Dieses Gefühl möchte man am liebsten für immer fest halten, doch das ist nicht möglich. Denn unweigerlich lernt man sich nun einmal besser kennen, manchmal auch besser als man möchte …

Das Gefühl der Romantik weicht irgendwann dem Gefühl der Vertrautheit. Wirklich immer? Und warum ist das eigentlich nicht miteinander vereinbar? Ist es nicht vielleicht so, dass wir von vorneherein davon ausgehen, dass die Schmetterlinge nicht für immer flattern und stattdessen, einem wohlig vertrautem Gefühl im Bauch Platz machen? Aber selbst, wenn das so ist, ist das so viel schlechter?

Eine Menge Menschen sind ständig auf der Suche nach den Schmetterlingen, dem Reiz des Neuen. Warum? Weil, das was wir kennen lernen an Reiz verliert? Welchen Reiz überhaupt und warum ist das so oder ist es nur für bestimmte Menschen so? Lieg es an einem selber? Muss man vielleicht einfach wirklich bereit sein, sich auf einen anderen Menschen einzulassen und ist es die Bereitschaft dessen, die fehlt, wenn man sich lieber ständig den Schmetterlingen hingibt? Anstatt einem anderen Menschen für eine längere Zeit oder auf Dauer. Ist es leichter und verführerischer sich dem Neuen, Unbekannten hinzugeben, anstatt, sich auf das Abenteuer einzulassen, einem anderen Menschen wirklich nahe zu kommen?

Denn diese Nähe birgt Gefahren. Die Gefahr, verletzt zu werden, die Gefahr, sich mit sich und seinen Gefühlen auseinander zu setzen, die Gefahr, einen anderen Menschen ganz nahe an sich heran zu lassen, sich ihm völlig hin und preiszugeben. Das ist es doch, was die Menschen fürchten, die sich lieber immer wieder neu verlieben, anstatt, aus der Verliebtheit, irgendwann tiefe Liebe wachen zu lassen.

Gilt das nicht auch für die Menschen, die nur den Sex, die körperliche Befriedigung suchen und daran glauben, dass es das ist, was sie brauchen? Oder Menschen, die trotz Ehe und fester Partnerschaft, auf der Suche nach den Schmetterlingen sind und glauben, sie in schnellem Sex oder einer Affäre zu finden. Kann das funktionieren?

Es erscheint vielen Menschen einfacher, den derzeitigen emotionalen und erotischen Stand der Beziehung einfach hinzunehmen und sich nebenbei etwas anderes zu suchen. Etwas das für den erotischen Kick und vielleicht ein paar Schmetterlinge verantwortlich ist. Das klingt doch gut oder?

So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Auf der einen Seite habe ich eine feste Beziehung oder gar Ehe vorzuweisen und auf der anderen Seite, brauche ich auf die Schmetterlinge und aufregenden Sex nicht zu verzichten. Immerhin gibt es im Internet Kontaktbörsen, die sich genau darauf konzentriert haben. Hier kann ich in aller Ruhe die Affäre nebenbei suchen,  diskret und anonym, versteht sich. Es ist ja auch viel zu anstrengend,  mit dem eigenen Partner, den ich ja schon so lange kenne, so etwas wie Erotik und Esprit in den Sex zu bringen.

Offen darüber zu reden, was ich mir vorstelle und wünsche, offen seine Phantasien auszutauschen, sich vielleicht einen erotischen Film anzusehen oder sich gegenseitig aus einem erotischen Roman vorzulesen. Sich bewusst Zeit für – und miteinander zu nehmen, zu versuchen, sich auch mal mit den Augen eines Fremden zu sehen, nicht mit denen des langjährigen Partners. Doch das kann alles ziemlich anstrengend sein. Einfacher scheint es, sich jemanden zu suchen, der einen nicht kennt, bei dem alles frisch und neu scheint und auch so ist.

Und so drehe ich die Schleife lieber immer wieder zurück auf Start und damit auf neu und aufregend. Das kann ich so handhaben, wenn ich Single bin und auch wenn ich in einer Beziehung oder Ehe lebe. Der Andere muss es ja nicht mitbekommen oder handhabt es vielleicht genauso.  Aber ist das wirklich das, was uns glücklich macht und Erfüllung bringt? Kann ich für einen Menschen ein tiefes Gefühl von Respekt und Liebe empfinden und mit einem anderen Menschen Sex haben und das immer wieder? Oder kann ich mit diesem Menschen, für den ich diese tiefen Gefühle hege, nicht auch aufregenden Sex haben? Und wenn die Antwort nein lautet, warum nicht? Fragen, die sich jeder selber stellen und beantworten muss.

Die Liebe ist kompliziert, ob man nach ihr sucht oder sie bereits gefunden hat. Und wenn eine Beziehung funktionieren soll, muss man etwas dafür tun. Darüber reden, was man sich erhofft und wünscht, offen und dabei manchmal mutig sein, tolerant und verständnisvoll und – und ich denke, das ist das Wichtigste, voller Liebe. Für mich selber und für den Anderen. Und voller Respekt, für mich und für den Anderen.

 

Und davon abgesehen frage ich mich, warum es dann nicht möglich sein sollte, mit einem Partner über viele Jahre hinweg glücklich sein zu können. Das wäre das, was ich mir wünsche. Eine Beziehung in der man miteinander über alles reden und auch herzlich lachen kann, Zeit miteinander, jedoch auch mal alleine verbringt, sich nach einem Streit wieder versöhnt und sich vertraut. Eine Beziehung in der beiden Dinge wie Offenheit und Ehrlichkeit, Verständnis und Toleranz und ein erfülltes Sexualleben, zu dem auch Treue gehört, wichtig sind.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Vielleicht, aber jeder bekommt das, was er in seinem tiefsten Innern glaubt, verdient zu haben. Da bin ich mir sicher. Also wenn es bisher noch nicht so geklappt hat, muss ich nur ein wenig an meinem Glauben arbeiten …