FEUERWERK DER GEFÜHLE III (letzter Teil)
Gregor und Martina. Wenn Männer sich nicht entscheiden können
Gestern Abend, 18:00 Uhr. Gregor steht vor Martinas Tür. Hinter seinem Rücken hält er etwas verborgen.
Martina war bis zu dem Moment, wo sie die Klingel hörte, ziemlich sicher, dass Gregor nicht kommen würde. Zu unsicher hat er gewirkt, zu zerstört in seiner Bereitschaft, die Dinge anzugehen, die auf ihn zukommen. Sollen das lediglich zwei Frauen bewirkt haben? Sie, Martina und seine erste Liebe?
Selbst als es geklingelt hat, ist sie eher davon ausgegangen, dass es die Post ist, die viel zu tun hat, oder eine Nachbarin, die sich etwas ausleihen will. Aber nun steht Gregor da, die Hände hinter dem Rücken versteckt, im schlichten, dunkelblauen Anzug und weißem Hemd ohne Krawatte. Leicht vorgebeugt steht er da, mit einem verkrampften Lächeln im Gesicht.
„Komm doch rein“, sagt Martina beherrscht. Am liebsten würde sie ihm um den Hals fallen und in die Wohnung zerren. So sehr liebt sie ihn, aber das wäre der sicherste Weg, ihn die Flucht antreten zu lassen.
Gregor macht einen großen Schritt über die Schwelle, so, als sei die frisch gestrichen. Kaum ist er drin, überreicht er Martina mit Stolz im Gesicht eine Schachtel Süßigkeiten.
„Freunden gibt man ein Küsschen“, sagt er und wartet auf ihre Reaktion.
Martina flucht innerlich. Oh shit, denkt sie. Deutlicher kann es ein Mann nicht ausdrücken. Er will Freundschaft und ich will Liebe. Das wird nichts.
Gregor streift die Schuhe ab, ohne die Schnürsenkel zu öffnen. Martina überzeugt sich intuitiv, dass er keine Löcher in den Strümpfen hat. Bei einem so linkisch auftretenden, unsicheren Typen weiß man ja nie...
Martina ist wieder diejenige, die zugreift, die Körperkontakt will. Weil Gregor ein Manko an Berührungen hatte, ist er vor genau einem Jahr überhaupt auf sie eingegangen. Schließlich hat er in einer sicheren, wenn auch langweiligen Beziehung gelebt, ohne Berührungen, die jeder Mensch braucht und ohne die nur wenige überleben.
Sie zieht ihn am Handgelenk ins Wohnzimmer. Will heißen, in ihr Zimmer, denn sie wohnt in einer Einzimmerwohnung mit Klappcouch und Kochnische.
Martina hat den Tisch hübsch dekoriert. Auf dem Tisch stehen zwei Kerzen in Glasleuchtern. Martina legt die „Küsschen“ auf die Anrichte und zündet die Kerzen an. Die beiden setzen sich. Martina beugt sich weit vor und sieht Gregor erwartungsvoll an. Gregor legt seine Unterarmen auf die Schenkel und pult an den Fingernägeln.
Er will nichts von mir, denkt Martina. Er wird auch nicht lange bleiben. Schließlich hat er noch nicht einmal einen Mantel dabei, wir können also noch nicht einmal um Mitternacht auf den Balkon gehen, um der Knallerei zuzusehen. Er kann nicht über Nacht bleiben, weil er nicht mal Wäsche zum Wechseln dabei hat.
Eine Zahnbürste hätte sie noch...
Martina holt tief Luft, „Eine Zahnbürste hätte ich noch für dich“, ruft sie, ohne ihn anzusehen. Ein wenig schämt sie sich schon für ihr direktes Auftreten.
Sie zieht den Korken aus der Rotweinflasche und schenkt sich ein. Wie in einem Speiselokal nippt sie, um zu prüfen, ob der Wein nach Korken schmeckt.
