Dann lernt sie einen Mann kennen, mit dem sie sich ein paar Mal trifft, in den sie sich verliebt und mit dem sie bald fest zusammen ist. Als sie ihrem Ex davon erzählt, so wie man es eben einem guten Freund erzählt, reagiert er fast eifersüchtig und tut alles andere, als sich mit ihr zu freuen. Und auch sie hat sich vorher bereits gefragt, wie sie reagieren würde, wenn er eine andere Frau kennen lernen würde. Hätte sie damit umgehen können? Und in diesem Zusammenhang fragt sie sich: Kann man mit dem Ex überhaupt befreundet sein? Und: Will man das denn wirklich??
Fakt ist doch, dass egal aus welchem Grund sich zwei Menschen getrennt haben, sie sich zuvor einmal viel bedeutet haben. Es sei denn, es gab andere Motive für die Beziehung, dieser Fall soll jedoch hier außen vor bleiben. Wenn man sich also einmal viel bedeutet hat, sollte man dann nicht auch nach der Trennung freundschaftlich miteinander umgehen? Ist man sich das nicht sogar schuldig? Was ist nun aber, wenn der eine den anderen belogen und betrogen hat? Hat er dann noch den Respekt oder gar die Freundschaft des anderen verdient oder ist es nicht verständlich, wenn ihm - zumindest zunächst - Wut oder sogar Hass entgegenschlägt und für den Betrogenen eine Freundschaft nicht in Frage kommt? Die Frage, die sich hier ebenso stellt, ist die, wie es um die Vergebung bestellt ist. Kann ich meinem Ex-Partner verzeihen, dass er mich betrogen hat und dann mit ihm befreundet sein? Es gibt vermutlich auch verschiedene Gründe, warum man miteinander befreundet sein will. Grund Nr. 1: Ich will Dich nicht aus meinem Leben lassen, da ich Dich eigentlich immer noch liebe oder aber eine Art seelischer Abhängigkeit von Dir spüre. Nun, bei letztgenanntem wird der derjenige sicher nicht in der Lage sein, es so zu definieren, aber es kann so sein. Grund Nr. 2: Ich will noch mit Dir befreundet sein, um Dich kontrollieren zu können. Ich will wissen, ob und wann es einen anderen Menschen gibt, der Dir etwas (oder mehr als ich) bedeutet. Warum weiß ich selber nicht genau. Vermutlich, weil ich nicht möchte, dass Du glücklich bist, wenn ich es auch nicht bin. Auch hier wird demjenigen letztgenanntes weniger bewusst sein. Grund Nr. 3: Ich weiß, dass es zwischen uns zu Ende ist, doch da Du mir sehr viel bedeutet hast, möchte ich auch jetzt noch mit Dir befreundet sein. Der letzte Grund ist sicher der edelste und uneigennützigste. Zu allererst sollten wir uns also fragen, welches unser Motiv ist, aus dem heraus wir diese Freundschaft schließen wollen. Haben wir wirklich abgeschlossen mit dieser Beziehung und sind wir darüber hinweg? Sind wir schon in der Lage von dem „Liebe-Modus“ auf den „Freundschafts-Modus“ umzuschalten? Wer das kann, braucht dafür sicher auch seine Zeit. Wir sind nun einmal keine Roboter, die nur einen anderen Knopf ihres Betriebssystems zu drücken brauchen. Wir sind Menschen, die Gefühle haben und diese meist erst sortieren müssen. Sicher kann eine Freundschaft zwischen zwei Menschen, die sich einmal geliebt haben, möglich sein. Wenn sich beide mit dem Scheitern ihrer Beziehung auseinander gesetzt und damit abgeschlossen haben, wenn sie dem anderen nichts mehr vor werfen, keine negativen Gefühlen mehr bestehen, dann kann diese Freundschaft möglich sein. Und wenn beide sie wirklich wollen. Denn nicht jeder möchte das und sieht stattdessen eine Beziehung die als beendet gilt, auch so an. Kann der ein oder andere vielleicht einfach nicht los lassen und macht sich vor, rein freundschaftliche Gefühle für den anderen zu empfinden, obwohl das gar nicht so ist? Sicher kann auch das der Fall sein. Manchmal muss man sich einfach selber schützen, vor den eigenen Gefühlen, die noch zu übermächtig sind. Vor dem Schmerz, der noch zu bohrend ist, vor der Einsamkeit, der Verzweiflung, dem Liebeskummer, dem man einfach entrinnen möchte und sich daher vormacht, mit einer Freundschaft, zu dem Menschen, der all diese Gefühle verursacht, könnte man dem entgehen. Das ist ein fataler Irrtum. Man sollte sich den Abstand gönnen, den man braucht, um alles zu verarbeiten. Und manchmal führt dieser Abstand dazu, dass man wieder an Nähe zueinander gewinnt. Dann auf einer anderen Basis, bestehend auf Respekt und Sympathie. Wer das nicht kann und möchte, weil die Wunden zu groß sind, das Verzeihen einfach nicht möglich, dem sei gesagt, dass auch das völlig in Ordnung ist. Man muss nicht zwangsläufig mit seinen Ex-Partnern befreundet sein. Hier kann jeder einen Weg finden, mit dem er in Frieden – mit sich und ggf. dem Ex - leben kann.
Davon abgesehen frage ich mich, die keine Freundin von Freundschaften mit Ex-Partnern ist, warum ich mich jemanden befreundet sein soll, mit dem eine Beziehung nicht mehr in Frage kommt. Ich kann den Anderen respektieren und kann mit Anstand, Abstand gewinnen, doch befreundet sein, möchte ich mit jemandem, mit dem ich einmal das Bett geteilt habe, nicht mehr. Gibt es nicht sogar die Theorie, dass (rein platonische) Freundschaften zwischen Männern und Frauen eh nicht möglich sind? Wieso dann ausgerechnet mit dem Ex? Und außerdem liegt doch bei dem Begriff Ex-Freund die Betonung auf EX. Wenn auch nicht unbedingt auf Ex und Hopp = weg. Obwohl die Abkürzung EX auch von Exitus herrühren kann und nicht von aus/vorbei/ehemalig …
