"Ooooomaaa ...Sonne?" Meine Enkelin wünscht meine Aufmerksamkeit!
Vor allem jedoch möchte sie unbedingt an die Bücher heran, die auf dem Tisch liegen - an meine Spanisch-Lern-Lektüre. Diese macht sich nämlich - für sie neu und wunderbar bunt - auf dem Tisch breit, was dieses Kind selbstverständlich ganz und gar nicht stört. Lediglich sie nicht berühren und herumtragen zu dürfen ist eine ziemlich schwierig zu lösende Herausforderung, denn ...es wurde ihr untersagt sie zu nehmen.
Nun, diese junge Dame lässt erkennen, welches Intelligenz-Potential in ihr schlummert. Sie findet postwendend eine Lösung - sie ist schließlich meine Enkeltochter! :-) Sie greift einfach auf eine Methode zurück, die sich auch vorher schon als erfolgreich erwiesen hat: nämlich zur Freude ihrer stolzgeschwellten Großmutter in Büchern Dinge zu benennen. Hierzu sollte ich bemerken, dass sie seit ganzen 22 Monaten unsere Erde mit ihrer Anwesenheit beglückt und in diesem zarten Alter bereits über eine recht umfängliche, dem Entwicklungsstand angemessene Mini-Bibliothek verfügt. Ja, sie verfügt, sowohl im Sinne von besitzen und haben, wie auch in der Bedeutung von anordnen und veranlassen :-)
Mein Spanisch-Lehrbuch ist recht reich bebildert mit Fotografien und "sprechenden" bunten Comics. Ganz besonders häufig tauchen in den ersten Lektionen bestimmte Gestirne auf: Sterne, der Mond als zunehmende Sichel, die Sonne mit Smiley-Gesicht. Just diese Himmelskörper finden sich nun auch zuhauf in ihren Büchern, die sie mir seit Tagen immer wieder vorlegt. "Was in den eigenen Druckerzeugnissen recht ist, kann denen der Oma ja nur billig sein!", mag sie wohl gedacht haben. So schafft es der Fratz ganz locker, meine Aufmerksamkeit zu binden, ohne meine Lektüre auch nur anzufassen: indem sie mich auf die Symbole weisen lässt, diese mit Begeisterung identifiziert und ihr derzeit liebstes Wort einsetzt, wenn auf der Doppelseite alle Bildchen ausgemacht sind:
"Mehr!?!"
Oh, wie beneide ich dieses Kind! Sie plagt sich nicht umständlichen Erwägungen über das Wenn und Aber. Sie bewegt die Dinge nicht Stunden, Tage, Monate oder gar Jahre hin und her, um sie letztlich entkräftet und entmutigt ad acta zu legen. Sie setzt kein Gedanken-Karussell in Gang, bei dem der Schalter zum Abstellen defekt ist. Ihr ist es völlig schnuppe, ob die Dinge gegebenen Falles Konsequenzen haben, die man schon auf dem Vorwege ausräumen möchte, weil sie ansonsten zu unliebsamen Überraschungen führen könnten. Sie hat nicht die geringste Angst vor Situationen, die Ähnlichkeiten mit bereits Durchlittenem aufweisen. Keine Altlast lässt ihren Gang schleppend werden oder die Schultern hochziehen, um Nackenschläge besser abzufedern. Pakete die andere ihr aufladen wollen, nimmt sie einfach nicht an.
Statt dessen stellt sie ihr Anliegen mitten in den Raum, geht eventuell noch einmal drum herum, schnappt sich das Ding und stellt es Dem- oder Derjenigen vor die Füße, den oder die sie für ausreichend kompetent erachtet, ihr bei der Umsetzung behilflich zu sein. Genial!
Findezeit habe ich diese kleine Geschichte genannt, nachdem mir aufging, dass es bei ganz vielen Entscheidungen meistens nur darum geht - um diese gewisse Zeitspanne, die ich für eine Lösung benötige. Weder das Finden von Zeit - auch nicht das Schinden selbiger - noch die endlosen Such-Versuche, die ja doch nur aufschiebenden Charakter haben, eine Vermeidungstaktik für eventuell unliebsame oder unbequeme Ergebnisse sind, bringen mich auch nur einen Schritt näher an das Objekt meiner Wünsche.
Wenn ich mir beispielsweise das Sprichwort "Kommt Zeit, kommt Rat!" anschaue, stellt sich mir die Frage: Woher soll sie denn kommen? Oder die Redewendung "Dem lieben Gott den Tag/die Zeit stehlen..." Ist es nicht eigentlich lachhaft, wenn ich versuche, etwas weg zu nehmen, worüber ich bereits verfüge ...noch dazu von unserem Herrgott, der mir eh schon alles gab? Und welche Konsequenz hätte es denn tatsächlich "die Zeit tot zu schlagen"? Was geschieht mit ihr, wenn "die Zeit reif ist"? Man mache sich einmal klar, wie unsinnig das Bemühen zum Aufspüren oder Herumbringen von Zeit ist.
Zeit war, wird sein ...und ist!
In diesem Sinne will ich versuchen, den verbleibenden Teil meines Lebens zu gestalten ...im Hier und Jetzt! Dies halte ich für einen so umfassenden Entschluss zu Beginn diese neuen Jahres, dass ich mir alle anderen guten Vorsätze schlicht erspare. Und sollte ich mich trotzdem mal wieder verlieren in den endlosen Gängen meiner Vergangenheit-Bewältigung-Hirn-Windungen oder den windigen Arkaden der Was-wäre-Wenn-Zukunft-Ängste ...werde ich einfach einen Besuch bei meiner Enkeltochter machen!
So, dies waren die ersten Stunden in 2009. Mir hat es Freude bereitet diese Zeilen zu schreiben, darum sehe ich sie nicht als "vertane Zeit" an. Für den/die geneigte/n Leser/in wünsche ich von Herzen, er/sie möge die Zeit des Lesens nicht als vergeudet ansehen. Kommentare sind willkommen ...natürlich nur die positiven. An Negationen habe ich schon viel zu viel Zeit verschwendet! :-)
Ein gesegnete Jahr 2009!
Findezeit...
oder: "Was geschieht, wenn ich bei mir ankomme ...wenn ich denn ankomme?
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