„Ich weiß“, flüstert Gregor mit rauher Stimme.
„Bitte?“
Nun mach schon, du Feigling, sagt Gregor zu sich selber. Er räuspert sich energisch. „Ich weiß, dass du mich liebst, und dass du mich deshalb zu dir nach Hause eingeladen hast. Ich weiß, dass du eine leidenschaftliche Frau bist, und wenn du schon in deinem Keller mit mir schlafen musstest...“
Jetzt kommt der Abschied, denkt Martina. Shit. Ein Kloß steigt in ihrem Hals nach oben.
„...wenn du schon im Keller mit mir schlafen musstest...“
Martina hockt sich vor ihn. Wie ein Lover vor hundert Jahren, wenn er um die Hand seiner Angebeteten anhielt. Sie nimmt seine Hände.
„...ich musste nicht“, unterbricht sie. „Ich hatte das Bedürfnis, und jetzt habe ich es wieder.“
Martina beugt sich über seine Hände und küsst sie sanft. Gregor zuckt um Millimeter zurück und lässt es dann zu.
Es sind seine Hände, denkt Martina. Seine Hände gehören zu seinem Körper. Ich küsse seinen Körper. Ihre kleine, neugierige Zunge wagt sich vor und schiebt sich zwischen Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand. Gregor zuckt wieder, atmet tiefer, deutlicher, heftiger. Er greift zu und zieht Martina über sich. Ihre Münder verschmelzen in einem langen, innigen Kuss.
Mitternacht.
Die Raketen am Himmel werfen ihre Lichtbögen durch die zugezogenen Übergardinen und beleuchten die Liebe zwischen Gregor, dem Jungen, der sein Vertrauen zu den Frauen verloren hatte und Martina, der Frau, die ein Leben lang wusste, dass er eines Tages auftauchen würde, der Mann ihrer Träume, und dass sie bereit sein würde, alles für diese Liebe aufzugeben.
„Ich liebe Dich“, flüstert Martina, als ihr dies bewusst wird. Gregor sieht das als Aufforderung zu einer neuen Runde Liebe und wirft sich über sie...
Armer, armer Gregor
Martina war bis zu dem Moment, wo sie die Klingel hörte, ziemlich sicher, dass Gregor nicht kommen würde. Zu unsicher hat er gewirkt, zu zerstört in seiner Bereitschaft, die Dinge anzugehen, die auf ihn zukommen. Sollen das lediglich zwei Frauen bewirkt haben? Sie, Martina und seine erste Liebe?
Selbst als es geklingelt hat, ist sie eher davon ausgegangen, dass es die Post ist, die viel zu tun hat, oder eine Nachbarin, die sich etwas ausleihen will. Aber nun steht Gregor da, die Hände hinter dem Rücken versteckt, im schlichten, dunkelblauen Anzug und weißem Hemd ohne Krawatte. Leicht vorgebeugt steht er da, mit einem verkrampften Lächeln im Gesicht.
„Komm doch rein“, sagt Martina beherrscht. Am liebsten würde sie ihm um den Hals fallen und in die Wohnung zerren. So sehr liebt sie ihn, aber das wäre der sicherste Weg, ihn die Flucht antreten zu lassen.
Gregor macht einen großen Schritt über die Schwelle, so, als sei die frisch gestrichen. Kaum ist er drin, überreicht er Martina mit Stolz im Gesicht eine Schachtel Süßigkeiten.
„Freunden gibt man ein Küsschen“, sagt er und wartet auf ihre Reaktion.
Martina flucht innerlich. Oh shit, denkt sie. Deutlicher kann es ein Mann nicht ausdrücken. Er will Freundschaft und ich will Liebe. Das wird nichts.
Gregor streift die Schuhe ab, ohne die Schnürsenkel zu öffnen. Martina überzeugt sich intuitiv, dass er keine Löcher in den Strümpfen hat. Bei einem so linkisch auftretenden, unsicheren Typen weiß man ja nie...
