Es ist eine Eigenheit des Menschen, dass die sexuelle Begegnung zwischen Mann und Frau einen so hohen Stellenwert entwickelt hat. Auch wenn allgemeine und sexuelle Zufriedenheit in einer Paarbeziehung nicht immer Hand in Hand gehen: Die Sexualität im umfassenden Sinn, d. h. einschließlich Werbungsverhalten, Annäherung, Stimulation, Koitus, Schwangerschaft und Geburt, hat einen wesentlichen Einfluss auf alle anderen Lebensbereiche. Es gibt widersprüchli-che Daten über den Zusammenhang von allgemeiner und sexueller Zufriedenheit. Die allgemeine Erfahrung zeigt jedoch, dass einerseits sexuelle Motive bei Trennungen gar nicht so selten eine we-sentliche Rolle spielen (z. B. eigene sexuelle Untreue oder eine solche des Partners) und dass ande-rerseits eine erfüllte Sexualität wesentlich zur Lebensqualität beiträgt:
Man kann darüber streiten, ob die allgemeine Erfahrung, dass die erotische Anziehungskraft mit zunehmender Dauer der Partnerschaft nachlässt, als „normal“ hingenommen soll, oder ob es sich lohnt, gerade in länger dauernden Partnerschaften Perspektiven für sexuelle Lebendigkeit zu entwickeln. Ich persönlich tendiere zum letztgenannten Standpunkt.

1. Akzeptieren und Normalisieren

„Es ist, was es ist, sagt die Liebe“. mit diesem Zitat von Erich Fried lässt sich das Prinzip des Akzeptierens gut umschreiben. Das heißt nicht, alles widerspruchslos hinzunehmen. Es heißt: sich Selbst und den Partner mit allen „guten“ und „schlechten“ Seiten anzunehmen.
Normalisieren heißt nicht, sich einer Norm anzupassen. Es heißt: die eigene Sexualität in einen Bezug zum weiten Rahmen der Normalität zu setzen. Auch wenn die Formulierung einer Normalität einigermaßen problematisch ist, so lassen sich doch einige Regelmäßigkeiten nennen, die einigermaßen allgemein akzeptiert sind:
Sex außerhalb der fruchtbaren Phase ist menschlich: Ein zyklusunabhängiges weibliches Verlangen nach Sex kommt, soweit mir bekannt, außer beim Menschen bei keiner anderen Tierspezies vor.
- Frauen sind verschieden - Männer auch: Das weibliche Verlangen nach Sex ist graduell sehr unterschiedlich ausgeprägt, und bei der Frau wahrscheinlich „unsicherer“ als beim männlichen Geschlecht. Die männliche Bereitschaft zur Paarung ist primär nicht an einen hormonellen Zyklus gebunden, und beim Menschen ebenfalls individuell verschieden. Störungen des Verlangens sind beim Mann deutlich seltener als bei der Frau.
- Schwierigkeiten im sexuellen Bereich sind häufig: Insgesamt sind in unserer Gesellschaft laut Umfragen zwischen 10 und 50 Prozent der Befragten mit ihrem Sexualleben unzufrieden.
- Sexualität ändert sich im Lebenszyklus: Schwere Krankheiten verändern die Sexualität. Das Verlangen der Frau ist während der Schwangerschaft meist reduziert, mit der Geburt hört es vorübergehend auf. Im Alter kommt es bei der Mehrzahl der Männer und Frauen zu einem allmählichen Nachlassen der sexuellen Aktivität, wobei weniger das Alter selbst, als altersbedingte Erkrankungen eine Rolle zu spielen scheinen.
- Sexualität ändert sich von Tag zu Tag. Das sexuelle Begehren ist launisch, und kurzfristige Schwankungen des sexuellen Verlangens sind die Regel.
- Der Rahmen der Normalität ist weit: Es gibt mehrere Umfragen zur Häufigkeit des Koitus, die in Deutschland durchschnittlich etwa bei 1 bis 2 Mal pro Woche liegen dürfte. Die Schwankungsbreite ist allerdings so groß, dass die statistische Normalität nur sehr bedingt zur Orien-tierung taugt.

