Fußballfieber
Die Erwartungen sind hoch. 2006 ist noch in guter Erinnerung
Es ist einfach nicht zu übersehen, die Europameisterschaft im Fußball steht in den Startlöchern.
Da lief mir doch gestern Peter über den Weg, im Einkaufszentrum, vollgepackt mit Tüten. Ich hatte auch zwei Tüten dabei. Eine mit kleinen Einkäufen, eine mit Zitroneneis.
Peter schwitzte und stöhnte.
"Bin ganz geschafft. Komm ich lade dich auf einen Cappu ein."
Wir gingen also in die italienische Eisdiele. Ein wenig umständlich verstaute Peter seine Beute unter dem Stuhl. Irritiert sah ich ihm zu. Wir kennen uns seit der Schulzeit. Peter und Einkaufen, das passte so wenig zusammen wie ein Eskimo im Baströckchen. Ich brachte mein Erstaunen zum Ausdruck.
"Wenn es um das Wichtige geht, kaufen Frauen immer das Falsche."
"Aha. Und was ist wichtig?"
"Die EM. Dafür hast du bestimmt nicht eingekauft."
"Du wirst es kaum glauben, ich habe."
Mit einem Siegerlächeln zog ein Paket Batterien und eine Dose Sprühstärke aus meiner Tüte und stellte sie auf den Tisch. Peter schaute etwas dümmlich. Kleiner Vorteil für mich. Denn so lange wie uns kennen, ärgern wir uns auch. Obwohl wir uns verstehen und auch helfen und unterstützen. Aber diese Kabbeleien gehören auch einfach dazu.
"Was hat der Kram mit der EM zu tun?"
"Du weißt doch während einer Fußballübertragung bügele ich gern. Länderspiele sind oft so langweilig. Und das wichtige wird dreimal wiederholt. Also kommen keine Falten in die Bluse, und ich verpasse nichts."
"Und die Batterien?" Er hatte in seiner Stimme einen so merkwürdigen Unterton, den ich nicht deuten konnte.
"Es passiert doch immer dann, wenn man es am wenigsten brauchen kann. Die Batterien geben den Geist auf und Fernbedienung gleich mit."
Peter schlug sich an die Stirn. "Wie ich das vergessen konnte. Aber sonst habe ich wirklich alles."
"Auch den Text der Nationalhymne? Schließlich bist du aus Delmenhorst."
"Du glaubst doch nicht ich sing da mit. Und was hat Delmenhorst damit zu tun?"
"War es nicht eine Bürgerin dieser Stadt, die sich so richtig blamiert hat, weil sie zu doof war, den Text zu lernen? Ach ich denke, um mal wieder in der Zeitung zu stehen, tut die alles."
Peter ignorierte meine Sticheleien und zerrte seine Tüten wieder unter dem Stuhl hervor.
"Jetzt zeige ich dir mal, was ein richtiger Fan so braucht."
Es war fast wie Weihnachten. Wahre Wundertüten hatte er da.
Lichterkette mit Fußbällen in schwarz-rot-gold. Hätte er nicht rot weiß nehmen sollen? Für die Gastgeber?
Eine Girlande aus Fähnchen mit allen teilnehmenden Nationen.
"Schade, dass Brasilien nicht dabei ist."
"Brasilien ist ja wohl kaum in Europa."
"Die Türkei auch nicht. Aber die Brasilianer haben es eben drauf. Die können Fußball spielen. Und dann sehen die auch gut aus. Diego ist doch wirklich niedlich."
"Als wenn es darauf ankommt."
"Haben Fußballer innere Werte?"
"Die sollen ihren Job gut machen. Mehr verlangt keiner."
"Das kann doch gar nicht klappen. Guck dir Werder an. Versuchen alles um in der Königsklasse mitzuspielen. Und wenn sie dann dürfen, jammern sie über die Belastung, sind dauernd verletzt. Werder hätte Per Mertesacker die Teilnahme verbieten sollen. Das Rumgetüdel in der Nationalmannschaft ist nicht gut für ihn."
"Und was ist mit Frings?"
"Dem kann ein bisschen Training nicht schaden. Der hat doch in der Saison kaum gespielt. Hatte doch ein Wehwehchen nach dem anderen." Ich sah mit Vergnügen, dass Peter leicht ärgerlich wurde.
"Frauen und Fußball." brummte er. Um mir nicht schon wieder eine Vorlage zu liefern fügte er an: "Spar dir deinen Text. Ich weiß schon, die Frauen haben es geschafft. Die Männer nicht."
Er tauchte wieder in eine Tüte ab und mit Wimpeln fürs Auto wieder auf.
"Hier schenk ich dir. Hab ich doppelt."
"Vielen Dank. Aber ich muss das ablehnen. So etwas kommt mir nicht ans Auto."
"Dann erklär mir mal warum."
"Das Rot beißt sich mit dem Rot von meinem Ferrari. Außerdem glaube ich die Italiener gewinnen."
"Die haben doch schon die WM gewonnen."