Martina ist wieder diejenige, die zugreift, die Körperkontakt will. Weil Gregor ein Manko an Berührungen hatte, ist er vor genau einem Jahr überhaupt auf sie eingegangen. Schließlich hat er in einer sicheren, wenn auch langweiligen Beziehung gelebt, ohne Berührungen, die jeder Mensch braucht und ohne die nur wenige überleben.
Sie zieht ihn am Handgelenk ins Wohnzimmer. Will heißen, in ihr Zimmer, denn sie wohnt in einer Einzimmerwohnung mit Klappcouch und Kochnische.
Martina hat den Tisch hübsch dekoriert. Auf dem Tisch stehen zwei Kerzen in Glasleuchtern. Martina legt die „Küsschen“ auf die Anrichte und zündet die Kerzen an. Die beiden setzen sich. Martina beugt sich weit vor und sieht Gregor erwartungsvoll an. Gregor legt seine Unterarmen auf die Schenkel und pult an den Fingernägeln.
Er will nichts von mir, denkt Martina. Er wird auch nicht lange bleiben. Schließlich hat er noch nicht einmal einen Mantel dabei, wir können also noch nicht einmal um Mitternacht auf den Balkon gehen, um der Knallerei zuzusehen. Er kann nicht über Nacht bleiben, weil er nicht mal Wäsche zum Wechseln dabei hat.
Eine Zahnbürste hätte sie noch...
Martina holt tief Luft, „Eine Zahnbürste hätte ich noch für dich“, ruft sie, ohne ihn anzusehen. Ein wenig schämt sie sich schon für ihr direktes Auftreten.
Sie zieht den Korken aus der Rotweinflasche und schenkt sich ein. Wie in einem Speiselokal nippt sie, um zu prüfen, ob der Wein nach Korken schmeckt.
„Ich weiß“, flüstert Gregor mit rauher Stimme.
„Bitte?“
Nun mach schon, du Feigling, sagt Gregor zu sich selber. Er räuspert sich energisch. „Ich weiß, dass du mich liebst, und dass du mich deshalb zu dir nach Hause eingeladen hast. Ich weiß, dass du eine leidenschaftliche Frau bist, und wenn du schon in deinem Keller mit mir schlafen musstest...“
Jetzt kommt der Abschied, denkt Martina. Shit. Ein Kloß steigt in ihrem Hals nach oben.
„...wenn du schon im Keller mit mir schlafen musstest...“
Martina hockt sich vor ihn. Wie ein Lover vor hundert Jahren, wenn er um die Hand seiner Angebeteten anhielt. Sie nimmt seine Hände.
„...ich musste nicht“, unterbricht sie. „Ich hatte das Bedürfnis, und jetzt habe ich es wieder.“
Martina beugt sich über seine Hände und küsst sie sanft. Gregor zuckt um Millimeter zurück und lässt es dann zu.
Es sind seine Hände, denkt Martina. Seine Hände gehören zu seinem Körper. Ich küsse seinen Körper. Ihre kleine, neugierige Zunge wagt sich vor und schiebt sich zwischen Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand. Gregor zuckt wieder, atmet tiefer, deutlicher, heftiger. Er greift zu und zieht Martina über sich. Ihre Münder verschmelzen in einem langen, innigen Kuss.
Mitternacht.
Die Raketen am Himmel werfen ihre Lichtbögen durch die zugezogenen Übergardinen und beleuchten die Liebe zwischen Gregor, dem Jungen, der sein Vertrauen zu den Frauen verloren hatte und Martina, der Frau, die ein Leben lang wusste, dass er eines Tages auftauchen würde, der Mann ihrer Träume, und dass sie bereit sein würde, alles für diese Liebe aufzugeben.
„Ich liebe Dich“, flüstert Martina, als ihr dies bewusst wird. Gregor sieht das als Aufforderung zu einer neuen Runde Liebe und wirft sich über sie...
Armer, armer Gregor
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