Nun war er in Pension. Er genießt nun seine freie Zeit. Aber sein jetziges Leben ist immer noch geprägt, von dem, was er ein Leben lang gemacht hat. Früh morgens steht er auf und macht Frühsport. Es ist ihm wichtig noch lange fit zu bleiben. Um sechs morgens ist seine Nacht zu Ende. Um sieben muss seine Frau, das Frühstück fertig haben. Dann kommt er wieder von seiner Sportrunde, duscht und will frühstücken.
Seine Frau macht es jeden morgen, so wie er es wünscht. Frische Brötchen, die sie vom Bäcker holt, Kaffee, ein mittelhartes Ei, Marmelade und frischen Aufschnitt. Nach dem Frühstück zieht er sich ins Wohnzimmer zurück und liest die Tageszeitung. Während seine Frau den Frühstückstisch abdeckt und das Geschirr abwäscht. Danach macht sie den Haushalt. Betten machen, Staubsaugen, Bäder putzen und feucht wischen. Er hat es gerne sauber.
So gehört es sich ja auch. Er hat ja jahrelang, dass Geld nach Hause gebracht und sie hat auch davon gelebt. Und jetzt seine Pension, die ist ja auch nicht schlecht und sie beide können gut davon leben. Sie ist stiller geworden, die letzten Jahre. Ist auch gut so, dann stritt sie nicht mehr so viel mit ihm. Endlich hatte sie sich gefügt, so wie es sich für eine anständige Frau auch gehörte.
Seine beiden Kinder besuchten sie nicht mehr oft. Die kamen, wie sie sagten, mit seinem Ton nicht zurecht. Er hätte einen Ton an sich, als wenn er noch das Kommando führte, wie bei der Bundeswehr eben. Was die sich einbildeten. Warum sollte er denn einen anderen Ton anschlagen? Er war doch derjenige, der das Geld ins Haus brachte. Er hatte ihnen ermöglicht eine anständige Berufsausbildung zu bekommen. Die sollten doch gefälligst dankbar sein. Sie warfen ihm vor, dass er nicht liebevoll mit der Mutter umging. Was ging die das denn an, sie hatten doch jetzt ihr eigenes Leben, mit ihren eigenen Partnern.
Sie hatten der Mutter zum vorletzten Geburtstag einen Hund geschenkt. Sie hatte ihn sehr gut erzogen. Er gehorchte aufs Wort, er mochte diesen Hund. Dann und wann ging er auch mit dem Hund spazieren. Aber der Hund liebte seine Frau sehr und ging nicht gerne mit ihm mit.
Sie hatte ihn wohl zu sehr verhätschelt. Wenn der Hund ausgehen wollte, oder einmal musste, dann brachte er seiner Frau die Schuhe und sie zog sie dann an und ging mit dem Hund spazieren.
Er wusste, dass sie dann oft mit dem Hund die Kinder besuchte und die Enkelkinder. Die kamen ja nicht so oft. Nur zu Feiertagen und Geburtstagen. Dann waren sie immer sehr laut und machten jede Menge Dreck, den seine Frau dann wieder beseitigte wenn sie wieder weg waren. Dann sah er seine Frau auch einmal lächeln. Aber wenn sie mit ihm den Tag verbrachte, dann lächelte sie nicht mehr. Aber sie funktionierte sehr gut, sie machte es ihm schön und hatte ja mittlerweile auch verstanden wie er es gerne hat.
Heute ist Valentinstag, stand in der Tageszeitung von heute. Valentinstag so ein Quatsch. Blumen kaufen für die Liebsten. Die einzigen, die daran verdienen waren die Gärtner. Und Blumen kaufen, ist weggeschmissenes Geld, die verblühen doch sowieso wieder. Und wofür brauchte sie denn Blumen, sie lebte doch sehr gut, von seinem Geld. Sie bekam sogar jeden Monat ein Taschengeld von ihm, zu ihrer freien Verfügung. Na ja, es war nicht sehr viel, aber immerhin. Er war wirklich schon sehr großzügig zu ihr.
Der Staubsauger war nicht mehr zu hören, wo war sie denn? Ach, sicher war sie mit dem Hund nach draußen. Irgendetwas war anders heute. Er stand von seinem Sessel auf und schaute nach, wo sie ist. Der Hund war weg, aha, also war sie wohl mit dem Hund weggegangen. Er ging ins Schlafzimmer und wollte seine Uhr holen, die er auf dem Nachtschrank vergessen hatte. Als er ins Schlafzimmer kam, traf ihn fast der Schlag. Die Türen des Kleiderschrankes standen offen und es war ein richtiges Chaos in dem Zimmer. Was hatte die denn den ganzen Morgen getan, nur rumgeschlunzt hatte die. Moment hier stimmte was nicht, der große Reisekoffer, der sonst auf dem Schrank lag, der war ja weg.
Sie hatte doch nicht?
Er sah auf ihren Nachtschrank, dort lag ein Zettel auf dem stand. Dreißig Jahre Bundeswehr sind genug, ich desertiere und verlasse die Kompanie. Den Hund nehme ich mit, denn er liebt mich. Den Rest erfährst Du von meinem Anwalt.....Deine....
©Winnie
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