"Stimmt. Wäre ein bisschen viel. Dann doch besser die Franzosen."
"Und warum die? Warum nicht Deutschland?"
"Ach, ich mag Haydn schon. Aber die Hymnen von denen sind einfach flotter."
"Es soll doch einfach Spaß machen."
"Macht es doch. Obwohl ich nicht weiß, nach welchem System das ausgekegelt wird."
"Was soll das heißen, du glaubst die Titel werden verkauft?"
"Klar, mit einer guten Inszenierung drumherum. Schließlich wollen Coca-Cola und Mac Donalds ihren Schnitt machen."
"Du spinnst."
"Oder du bist naiv.Nimm die Bundesliga. Es würde doch keinen mehr locken, wenn der FC Arroganz jeden Meistertitel holt. Es ist doch das Salz in der Suppe, wenn die großen Bayern mal stolpern. Denk an das Jahr 2007. Stuttgart wurde Meister. Kaum jemand hatte die auf der Rechnung. Die Bayern waren nicht mehr im Rennen. Die meisten Tipps waren für Werder oder Schalke. Und dann..... Beste Unterhaltung. Hollywood in deutschen Stadien. Ich war zufrieden."
"Du willst doch nicht allen Ernstes behaupten, dass die Spiele verschoben werden."
"Natürlich nicht. Aber ich schließe es auch nicht aus. Nimm die Tour de France. Es geht um jede Menge Geld. Wie lange hieß es, nur einzelne schwarze Schafe hätten gedopt. Später war es dann doch leichter, die zu zählen die wirklich nicht gedopt haben. Doping ist Manipulation. Mich würde es nicht überraschen, wenn nicht woanders auch manipuliert würde. Bei den Summen."
Peter schweigt. Er tut mir fast leid. Für den Moment habe ich ihm den Spaß verdorben.
"Aber du kommst doch vorbei. Wir gucken dann zusammen."
"Ich komm aber nur zum Spiel."
"Willst du nicht alles sehen?"
"Alles? Den meinst den Vorbericht zum Vorbericht, den Vorbericht, die Schaltung zur Fanmeile, die Übertragung von Einfahrt des Mannschaftsbusses, die Aufstellung, das Gespräch Delling- Netzer vor dem Spiel, den Tipp von Kaiser Franz. Und wenn das Spiel zu Ende ist, alles noch einmal rückwärts. Sollte die Übertragung vom ZDF kommen, ist es fast noch schlimmer. Die Skatrunde von Johannes B. Ich bin bescheiden. Mir reicht das Spiel."
"Und wer soll kommentieren?"
"Das ist mir egal. Ich dreh den Ton von Fernseher weg und schalte das Radio ein, dass bringt mehr Spaß."
"Hhmm...."
"Wollen wir wetten, um ein Eis. Wer wird Europameister?"
"Ein Eis ist zu wenig. Der Verlierer lädt zum Essen ein. Er muss ein Lokal aussuchen, das aus dem Land kommt für das er getippt hat."
"Peter, manchmal hast sogar du gute Ideen. Abgemacht. Für wen tippst du?"
"Deutschland natürlich."
Es hätte schlimmer kommen können, denke ich. Deutsche Hausmannskost kann gut schmecken.
"Und du?"
"Schweden."
"Kennst du ein schwedisches Lokal?"
"Mach dir keine Sorgen. Ich werde schon eins finden. Und wenn wir beide falsch liegen, lade ich trotzdem ein."
Ein bisschen skeptisch zog er die Augenbrauen hoch.
"Na dann auf ein schwedisches Essen." Er schien sich nun doch zu freuen. Und ich erst.
Ich brauche mal wieder das eine oder andere von IKEA. Peters Auto ist ein Kombi und Köttbullar sind lecker.
Doch was mache ich, wenn Schweden Europameister wird?
Da lief mir doch gestern Peter über den Weg, im Einkaufszentrum, vollgepackt mit Tüten. Ich hatte auch zwei Tüten dabei. Eine mit kleinen Einkäufen, eine mit Zitroneneis.
Peter schwitzte und stöhnte.
"Bin ganz geschafft. Komm ich lade dich auf einen Cappu ein."
Wir gingen also in die italienische Eisdiele. Ein wenig umständlich verstaute Peter seine Beute unter dem Stuhl. Irritiert sah ich ihm zu. Wir kennen uns seit der Schulzeit. Peter und Einkaufen, das passte so wenig zusammen wie ein Eskimo im Baströckchen. Ich brachte mein Erstaunen zum Ausdruck.
"Wenn es um das Wichtige geht, kaufen Frauen immer das Falsche."
"Aha. Und was ist wichtig?"
"Die EM. Dafür hast du bestimmt nicht eingekauft."
"Du wirst es kaum glauben, ich habe."
Mit einem Siegerlächeln zog ein Paket Batterien und eine Dose Sprühstärke aus meiner Tüte und stellte sie auf den Tisch. Peter schaute etwas dümmlich. Kleiner Vorteil für mich. Denn so lange wie uns kennen, ärgern wir uns auch. Obwohl wir uns verstehen und auch helfen und unterstützen. Aber diese Kabbeleien gehören auch einfach dazu.