2. Die Arbeit an der der Beziehung allgemein

Im allgemeinen Verständnis lässt sich Sexualität als Teil und Ausdruck einer Paarbeziehung verstehen. Auch wenn sich die sexuelle Zufriedenheit nur sehr begrenzt auf der Ebene des partnerschaftlichen Verhaltens beeinflussen lässt, lohnt es sich einen bewussten Blick auf die Muster der Kommunikation und auf die Gesprächskultur zu werfen. Dabei ist Kommunikation nur ein kleiner Teil der partnerschaftlichen Beziehung.

Nonverbale Kommunikation
95% aller Kommunikation sind nonverbal. Wir kommunizieren auch dann wenn wir schweigen, und wenn wir reden, macht der abstrakte Inhalt des Gesagten meist nur einen kleinen Teil der vom Emp-fänger aufgenommenen Information aus. Davon abgesehen kommunizieren wir auch dann, wenn wir schweigen. Nonverbal werden vor allem Beziehungsaspekte und emotionale Bedeutung des Gesag-ten (oder nicht Gesagten, falls wir schweigen) kommuniziert:
• Mimik
• Gestik
• Körperhaltung
• Reaktion auf Mimik, Gestik und Körperhaltung des Partners (Pacing)
• Berührung des Partners
• Klang und Lautstärke der Stimme
• u. v. m.
Wenn sich nonverbale und verbale Inhalte widersprechen, werden vom Empfänger bewusst oder unbewusst eher die nonverbalen Inhalte für wahr gehalten.

Gesprächskultur
Gesprächsregeln können helfen, diese Ziele zu erreichen, sind aber keine Garantie für ein Gelingen der Kommunikation. Es geht nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern ich möchte die Gesprächsregeln und andere Kommunikationsmethoden als Werkzeuge anführen, die vor allem helfen können, sich selbst und den Kommunikationspartner in der jeweiligen Situation zu verstehen.
• Ich-Aussage (Ich spreche über meine Motive und Gefühle, nicht über deine)
• Hier und Jetzt (Ich nehme konkreten Bezug)
• Fühlen und spüren (Was ich fühle, ist wichtiger als das, was ich denke)
• Annehmen („Es ist was es ist“)

Die vier Seiten einer Nachricht (Schulz von Thun)

1. Die Sachseite beinhaltet die reinen Sachaussagen, Daten und Fakten, die in einer Nachricht enthalten sind.
2. In der Selbstkundgabe vermittelt der Sprecher - bewusst oder unbewusst - etwas über sein Selbstverständnis, seine Motive, Werte, Emotionen etc.
3. Auf der Beziehungsseite wird ausgedrückt bzw. aufgenommen, wie der Sender zum Emp-fänger steht und was er von ihm hält.
4..Der Appell beinhaltet einen Wunsch oder eine Handlungsaufforderung.
Neben dem Sender, gleichzeitig vier Botschaften sendet, gibt es in der zwischenmenschlichen Kommunikation auch den Empfänger. Oftmals entsprechen die vier Seiten einer gesendeten Nachricht nicht den vier Seiten der empfangenen Nachricht. Das macht die zwischenmenschliche Kommunikation anfällig für Störungen. So kann der Sender beispielsweise das Ge-wicht der Nachricht auf den Appell gelegt haben, der Empfänger jedoch überwiegend den Beziehungshinweis empfangen. Dies ist nach dem Kommunikationsquadrat eine der Hauptursachen für Missverständnisse.

