In seiner Freude suchte er einen Menschenstamm im hohen Norden auf, um den Frierenden in den Wintermonaten Licht und Wärme zu schenken. Die Menschen waren darüber so glücklich, dass sie vergaßen, dem Manne zu danken. Der nämlich war sehr bald schon weitergereist, zu einem Nachbarstamm, um auch diesem den Segen des Feuers zu bringen. In diesem Stamme aber wurden die Priester eifersüchtig auf die neue Gabe der Götter. Sie brachten den Mann um.
Und um ihre Tat zu verschleiern, errichteten sie in dem vornehmsten ihrer Tempel mitten auf dem Hochaltar ein Bild des ehrwürdigen, allzeit zu verehrenden Feuerbringers. Ja, ihre Hochachtung für diesen Mann ging so weit, dass sie einen eigenen Kult für ihn einrichteten. Mit großer Sorgfalt setzten sie die Gebete und Formeln fest, in denen es möglich und nötig sei, jenen Mann richtig und wirksam zu verehren. Sie gaben sogar eine offizielle Lebensbeschreibung des großen heiligen Feuerbringers und Mannes Gottes heraus, die in allen Familien gelesen werden musste und schon den Kindern zum Lernen aufgegeben wurde. Und damit niemand in Irrtum darüber gerate, von welch wahrer Natur und erhabener Wesensart jener Gottesmann wirklich gewesen sei, erstellten sie eine ausführliche Darlegung des einzig wahren, für alle verbindlichen Glaubens an den großen und einzigartigen, alle Menschen guten Willens verbindenden Feuerbringers. Und damit niemand mehr die also irrtumsfrei unterwiesenen Gläubigen zu Irrtum verführe, verfügten sie obendrei streng, dass im Falle auch nur der geringsten Abweichung in Inhalt und Wortlaut von der vorgeschriebenen Diktion ihrer Dogmen der derart Schuldiggewordenen mit dem Feuertod zu bestrafen sei als ein Feind der Götter und der Menschen. Kein Vergehen gab es, das für größer galt als dieses.
Alles war somit auf das beste bestellt, um den großen, göttlichen Feuerbringer in alle Zeiten zu ehren. Es fehlte nur noch, dass die barbarischen Völker ringsum der gleichen Wahrheit und Segnungen teilhaftig würden. Man zog daher aus und zerstörte ihre primitiven Hütten und heidnischen Gotteshäuser. Man zwang sie, in den Bergwerken nach Silber und Gold zu graben und bestrich damit die Pfeiler und Kuppeln der herrlichsten Kirchen. Kein Opfer schien groß genug, dessen die Ehre des göttlichen Feuerbringers nicht wert gewesen wäre.
Nur die Kunst des Feueranzündens selber war in Vergessenheit geraten. Niemand mehr wusste, dass Feuer sich finden lässt einzig in etwas so Einfachem wie einem totem Stein, einem bisschen trockenem Laub und zerriebenem Holz.
Die Priester probierten wohl insgeheim immer wieder, mit Blättern aus purem Gold, mit Zweigen aus schimmerndem Silber und mit kostbarsten rotglühenden Rubinen und Granaten Feuer zu machen. Doch vergebens.
Der Kult des Feuermachens hatte die Kunst des Feuermachens entgültig getilgt.
