Am Tage konnte ihre Freude auf ihren Urlaub durch nichts erschüttert werden. Aber die Nächte waren ein einziger Horrortrip! Je näher die Zeit kam, desto heftiger fiel die Angst über sie her. Sie machte sich schon vor dem Einschlafen in ihrem Kopf breit. Alleine die Vorstellung, dass sie ca. zehntausend Meter über der Erde in einem riesigen Vogel der schwerer als Luft ist, und mit der enormen Geschwindigkeit von durchschnittlich 800 Stundenkilometer fliegen würde, versetzte sie schon jetzt in Panik. Schnelles fahren mit dem Auto verursachte ihr auch schon manchmal Angst.... als Beifahrer, die aber längst nicht so schlimm war, weil sie da noch “Boden unter den Füßen” hatte, und wenn sie selbst fuhr, dann hatte sie Kontrolle über ihr Handeln. Da oben würde sie “ohnmächtig” sein.

Der Tag war gekommen, und sie ließ sich zum Flughafen fahren. Erstaunlicherweise war sie ganz ruhig....zu ruhig! Nachdem alle üblichen Abläufe erledigt waren, bestieg sie nun die schmale Treppe, um in das Innere des Vogels zu gelangen. Die Ruhe war schlagartig verschwunden, als sie den “Raum” sah, der ihr bedrohliche Gedanken einflößte. Nun sass sie auf ihrem Platz, der auch noch am Fenster war. Der Pilot begrüßte die Passagiere und wünschte ihnen einen angenehmen Flug. Welch eine Ironie, dachte sie! Die Maschine machte durch die lauten Geräusche auf den kommenden Start aufmerksam, denn dem Piloten hörte sie gar nicht mehr zu. Irgendwann erschien eine Stewardess mit einer “Schwimmweste”, und demonstrierte den Passagieren, was sie im Notfall zu tun hätten. Die Angst verwandelte sich nun zu einem Gemisch aus Wut und schwarzen Humor. “Wie soll dieses lächerliche Ding helfen können, wenn sie im Meer “landen” würden”? Sie sah sich schon auf dem Meeresboden , wie sie verzweifelt versuchte, die Türen zu öffnen. “Nichts da, dass geht doch gar nicht! Durch den Druck.... ein Ding der Unmöglichkeit! Und wenn sie auf den Boden aufprallen würden.... wie sollten diese Westen da eine Hilfe sein? Lächerlich, einfach lächerlich”!

Irgendwann wurde für die Passagiere das Essen ausgeteilt. Während sie im Salat rumstocherte, kam ihr der Gedanke, dass sie nicht einmal ihr Handy benutzen konnte, um “Hilfe” herbei zu rufen. “Aber was für einen Quatsch denke ich denn da.......wer sollte hier oben zur Hilfe kommen”? Dann schossen ihr plötzlich Worte durch den Kopf, die ihre Oma immer zu ihr sagte:” Kind, vergesse nie, dass ALLES im Leben möglich ist”! Also auch ein Absturz, dachte sie....und warum kommst du mir jetzt mit deiner Liebe zum Makabren in die Quere? Nicht mal jetzt kannst du es lassen? Ok, du bist noch viel weiter oben als ich ....lass es einfach ...lass es bitte...ich liebe genau wie du den “schwarzen Humor”....aber nicht jetzt bitte....hole mich einfach hier raus...zeige noch ein letztes Mal deine Liebe zu mir!

Sie bemerkte einen sanften Aufprall, denn sie waren gelandet! Ungläubig schaute sie aus dem Fenster und sah den guten alten Boden wieder. “War doch gar nicht so schlimm.....warum habe ich mich angestellt wie ein Huhn, dass kurz vor seiner “Hinrichtung” stand”?

Ihre Flugangst war mit einem Schlag “verflogen”! Dann hörte sie die einst geliebte Stimme sagen:”Karen, hast du den bald folgenden Rückflug vergessen”?