WDR 5 LebensArt vom Mi. 12.03.08, 15.05 – 16.00 Uhr
Frühlingsgefühle – wie kann man sie für sich nutzen? Studioexperte Dr. med. Bernd Sprenger, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Chefarzt der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg:
Der Frühling gilt allgemein als Zeit der Freude: Wenn die Temperaturen steigen und die Sonne scheint, dann blüht nicht nur die Natur auf, sondern auch die Menschen fühlen sich wieder viel wohler in ihrer Haut. Wenn von Frühlingsgefühlen die Rede ist, denkt jeder nur an positive Dinge. Doch nicht jeder blüht im Frühling seelisch auf, es gibt viele Menschen, die gerade jetzt stärker unter psychischen Problemen leiden als sonst.
Was sind eigentlich Frühlingsgefühle?
Im Frühling spielen die Hormone verrückt, heißt es. Doch wie sehr der Hormonhaushalt der Menschen heutzutage tatsächlich noch von der Jahreszeit beeinflusst wird, ist umstritten. Fakt ist: Nach dem eher düsteren Winter wird es im Frühling wieder heller, die Tage werden länger. Mehr Licht regt im Gehirn die Produktion des Botenstoffes Serotonin an, und der wiederum sorgt dafür, dass sich die Menschen glücklicher und motivierter fühlen und Farben, Gerüche, Geräusche und Gefühle intensiver erleben. Der jahreszeitliche Zyklus der Natur wird also vom Körper bis zu einem gewissen Grad mitgemacht. Aller-dings ist unser Alltag heute längst nicht mehr so geprägt von den Licht- und Wetterverhältnissen wie der Alltag unserer Vorfahren. Wir haben das ganze Jahr über genügend (elektrisches) Licht und Wärme – unser Körper reagiert deshalb nicht mehr so stark auf den Wechsel der Jahreszeit.
Doch auch, wenn die Hormone keine so große Rolle mehr spielen wie früher, klar ist: Im Frühling haben viele Menschen bessere Laune und lassen sich von der Aufbruchstimmung der Natur anstecken. Man hält sich wieder mehr draußen auf und ist auch offener für neue Kontakte. (Das - finde ich persönlich - sollten auch wir Platiner nutzen, 'rausgehen, mit dem Hund, ohne Hund, und z. B. bei wärmerem Wetter im Straßencafé statt zu Hause die Zeitung lesen...)
Diese positive Stimmung wird noch verstärkt durch die Werbung und die Medien. Sie vermitteln immer wieder:
Im Frühling geht es aller Welt gut, die Sorgen sind vorbei und: Jetzt ist die beste Zeit zum Verlieben.
Welche Rolle spielt die Frühjahrsmüdigkeit? Viele Menschen fühlen sich aber gerade im Frühling schlapp und müde, der Kreislauf kommt nicht richtig in Schwung. Woher die sog. Frühjahrsmüdigkeit kommt, ist noch nicht eindeutig wissenschaftlich geklärt, vermutlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Alles in allem kann man sagen, dass der Körper in dieser Zeit des Umbruchs schlichtweg überfordert ist. Denn nicht nur die Natur verändert sich, sondern auch der menschliche Stoffwechsel und sein Hormonhaushalt.
So steigt die Körpertemperatur, die Blutgefäße weiten sich und der Blutdruck steigt (oder...?).
Während im Winter das Schlafhormon Melatonin eine große Rolle spielt, kurbelt der Frühling stattdessen das so genannte Glückhormon Serotonin an. Bis der Hormonhaushalt wieder im Gleichgewicht ist, dauert es allerdings etwas. Die Menschen erwachen also erst langsam aus ihrem „Winterschlaf“, der Organismus kommt mit dem Jahreszeiten- Wechsel am Anfang nicht schnell genug mit. Außerdem ist das Immunsystem oft noch geschwächt von winterlichen Erkältungs- krankheiten.
