Eine Scheidung ist besonders für die betroffenen Kinder eine große Belastung. Sie fühlen sich hin- und hergerissen zwischen Vater und Mutter und viele geben sich bewusst oder unbewusst die Schuld an der Trennung der Eltern. Nicht nur für jüngere Kinder ist es schwer, die neue Situation zu akzeptieren. Auch die älteren leiden darunter.
Ein Bekannter, seit acht Jahren geschieden, drei Söhne, fragt sich immer wieder, warum zwei von ihnen, damals 14 und 20 Jahre alt, den Kontakt zu ihm seit dieser Zeit abgebrochen haben. Er hatte immer ein gutes Verhältnis zu allen drei Kindern, wie er erzählt. Einmal traf er seinen Ältesten, der in der gleichen Stadt wohnt, in einem Kaufhaus. Der Sohn würdigte ihn keines Blickes... Als es um Unterhaltsfragen ging, las er in einem Schreiben seines Sohnes an ihn als Anrede "Sehr geehrter Herr..." Das muss ein ziemlicher Schock gewesen sein. Er vermutet, dass beide unter einem gewissen Einfluss der Mutter stehen, die auch seit der Trennung kein Wort mehr mit ihrem Ex-Mann gesprochen hat und alles Nötige von einem Anwalt regeln lässt.
Ich selbst habe das Glück, auch nach der Scheidung ein gutes Verhältnis zu meinen erwachsenen Kindern zu haben, die sich bemühen, sich neutral zu verhalten. Mit gutem Willen gelingt es uns ganz gut.
Ich habe meinem Bekannten den guten Rat gegeben (war es wirklich ein guter?), einen ersten Schritt zu tun und einen Kontakt zu suchen. Einen Versuch wäre es doch wert, finde ich.
Bild: PIXELIO/ Thomas Weiss
