Ein Sonntagmorgen an einem grauen, regennassen Novembertag.
Liege in der Badewanne, umspült vom warmen Wasser und Schaum. Der Geruch nach dem Duschgel „Lemongrass“ liegt in der Luft, genauso wie Musik aus dem Radio meines Lieblingssenders HR1.
Wie jeden Sonntag gibt es morgens ein Thema, über das sich die interessantesten Menschen äußern. Ich weiß nicht, wie lange schon darüber geredet wird und bekomme nur mit, es geht um FREIHEIT. Die Freiheit des einzelnen Menschen im Innen und Außen.
Falle aus der Rolle, dann rollst du aus der Falle.
Na, so einen Spruch hatte ich bis jetzt noch nie gehört. Aber er gefällt mir.
Beziehe ihn auf mich und erkenne, ja, ich bin auch aus der Rolle gefallen. Ehefraurolle, Köchinnenrolle, Gärtnerinnenrolle, Mutterrolle….alles Rollen , in die ich Tag für Tag, mal gerne, mal weniger gerne, schlüpfte. Meine Freiheit hatte ich im Kopf, in meiner Gedankenwelt, sie lebte ich aus auf den einsamen Fahrradtouren…und spürte immer den Drang, da muss doch noch mehr sein.
Angst vor Freiheit.
Auch diese Sequenz wird angesprochen.
Wie oft durchleben wir im Geiste den Weg in die Freiheit und haben doch auch Angst davor, ihn zu gehen. Denn er bedeutet auch Selbstbestimmung, für sich selber einstehen, alleine Entscheidungen zu treffen.
Als ich meinen Weg in die Freiheit antrat, aus meinen Rollen schlüpfte, schien es am Anfang noch ganz leicht. Denn eine stolze Frau, die längst im Internet nach Partnerschaft Ausschau hielt und begann, ein anderes Wertegefühl zu entwickeln, rollte aus der Falle.
Doch da gab es auch die Augenblicke, in der latent eine Angst hervor kroch, war das alles richtig. Und dann das Wissen heute, Freiheit fühlt sich oft ganz anders an, als man es sich in seiner Gedankenwelt ausgemalt hat.
Freiheit , von der Musik besungen.
Wie viele Sänger haben sich dieses Thema genommen und es in Songs und Balladen umgesetzt. Es wurden viele Beispiele genannt, hängen geblieben ist bei mir das Beispiel des Sängers Bob Marley, für den Freiheit bedeutete, täglich einen Joint rauchen zu dürfen.
Freiheit, die ein Kind braucht. Und dann die Äußerung:
Lieber aufrecht von der Schule geflogen, als gebückt durchs Leben gehen.
Kinder brauchen Liebe und Freiheit.
Das erinnert mich an ein Gedicht von Khalil Gibran, der darin die Eltern auffordert , ihren Kindern, die im Haus von Morgen wohnen und nicht den Eltern gehören, die Freiheit eines Pfeils zu geben, der mit leichter Hand gerne von dem Bogenschützen abgeschossen wird.
Oder der Spruch:
Gib deinen Kindern Wurzeln und schenke ihnen Flügel.
Es kommen auch Hörer zu Wort.
Freiheit kann sich auch in ganz kleinen Dingen erfüllen.
Sich die Freiheit nehmen, einen Kaffee trinken zu gehen.
Da erinnere ich mich an eine Zeit, als die Kinder noch sehr klein waren und mich Tag und Nacht mit ihren Bedürfnissen brauchten.
Wie schön war es dann, wenn der Ehemann für einige Zeit die Verantwortung übernahm und ich mich frei wie ein Vogel fühlte, mit meinen Freundinnen ins Eiscafe ging, um Cappuccino zu trinken.
Die höchste Form von „Freiheit nehmen“ zur damaligen Zeit.
Zwischen damals und heute liegen Welten. Aber auch das hat seine Berechtigung. Entwickeln wir doch ständig unsere Persönlichkeit, machen uns auf den Weg, oftmals liebevoll begleitet, manchmal auch im Erleben von schmerzhaften Impulsen.
Für mich galt in der letzten Zeit der Spruch:
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich frei und ungeniert.
Der heute Spruch kann dieses Gefühl nur in seiner Richtigkeit bestärken.
Längst bin ich aus der Rolle gefallen.
Längst habe ich mich aus vielen Fallen des Lebens hinausgerollt.
Schmunzeln steige ich mit diesem Gedankengang aus der Badewanne, während mein Liebster ein leckeres Frühstück bastelt.
Freiheit zu leben, in großen wie in kleinen Dingen, ist einfach wunderbar…also let`s go !
Marlies