Kommunikationsmodell nach V. Satir: Beschwichtigen - Anklagen - Rationalisieren - Ablenken
Virginia Satir hat sich intensiv der Kommunikation in der Familie gewidmet. Das von ihr entwickelte Kommunikations-Modell kennt vier sich negativ auswirkende Kommunikationsarten:
• Beschwichtigen
• Anklagen
• Rationalisieren
• Ablenken

Beschwichtigen: „Ich mach immer alles falsch“ Dazugehöriges Gefühl: „Ich muss jeden glücklich machen, damit er mich liebt.“ Der Beschwichtiger spricht in einer einschmeichelnden Art, er versucht zu gefallen, er entschuldigt sich und stimmt nie gegen etwas, egal was kommt.
Anklagen: „Du machst nie etwas richtig“ Dazugehöriges Gefühl: Niemand schert sich um mich. So-lange ich nicht herumbrülle, macht sowieso niemand etwas Der Ankläger ist ein Fehler-Sucher, ein Diktator, zumindest der Chef. Er ist überheblich und kümmert sich nicht um die Befindlichkeit des An-deren. Körperhaltung: Ausgesteckter Zeigefinger.
Rationalisieren: Dazugehöriges Gefühl: „Ich muss den Leuten zeigen, wie klug ich bin. Logik und gute Gedanken sind das einzig Wahre“
Ablenken: Dazugehöriges Gefühl: „Ich werde schon die Aufmerksamkeit bekommen, egal, wie extrem ich mich dafür aufführen muss.“ Das gesagte hat keine Beziehung zu dem, was der Partner sagt oder tut. der Ablenker antwortet nie direkt. Körperhaltung: Eckig und in verschiedene Richtungen weisend.
Die Alternative zu diesen vier Stilen ist eine selbstbewusste, authentische, konkrete Ich-Botschaft, in der verbale und nonverbale Inhalte in die selbe Richtung weisen, und die emotionalen Aspekte angemessen repräsentiert sind.

3. Die Arbeit an der der sexuellen Beziehung

Es gibt in der Literatur eine ganze Reihe verhaltensorienterter Sextipps, wie:
• Umarmen, Streicheln oder Küssen oder Lecken an verschiedenen Körperstellen vor während und nach dem Koitus (nicht für alle Paare selbstverständlich!)
• Experimentieren mit verschiedenen Stellungen (Frau oben oder Frau unten etc. es gibt dar-über sehr detaillierte Literatur)
• Gestaltung des Schlafzimmers
• Inszenieren von Ausnahmesituationen (Ort, Tageszeit, Kleidung, Beleuchtung etc.)
Änderungen allein auf Verhaltensebene haben aus meiner Sicht nur sehr begrenzten Nutzen. Die Perspektive ändert sich wenn man den Beziehungsaspekt mit einbezieht: Es ist weniger interessant, welche Stellungen ein Paar beim Koitus praktiziert, es kann aber sehr prickelnd sein, wenn dieser Mann und diese Frau gemeinsam ein buch über Sextipps lesen und dabei spürt was zwischen ihnen geschieht.

Entdeckung der Intimität
Im Anfang einer Beziehung ist die Erotik meist ganz von selbst prickelnd und aufregend. Und dann, nach einigen Jahren, hat der Reiz doch stark abgenommen. Denken Sie an die Grafik am Anfang des Vortrags. Gerade, wenn der Schwung der anfänglichen Verliebtheit abnimmt, besteht die Chance, zu echter Intimität zu kommen. Für mich ist Intimität nicht gleich Nähe. Auch nicht die Bereitschaft zu sexuellen Handlungen. Intimität kann dazu führen, muss aber nicht. Ich möchte hier mit David Schnarch folgende Definition vorschlagen:
„Intimität ist die offene Selbstkonfrontation in Gegenwart des Partners“
Das heißt: ich zeige mich dem Partner so, wie ich bin. Ich zeige dem Partner nicht nur das, was ihm an mir gefällt, das wäre eine partnerbestimmte Intimität, nein, ich zeige ihm, oder ihr, alles, mit allen Ecken und Kanten, und nehme dabei auch negative Reaktionen in Kauf. Ich will Intimität als selbstbe-stimmte Intimität. Ich will nicht dem Partner zuliebe etwas von mir abspalten, ich will ihm als ganzer Mensch gegenüber treten.
Wie kann man nun diese Art von Intimität entdecken Ulrich Clement beschreibt in „Guter Sex trotz Liebe“ folgende vier Schritte

