterzufahren, nicht anzuhalten, sich dem Tun zu stellen, wie es Artisten tun, wenn ihnen eine Übung daneben geht. Sie konzentrierte sich sehr, vermied für die nächste Weile höhere Geschwindigkeiten und fühlte sich nach geraumer Zeit wieder sicher.
Dennoch, als sie in ihrem Zuhause ankam, blieb kein Raum mehr für Aktivitäten. Erschöpft, aber dankbar, legte sie sich zur Nacht nieder. Ihr war bewusst, wie viele Schutzengel sie begleitet hatten. Mit diesem Gedanken schlief sie ein.
Gegen morgens trieb sie ein menschliches Bedürfnis aus den Federn. Doch kaum auf den Beinen torkelte sie, sich an Möbeln und Türpfosten hangelnd, zum WC. Während sie den Notwendigkeiten ihren Lauf ließ, wunderte sie sich über ihren eben erlebten Zustand. Noch konnte sie die Vorgänge des Vortages und von eben nicht in Verbindung bringen. Doch als sie den Rückweg in gleicher Weise erlebte und nur mit Mühe noch ans Telefon kam, war ihr klar, dass sie umgehend 112 zu wählen hatte. Ihr war es noch möglich, den Verdacht Schlaganfall, Name und Adresse zu äußern, dann versagte ihr auch die Sprache. Mit letzter Energie traf sie Vorkehrungen, damit die Helfer sie finden konnten. Dann brachen alle Dämme.
Xenia ist nicht die Frau, die ihre Belange in den Vordergrund stellt. Doch diesmal tat sie es. Vermutlich nur dieser Tatsache ist es zu verdanken, dass die körperlichen Ausfälle nicht bleibend blieben.
Wieder hatte sie Grund ihren Schutzengeln zu danken.
Und ja - es kann jeden treffen.
Text: B.S. alias Marianne SEB
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