Miese Stimmung statt Frühlingsgefühle: Abgesehen von den körperlichen Startschwierigkeiten haben manche Menschen ausgerechnet im Frühling psychische Probleme. Wem es ohnehin nicht gut geht, wer in einer psychischen Krise steckt, der fühlt sich jetzt oft noch schlechter. Er empfindet den Gegensatz zwischen der guten Stimmung um ihn herum und seiner eigenen schlechten Verfassung als frustrierend: „Allen geht es besser, nur mir geht es schlecht!“
Viele setzten sich auch selbst unter Druck: „Jetzt, wo Frühling ist und alle anderen sich wohl fühlen, da muss doch auch ich endlich aus der Krise heraus kommen!“
Wer lange allein war, sagt sich vielleicht: „Wenn ich mich jetzt im Frühling nicht verliebe, dann klappt es nie mehr!“ Das Problem dabei: Je verbissener man sich und die eigene Situation verändern möchte, desto tiefer kann man in die psychische Krise rutschen.
Wann wird aus einer schlechten Stimmung eine Depression? Einen schlechten Tag oder ein Stimmungstief kann jeder einmal haben. Man hat zu nichts Lust, fühlt sich kraftlos und sieht alles nur negativ. Doch normalerweise ändert sich dieser Zustand nach kurzer Zeit wieder – ein vorübergehendes Tief wirft einen nicht aus der Bahn. Man kann damit umgehen, weil man weiß, dass auch wieder bessere Tage kommen. Manchmal wird aus einem Stimmungstief aber auch eine ernsthafte psychische Krise und im schlimmsten Fall eine Depression. Das bedeutet: Die negativen Gefühle werden zum Dauerzustand. Depressive sehen alles durch eine dunkle Brille, können sich über nichts mehr freuen und fühlen
sich wie erstarrt. Viele leiden unter Schlafstörungen und sind ständig müde. Sie verlieren ihr Selbstbewusstsein, sehen sich als Versager und haben Schuldgefühle. Oft gehört zu einer Depression auch, dass man keinen Appetit mehr hat und stark abnimmt. Die Depression ist im Gegensatz zu vorübergehenden Stimmungsschwankungen also eine schwere Krankheit. - Depressive leiden nicht nur psychisch, sondern auch körperlich. Sie brauchen Hilfe von Fachleuten – von Ärzten und Psychotherapeuten. (Ich wüsste da auch noch andere Hilfe)
Wie kann man den Frühling für eine gute Stimmung nutzen?
Wer den Frühling positiv für sich nutzen will, statt ausgerechnet dann, wenn in der Natur alles aufblüht, in eine psychische Krise zu rutschen, der muss selbst aktiv werden.
Dr. Bernd Sprenger betont: „Der Frühling ist eine großartige Jahreszeit, um auch die Seele aufblühen zu lassen.“ Allerdings dürfe man nicht erwarten, dass mit Frühlingsbeginn plötzlich automatisch alles besser läuft. „Seelischer Frühjahrsputz“ bedeutet: In sich selbst hineinzuhören und ehrlich auszuloten, wie es einem gerade geht. Ganz wichtig: Nur wer sich selbst und seine aktuellen Probleme und Schwächen akzeptiert, der kann sich auch verändern. Wer dagegen zu hohe Ansprüche an sich selbst hat, kann nur scheitern. Um dieses Paradox der Veränderung zu überwinden, muss man sich mit kleinen Schritten zufrieden geben. Also nicht gleich sein Leben komplett umkrempeln, sondern sich konkrete kleinere Ziele setzen.
Wer z. B. jahrelang überhaupt keinen Sport mehr getrieben hat und jetzt endlich wieder körperlich aktiv werden will, der muss nicht gleich für einen Marathon trainieren. Ein täglicher Spaziergang tut es für den Anfang auch. Wer den Frühling als Chance für einen Neuanfang und einen Weg aus der Krise nutzen will, sollte sich an folgende praktische Tipps halten:
Mehr Bewegung. Sport und Bewegung sind eine sehr gutes Gegenmittel gegen depressive Stimmungen.
Der Frühling mit seinen milderen Temperaturen bietet viele Gelegenheiten, um an der frischen Luft aktiv zu sein,etwa mal wieder joggen/walken zu gehen oder im Garten zu arbeiten. (Übrigens auch immer eine Chance für einen Flirt, zumindest aber Kontaktaufnahme mit anderen Joggern oder dem netten Nachbarn oder...)Der Hintergrund: Die körperliche Bewegung beeinflusst den Hormonhaushalt, vor allem die Serotonin-Produktion.