Entscheidung:
Wenn ein Mann oder eine Frau sexuelle Lebendigkeit erreichen will, positiv gesprochen, dann bedarf es einer Entscheidung. Es bedarf der Formulierung eines Ziels, gefragt ist: „Was will ich sexuell? Was will ich erreichen? Was will ich erleben?“ Ich spreche jetzt nicht davon: „Was will ich nicht?“ Das ist meistens sehr leicht zu sagen. Wichtiger scheint mir: „Was will ich stattdessen?“, Manchmal wird eine Änderung gewünscht, dann ist es aber nicht das Paar von dem sie ausgeht, sondern der Einzelne. „Wenn ich etwas verändern oder erreichen will, fange ich selbst damit an.“

Unterschied:
Idealisierung: Im Anfang ist die Beziehung oft eine spannende Entdeckungsreise, und der Partner erscheint uns ganz einzigartig. Und das strahlt auf die eigene Person zurück. Wir erleben unsere eigene Einzigartigkeit und die des Partners und bestätigen uns im Höhenflug der Verliebtheit gegenseitig als einzigartiger Mann und einzigartige Frau. Und das ist biologisch sehr nützlich denn dieses Verhalten, erhöht die Wahrscheinlichkeit einer sexuellen Vereinigung. Das ist gut so, und macht uns glücklich. Und weil es so unsäglich glücklich macht, wird das Trennende geleugnet.
Ernüchterung: In weiteren Verlauf der Beziehung, wenn die rosa Brille nicht mehr ist, sind die Unterschiede nicht mehr zu leugnen: Worüber die Partner im Anfang hinweggesehen haben fällt ihnen mir jetzt auf, und was sie am Anfang als Ideale Ergänzung gesehen haben, wird ihnen später unange-nehm. So kann das was im Anfang als Selbstbewusstsein gesehen wurde, später rücksichtslos er-scheinen, und genauso kann aus nobler Zurückhaltung kränkendes Desinteresse werden. Und manchmal macht uns das Eingeständnis von bisher unbekannten erotischen Vorlieben bewusst, wie verschieden wir doch sind, und bewirkt, dass uns der so vertraute Partner fremd erscheint. Die Frage ist nun: Können wir damit leben, dass wir als Liebende verschieden sind, können wir Lust bekommen auf die fremden Seiten des Partners, oder grenzen wir die Verschiedenheit aus und beschränken uns auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.
Rücksicht hat zwei Seiten: Zum einen schone ich den Partner, und damit schone ich auch mich selbst, erspare mir vielleicht die Angst vor Zurückweisung. Andererseits verzichte ich darauf, bestimmte Seiten meiner Persönlichkeit zu leben. Und das ist frustrierend. Also: die Alternative lautet: Wollen Sie es jetzt nett und langweilig, oder wollen Sie es lustvoll und riskant. Und die höchste Stufe der Rücksichtnahme ist meiner Meinung nach immer destruktiv: Nämlich dann, wenn ich sage: „Wenn ich glaube, du magst es nicht, dann will ich es nicht.“ Der Gewinn ist klar: Ich vermeide die Zurückweisung dadurch, auf Dauer werde ich weder mir selbst, noch dem Anderen etwas Gutes tun.
Spielerische Neugier:
Viele Paare versuchen, ihre Probleme durch ernsthafte Anstrengungen in den Griff zu bekommen. Dadurch entsteht leicht eine Problemtrance. Manchmal funktioniert „es“ einfach besser, wenn das „Problem“ spielerisch angegangen wird. Erotisches Spielen, wie Rollentausch oder Rollenspiele z. B. „Zwei Teenies beim ersten Mal“) kann sehr anregend sein und darüber hinaus einen Problemkreislauf unterbrechen.
Risiko:
Entscheidungen bergen Risiken. Die Wahrnehmung von Unterschieden kann nicht nur Lust, sondern auch Angst und Schmerz bereiten, und spielerische Neugier kann gefährlich sein. All Erotik braucht also auch Mut zum Risiko.

Unlust als Chance
Unlust betrifft meist nicht beide Partner gleichzeitig. In der Regel ist es einer der beiden, der die Unlust zeigt. Meist, aber nicht immer ist dies die Frau. Die Ursachen sind vielfältig, meist ist ein gegenseitiges Aufschaukeln wesentlich beteiligt: Der „lustlose“ Partner nimmt sein Bedürfnis nach Nähe im sexuellen Bereich nicht mehr wahr, und der „begehrende“ Partner nimmt umgekehrt sein Bedürfnis nach Distanz nicht mehr wahr. Die abgespaltenen Anteile sehen beide Partner im Anderen. So entsteht eine Reali-tätswahrnehmung, in der beide Partner übereinstimmen: Der lustlose Partner sieht sich selbst wirklich als lustlos und den anderen als begehrend, umgekehrt sieht sich der begehrende Partner wirklich als begehrend und den anderen al lustlos. Es ist trotz der Übereinstimmung eine Halbwahrheit.
Es entsteht sehr schnell ein sich gegenseitig Aufschaukeln, die Partner nehmen gegensätzliche Posi-tionen ein:
• Eine fordernde Position: Fordert Sex, weil der Partner Sex verweigert
• Und eine verweigernde Position: Verweigert Sex, weil der Partner Sex fordert.
In der Regel „übertreiben“ beide Partner: Der eine gibt sich fordernder als er in Wirklichkeit ist, der andere gibt sich „verweigernder“ als er in Wirklichkeit ist. Der Problemkreislauf kann sehr flüchtig und gelegentlich auftreten, kann aber auch chronisch sein und das Sexualleben ständig beeinträchtigen.

Perspektiven zur Überwindung:
• Weder aufgeben, noch nachgeben: Das heißt nicht stur auf seinem Standpunkt beharren, das heißt: beides darf sein, beide verfolgen legitime Anliegen, beide haben gute Gründe.
• Bei sich bleiben: Das heißt: die Gründe für das eigene Handeln nicht beim Anderen, sondern bei sich selbst suchen. So sind insbesondere Eigenheiten des fordernden Partners nicht Ur-sache dafür, dass ihn der verweigernde zurückweist.
• Jeder kämpft mit sich selbst: Wenn die gegenseitigen Vorwürfe aufhören, und jeder die Ver-antwortung für seine eigenen Gefühle übernimmt, dann kann auch der Konflikt wieder als in-nerer anstatt als äußerer Konflikt gesehen werden.
Die Überwindung sexueller Unlust ist ein sehr komplexer Vorgang und gelingt auch mit Hilfe professi-oneller Beratung nicht immer. Wenn jedoch der Konflikt wieder als innerer Konflikt beider Partner er-lebt werden kann, dann ist oft auch Raum für konstruktive Lösungen. Abgesehen davon: Konflikte über die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs sind keine Schande, sondern sie sind häufig und dauern bis ins hohe Alter an.

4 Die Abgrenzung der Partnerschaft nach außen

Hier geht es darum, dass das Paar räumlich und zeitlich einen eigenen Bereich hat, in dem es Sexua-lität und Intimität entfalten kann. Es soll gezeigt werden, dass dieser Bereich gelegentlich verteidigt werden muss, vor allem gegenüber
1.Haushalt/Beruf
2.Eltern
3.Kindern.
4.fremden Sexualpartnern

