Familie - ein Auslaufmodell?
Ein Leben im Kontrast - Großfamilie und Witwenleben
Mit achtzehn Jahren, ich war Verkäuferin im Kaufhof, lernte ich meine zukünftigen Schwiegereltern kennen. Sie hatten eine kleine Landmetzgerei. Es war für mich selbstverständlich, in meiner Freizeit auszuhelfen. Da mein Vater sehr früh verstorben war (ich war damals fünfzehn,) hatte meine Mutter keine richtige Aufgabe mehr.
Sie lernte auch die Leute kennen und verstand sich auf Anhieb gut mit ihnen. Dann wurde ich schwanger, es gab außer den berühmten Verhüterli nix Konkretes. So blieb es nicht aus, dass sich meine Mutter in dem Ort eine kleine Wohnung suchte, um in meiner Nähe zu sein, da meine Hochzeit beschlossene Sache war. Sie kam jeden Morgen, half in der Metzgerei, und alle wurden gute Freunde.
Als der Junge geboren war, machte man ihr den Vorschlag, „das Haus ist groß, ziehe zu uns“. Was sie dann auch tat. Später, als wir das Geschäft von den Eltern übernahmen und unser zweiter Sohn zur Welt kam, war sie eine unschätzbare Hilfe. Ich merkte nicht, dass meine Schwiegereltern nicht meine biologischen Verwandten waren. Und sie sicherlich auch nicht. Gewiss gab es, wie in vielen Familien, auch Reibereien.
Die Buben schossen manchmal ganz schön quer. Als sie dann ihre Freundinnen mitbrachten, durfte ich zwei Kilo Nudel kochen. Es war eine herrliche Zeit. Dann kamen die Enkel, die hauptsächlich die Urgroßeltern betreuten. Sie waren eine große Bereicherung für die älteren Leute.
Nun gingen wir in Rente, der Schwiegervater verkaufte das Anwesen und gab uns das Geld für das Haus in Eich. Jetzt wurde meine Schwiegermutter sehr krank, sie hatte Magenkrebs. Aber da er rechtzeitig erkannt wurde, durfte sie noch fünfzehn Jahre „gesund“ leben. Mein Schwiegervater sagte einmal, wenn sie stirbt, habe ich nicht so weit zum Friedhof.
Ja, gegenüber ist er. Wenn es bei uns ein Essen gab, das einer von ihnen gerne mochte, rief ich immer, „komm, deine Leibspeise steht auf dem Tisch.“
Sie hatten eine gute Zeit, die Unkenrufe hatten sich nicht bewahrheitet, „eine alten Baum verpflanzt man nicht.“ Sie saßen jeden Mittag zusammen und spielten Skat. Der Vater starb innerhalb zwei Tagen im Krankenhaus mit achtundachtzig Jahren. Beide Mütter wurden Dreiundneunzig, ohne nennenswerte Wehwehchen.
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Mein Leben danach
Vor drei Jahren verstarb mein Mann mit zweiundsiebzig. Es war eine sehr schlimme Zeit. Wir waren so viele Leute im Haushalt, und dann war ich alleine. Jeden Abend kann ich mich einmal in der Woche in ein anderes Bett legen.
Sehr oft fahre ich nach Worms, mische mich unter die Menschenmenge, nur um das Gefühl zu haben ich bin nicht alleine. Mein Ältester wohnt in Österreich, der andere in Köln. Beide rufen sehr oft an. Der Kölner heiratet jetzt und lässt mich an all seinen Aktivitäten teilhaben.
Ich habe mich nach dem Tod meines Mannes total verändert. Alles was gang und gäbe war, hat heute keinen Bestand mehr. Ich mistete alles aus, was ich glaubte, dass es keinen Wert mehr für mich hatte. Mein ganzes Wesen verwandelte sich. Der Tod hatte mir gezeigt, wie wenig Wichtiges es im Leben gibt.
Meine Trauerbewältigung hieß "Schreiben". Alles, was mir so in den Sinn kam, war auf dem Papier. Später kaufte mir mein Ältester einen Rechner. In mühevoller Kleinarbeit lernte ich damit umzugehen. Am Anfang half mir die Redaktion Opinio, dass ich mich zurecht fand. Viele, viele Fehler nahmen ihren Weg dorthin. Dann lernte ich Spirit of Jan kennen, der seitdem mein bester Freund ist. In Opinio fand ich die Gefährten, welche das gleiche Hobby haben. Sie verstehen, was ich schreibe.
Das hatte ich in meiner Ehe nicht gefunden, brauchte es auch nicht. Andere Dinge standen im Vordergrund. Zum Beispiel Reisen, andere Länder sehen, fremde Kulturen erleben. Gewiss, das tue ich auch heute noch, doch nicht mehr so oft. Allein, ohne Ihn, macht es keinen Spaß mehr. Ich koche selten, und wenn, nur für Gäste. Mein Leben hat eine ganz andere Richtung genommen. Ich bin selbst überrascht, wie leicht es mir gelungen ist, nur das zu tun, was mich glücklich macht.