"Was hat der Kram mit der EM zu tun?"
"Du weißt doch während einer Fußballübertragung bügele ich gern. Länderspiele sind oft so langweilig. Und das wichtige wird dreimal wiederholt. Also kommen keine Falten in die Bluse, und ich verpasse nichts."
"Und die Batterien?" Er hatte in seiner Stimme einen so merkwürdigen Unterton, den ich nicht deuten konnte.
"Es passiert doch immer dann, wenn man es am wenigsten brauchen kann. Die Batterien geben den Geist auf und Fernbedienung gleich mit."
Peter schlug sich an die Stirn. "Wie ich das vergessen konnte. Aber sonst habe ich wirklich alles."
"Auch den Text der Nationalhymne? Schließlich bist du aus Delmenhorst."
"Du glaubst doch nicht ich sing da mit. Und was hat Delmenhorst damit zu tun?"
"War es nicht eine Bürgerin dieser Stadt, die sich so richtig blamiert hat, weil sie zu doof war, den Text zu lernen? Ach ich denke, um mal wieder in der Zeitung zu stehen, tut die alles."
Peter ignorierte meine Sticheleien und zerrte seine Tüten wieder unter dem Stuhl hervor.
"Jetzt zeige ich dir mal, was ein richtiger Fan so braucht."
Es war fast wie Weihnachten. Wahre Wundertüten hatte er da.
Lichterkette mit Fußbällen in schwarz-rot-gold. Hätte er nicht rot weiß nehmen sollen? Für die Gastgeber?
Eine Girlande aus Fähnchen mit allen teilnehmenden Nationen.
"Schade, dass Brasilien nicht dabei ist."
"Brasilien ist ja wohl kaum in Europa."
"Die Türkei auch nicht. Aber die Brasilianer haben es eben drauf. Die können Fußball spielen. Und dann sehen die auch gut aus. Diego ist doch wirklich niedlich."
"Als wenn es darauf ankommt."
"Haben Fußballer innere Werte?"
"Die sollen ihren Job gut machen. Mehr verlangt keiner."
"Das kann doch gar nicht klappen. Guck dir Werder an. Versuchen alles um in der Königsklasse mitzuspielen. Und wenn sie dann dürfen, jammern sie über die Belastung, sind dauernd verletzt. Werder hätte Per Mertesacker die Teilnahme verbieten sollen. Das Rumgetüdel in der Nationalmannschaft ist nicht gut für ihn."
"Und was ist mit Frings?"
"Dem kann ein bisschen Training nicht schaden. Der hat doch in der Saison kaum gespielt. Hatte doch ein Wehwehchen nach dem anderen." Ich sah mit Vergnügen, dass Peter leicht ärgerlich wurde.
"Frauen und Fußball." brummte er. Um mir nicht schon wieder eine Vorlage zu liefern fügte er an: "Spar dir deinen Text. Ich weiß schon, die Frauen haben es geschafft. Die Männer nicht."
Er tauchte wieder in eine Tüte ab und mit Wimpeln fürs Auto wieder auf.
"Hier schenk ich dir. Hab ich doppelt."
"Vielen Dank. Aber ich muss das ablehnen. So etwas kommt mir nicht ans Auto."
"Dann erklär mir mal warum."
"Das Rot beißt sich mit dem Rot von meinem Ferrari. Außerdem glaube ich die Italiener gewinnen."
"Die haben doch schon die WM gewonnen."
"Stimmt. Wäre ein bisschen viel. Dann doch besser die Franzosen."
"Und warum die? Warum nicht Deutschland?"
"Ach, ich mag Haydn schon. Aber die Hymnen von denen sind einfach flotter."
"Es soll doch einfach Spaß machen."
"Macht es doch. Obwohl ich nicht weiß, nach welchem System das ausgekegelt wird."
"Was soll das heißen, du glaubst die Titel werden verkauft?"
"Klar, mit einer guten Inszenierung drumherum. Schließlich wollen Coca-Cola und Mac Donalds ihren Schnitt machen."
"Du spinnst."
"Oder du bist naiv.Nimm die Bundesliga. Es würde doch keinen mehr locken, wenn der FC Arroganz jeden Meistertitel holt. Es ist doch das Salz in der Suppe, wenn die großen Bayern mal stolpern. Denk an das Jahr 2007. Stuttgart wurde Meister. Kaum jemand hatte die auf der Rechnung. Die Bayern waren nicht mehr im Rennen. Die meisten Tipps waren für Werder oder Schalke. Und dann..... Beste Unterhaltung. Hollywood in deutschen Stadien. Ich war zufrieden."
"Du willst doch nicht allen Ernstes behaupten, dass die Spiele verschoben werden."
"Natürlich nicht. Aber ich schließe es auch nicht aus. Nimm die Tour de France. Es geht um jede Menge Geld. Wie lange hieß es, nur einzelne schwarze Schafe hätten gedopt. