"Vor drei Monaten kam mein Mann früher als üblich von der Arbeit zurück. Ich sah schon seinem Gesichtsausdruck an, dass etwas passiert war: Auf der Betriebsversammlung war verkündet worden, dass wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage 200 Beschäftigte entlassen werden müssten. Auch mein Mann war betroffen. Seit mehr als zehn Jahren hatte er in dem Chemiekonzern gearbeitet. Es sah nicht gut aus, dass er schnell eine neue Arbeit finden könnte. Wir befürchteten eine längere Arbeitslosigkeit.
Das größte Problem war das Geld. Das kleine Einkommen hatte bis dahin nur knapp gereicht für uns und die fünf Kinder. So sehr wir auch rechneten, das Arbeitslosengeld reichte vorne und hinten nicht. Schließlich kam uns die Idee, mit der ganzen Familie nach Einsparmöglichkeiten zu suchen.
An einem Sonntagvormittag riefen wir den 'Familien-Rat' ein und zeigten ihnen, welche Einnahmen und welche Ausgaben wir hatten. Zu unserer Überraschung zeigten sie großes Verständnis, und jeder machte Vorschläge, wo er sparen konnte.
Unser sechszehnjährige Sohn verzichtete auf sein Taschengeld. Stattdessen wollte er sich eine kleine Aushilfsarbeit suchen. Seit längerem wollte unsere Tochter einen neuen Wintermantel kaufen. Das Vorhaben verschob sich um ein Jahr. Die jüngsten Kinder nahmen sich vor, weniger Süßigkeiten zu essen.
Bis dahin hatte ich wegen der Kinder keine Arbeit angenommen. Als ich vorschlug, nachmittags für drei Stunden in einer Buchhandlung auszuhelfen, willigten alle sofort ein. Auch wenn das bedeutete, dass die Kinder mehr im Haushalt helfen mussten.
Die ersten beiden Monate haben gezeigt, dass wir nicht nur Geld eingespart haben, sondern dass die Kinder mehr Verantwortung übernommen haben, und dass unsere Familie mehr zusammengewachsen war." B.M.