Sie lernte auch die Leute kennen und verstand sich auf Anhieb gut mit ihnen. Dann wurde ich schwanger, es gab außer den berühmten Verhüterli nix Konkretes. So blieb es nicht aus, dass sich meine Mutter in dem Ort eine kleine Wohnung suchte, um in meiner Nähe zu sein, da meine Hochzeit beschlossene Sache war. Sie kam jeden Morgen, half in der Metzgerei, und alle wurden gute Freunde.
Als der Junge geboren war, machte man ihr den Vorschlag, „das Haus ist groß, ziehe zu uns“. Was sie dann auch tat. Später, als wir das Geschäft von den Eltern übernahmen und unser zweiter Sohn zur Welt kam, war sie eine unschätzbare Hilfe. Ich merkte nicht, dass meine Schwiegereltern nicht meine biologischen Verwandten waren. Und sie sicherlich auch nicht. Gewiss gab es, wie in vielen Familien, auch Reibereien.
Die Buben schossen manchmal ganz schön quer. Als sie dann ihre Freundinnen mitbrachten, durfte ich zwei Kilo Nudel kochen. Es war eine herrliche Zeit. Dann kamen die Enkel, die hauptsächlich die Urgroßeltern betreuten. Sie waren eine große Bereicherung für die älteren Leute.
Nun gingen wir in Rente, der Schwiegervater verkaufte das Anwesen und gab uns das Geld für das Haus in Eich. Jetzt wurde meine Schwiegermutter sehr krank, sie hatte Magenkrebs. Aber da er rechtzeitig erkannt wurde, durfte sie noch fünfzehn Jahre „gesund“ leben. Mein Schwiegervater sagte einmal, wenn sie stirbt, habe ich nicht so weit zum Friedhof.
Ja, gegenüber ist er. Wenn es bei uns ein Essen gab, das einer von ihnen gerne mochte, rief ich immer, „komm, deine Leibspeise steht auf dem Tisch.“
Sie hatten eine gute Zeit, die Unkenrufe hatten sich nicht bewahrheitet, „eine alten Baum verpflanzt man nicht.“ Sie saßen jeden Mittag zusammen und spielten Skat. Der Vater starb innerhalb zwei Tagen im Krankenhaus mit achtundachtzig Jahren. Beide Mütter wurden Dreiundneunzig, ohne nennenswerte Wehwehchen.
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Mein Leben danach
Vor drei Jahren verstarb mein Mann mit zweiundsiebzig. Es war eine sehr schlimme Zeit. Wir waren so viele Leute im Haushalt, und dann war ich alleine. Jeden Abend kann ich mich einmal in der Woche in ein anderes Bett legen.
Sehr oft fahre ich nach Worms, mische mich unter die Menschenmenge, nur um das Gefühl zu haben ich bin nicht alleine. Mein Ältester wohnt in Österreich, der andere in Köln. Beide rufen sehr oft an. Der Kölner heiratet jetzt und lässt mich an all seinen Aktivitäten teilhaben.
Ich habe mich nach dem Tod meines Mannes total verändert. Alles was gang und gäbe war, hat heute keinen Bestand mehr. Ich mistete alles aus, was ich glaubte, dass es keinen Wert mehr für mich hatte. Mein ganzes Wesen verwandelte sich. Der Tod hatte mir gezeigt, wie wenig Wichtiges es im Leben gibt.
Meine Trauerbewältigung hieß "Schreiben". Alles, was mir so in den Sinn kam, war auf dem Papier. Später kaufte mir mein Ältester einen Rechner. In mühevoller Kleinarbeit lernte ich damit umzugehen. Am Anfang half mir die Redaktion Opinio, dass ich mich zurecht fand. Viele, viele Fehler nahmen ihren Weg dorthin. Dann lernte ich Spirit of Jan kennen, der seitdem mein bester Freund ist. In Opinio fand ich die Gefährten, welche das gleiche Hobby haben. Sie verstehen, was ich schreibe.
Das hatte ich in meiner Ehe nicht gefunden, brauchte es auch nicht. Andere Dinge standen im Vordergrund. Zum Beispiel Reisen, andere Länder sehen, fremde Kulturen erleben. Gewiss, das tue ich auch heute noch, doch nicht mehr so oft. Allein, ohne Ihn, macht es keinen Spaß mehr. Ich koche selten, und wenn, nur für Gäste. Mein Leben hat eine ganz andere Richtung genommen. Ich bin selbst überrascht, wie leicht es mir gelungen ist, nur das zu tun, was mich glücklich macht.
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