Bei Ausdauersport (z. B. Langstreckenlauf) bilden sich außerdem so genannte Endorphine, die die Stimmung ebenfalls aufhellen. Abgesehen davon fühlen sich viele Menschen nach dem Sport oder auch nach einem ausgiebigen Spaziergang angenehm müde und sind stolz auf dass, was sie geleistet haben. Wer sich viel draußen bewegt, der profitiert auch noch von einem anderen Nebeneffekt: Sein Körper nimmt mehr Licht auf,und auch das sorgt für eine bessere Stimmung.
Genug Schlaf: Um den Körper nicht zusätzlich zu strapa- zieren, sollte jeder, der sich in einem Stimmungstief befindet, besonders auf seine „innere Uhr“ achten. Ausgesprochene Morgenmenschen sollten also abends nicht zu lange aufbleiben, und wer tagsüber ein kurzes Nickerchen braucht, darf sich dies auch gönnen, wann immer es möglich ist (oder mit einer Decke in den Park!!!).
Gesunde Ernährung: Mehrere kleine, leichte Mahlzeiten sind jetzt besser als große, deftige Speisen – wie man sie im Winter gerne mag. Viele Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe bringen den Körper wieder in Schwung und helfen gegen die Frühjahrsmüdigkeit. Wer reichlich Vollkornprodukte isst und viel trinkt, sorgt für eine gute Verdauung und hilft dem Körper beim Entschlacken von Stoffen, die sich über den Winter angesammelt haben.
Immunsystem stärken: Der Kreislauf wird durch die wechselnden Temperaturen im Frühling ziemlich beansprucht. Mit Kneippgüssen – also kalt-warmen Wechselduschen - oder regelmäßigen Saunabesuchen kann man das Herz-Kreislauf- System trainieren (Ich wüsste da auch herrliche Therme-Anlagen).
Positiv denken: Wer dem Frühlingstief oder generell einer psychischen Krise entkommen möchte, muss nicht nur seinem Körper etwas Gutes tun, sondern auch bereit sein, seinen Denkstil zu ändern. Die Experten sprechen von einer „kognitiven Umstrukturierung“. Viele Menschen, die zu Depressionen nei-gen, sehen alles durch eine negative Brille. Sie müssen sich darüber klar werden, dass ihre Weltsicht oft nicht der Realität entspricht. Für eine solche kognitive Umstrukturierung braucht ein Mensch, der bereits in einer ernsthaften Depression steckt, professionelle Hilfe des Therapeuten. Wer sich nur in einem Stimmungstief befindet, kann selbst versuchen, negative Denkmuster zu erkennen und aufzubre-chen.
„Positiv denken“ heißt dabei nicht, alles plötzlich rosarot zu sehen, sondern die eigene Sicht immer wieder zu hinter- fragen und Möglichkeiten für eine positive Entwicklung der Dinge auch wahrzunehmen. Statt des negativen Denkens ist realistisches Denken gefragt. Statt eine einzelne ungute Erfahrung zu verallgemeinern – nach dem Motto: Wenn es einmal nicht gut gelaufen ist, dann wird es immer schlecht
laufen – ist es besser, sich beim nächsten Mal auf die möglichen Erfolgschancen zu konzentrieren.
Reden hilft:
Wer sich mit seinen Problemen zurückzieht und immer mehr ins Grübeln gerät, wird aus dem Tief kaum
herausfinden. Es ist wichtig, die eigenen Probleme mit Freunden oder mit der Familie zu besprechen – auch wenn es einem schwer fällt. Wer alle Symptome einer schweren Depression hat, der sollte ...siehe oben.
Moderation Andreas Lange,Recherchen Birgit Harms
Redaktion Ruth Schulz
Ich habe mir erlaubt, ein paar eigene Gedanken einzustreuen bzw. den Artikel etwas zu kürzen.
Frühlingsgefühle
Zu diesem Thema habe ich eine interessante Sendung gehört und mir den Text hier herunter geladen über wdr5.de...natürlich etwas gekürzt.
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