Ad 1: Haushalt und Beruf
In der Regel besetzen die Pflichten den größten Teil der Zeit, während die genussvoll verbrachten Zeiten den deutlich kleineren Teil einnehmen. Auch wenn sich das Paar darüber einig ist, dass die Arbeit jedenfalls quantitativ an erster Stelle kommen soll, kann sich ohne weiteres ein oder beide Partner an der zweiten Stelle vernachlässigt fühlen
Ad 2: Eltern
Wenn Eltern ihre Kinder in die Erwachsenenrolle entlassen, ist dies ein schwieriger Übergang für bei-de Seiten. Dies zeigt sich insbesondere dann, wenn die Kinder eine Partnerschaft eingehen. Es gibt zahlreiche mögliche Gründe dafür, dass dieser Ablösungsprozess Schwierigkeiten machen kann. Wenn einer Zweierbeziehung, hier die Ehe der Eltern, wenn auch nur in Teilaspekten, instabil ist, so wird leicht ein Dritter, häufig eines der Kinder in das Beziehungsgeflecht einbezogen. Das Kind aus einer solchen Dreiecks-Beziehung in ein Erwachsenenleben zu entlassen, kann sich sehr schwierig gestalten
Ad 3 Kinder:
Die emotionale Trennung der Paar- von der Elternbeziehung ist ein wichtiges, aber auch heikles The-ma. Sehr häufig werden Kindern Attribute eines Partners verliehen, oft sind sie auch „Ersatzpartner“ für einen emotional nicht zur Verfügung stehenden Ehepartner. Nicht selten müssen auch Kinder hel-fen, Sexualität zu vermeiden.
Nach David Schnarch (Contructing the Sexual Crucible, S. 336 ff.) sind Kinder der elterlichen Ehe gegenüber ausgesprochen zwiespältig eingestellt: ein Kind kann zwar sehr wohl durch eine instabile Ehe traumatisiert sein, trotzdem ist eine glückliche Ehe in der Regel für die Kinder ausgesprochen unkomfortabel. Eltern kontrollieren das Sexualleben der Kinder, umgekehrt aber auch.
Ad 4: Fremde Sexualpartner
Fremdgehen gehört zu den größten Belastungen, der eine Partnerschaft ausgesetzt sein kann. Sex macht nicht nur Spaß, sondern ist für die meisten Paare auch ein Bestätigungsritual der Beziehung: die Paarbindung wird durch den Geschlechtsverkehr besiegelt, und durch Fremdgehen gefährdet.
Schnarch findet vier mögliche Motivationen für das Fremdgehen

A. Sich der Kontrolle durch den Partner entziehen
B. Bedürfnis den Partner zu „bestrafen“
C. Vermeidung von Intimität in der Ehe, und scheinbares Suchen derselben in der Affäre
D. Die Affäre als Puffer in der Ehe und umgekehrt

5. Arbeit an der Persönlichkeit

Biographie
Frühere Erfahrungen beeinflussen jeden Menschen in späteren Situationen, insbesondere bei der Gestaltung der nahen Beziehungen, speziell gegenüber den eigenen Kindern und gegenüber dem Partner. Die Erfahrungen in der Herkunftsfamilie beeinflussen spätere Beziehungen sehr stark. Dies betrifft nicht nur Verhaltensweisen gegenüber dem späteren Partner, sondern bereits die Partnerwahl. Häufig werden dabei belastende Konstellationen wiederholt. „Lieber das bekannte Un-glück als ein unbekanntes Abenteuer“. Hinderliche „Glaubenssätze“ wie z. B. „Ich bin nicht attraktiv.“ werden sehr oft in der Herkunftsfamilie erlernt.

Differenzierung
David Schnarch hat das Konzept der Differenzierung sehr komplex beschrieben. Es ist im Prinzip ganz einfach: Das „Gute“ und das „Schlechte“ gleichermaßen annehmen - sowohl vom Selbst, als auch vom Partner. Das ist gedanklich ganz einfach, und doch kann der Prozess sehr schmerzhaft sein. „Es ist, was es ist, sagt die Liebe“ (Erich Fried)

Hinweis: Meinen Artikel musste ich wegen Überlänge kürzen. Ich habe die ursprüngliche Fassung inkl. Literaturverzeichnis im Web unter http://www.leiblustliebe.de/Downloads/LLL_Konzept_v1.pdf veröffentlicht.