Heute mittag schien die Sonne so verlockend zum Stubenfenster herein, dass ich kurzerhand beschloss, einen etwas längeren Spaziergang über das ehemalige Bugagelände zu wagen.
Als ich endlich fertig eingemummelt, denn es war noch recht kalt, und es wehte ständig eine leichte Brise, also, als ich endlich fertig angezogen war und das Haus verließ, hatte sich eine dicke schwarze Wolke vor die Sonne geschoben. Aber "frau" gibt ja nicht so leicht auf, die Kleidung war angemessen, also bin ich mit Walkingstöcken bewaffnet munter losgelaufen.
Auf der 300 m langen Holzbrücke,die in ca 20 m Höhe das Gessental überquert, piff der Wind so stark, dass ich gezwungen war, die Brille abzusetzen, und die Kapuze ganz fest um mein Gesicht zu zurren.
Von der Sonne war, trotz vieler blauer Stellen am Himmel weiterhin nichts zu sehen.
Nachdem ich das Gelände kreuz und quer durchwandert hatte, gelangte ich etwas erschöpft zum Ronneburger Balkon, von dem man eine wunderschöne Aussicht in das Gessental und kilometerweit über die Landschaft jenseits der Elster hat.
Trotz der Kälte setzte ich mich auf eine Bank und atmete tief durch.
Da war etwas in der Luft, die mir von Westen her, genau ins Gesicht blies. Ein leicht süßlicher, erdig-würziger Duft!
Konnten die Rosenblätter, die gerade fingernagelgroß an den Ästen der Rosenbüsche sichtbar waren und der ungewöhnlichen Märzenkälte trotzten, solch einen Duft verströmen, oder die Osterglocken, die ich unterwegs gesehen hatte, oder die kleinen blau blühenden Sternchen, an denen ich mich auf dem Weg hierher erfreut hatte? Nein, alles viel zu weit weg!
Plötzlich schickte die Sonne einen dicken Strahl, durch eine Lücke in der Wolke. Wieder und wieder atmete ich tief durch. Woher kam dieser schwache, aber so angenehme Duft, den der Wind herbeitrug?
Plötzlich wusste ich es! Schrieb nicht schon einer unserer Dichter (Mörike) "Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land"?
Was mich so wundersam berührte war der Frühling!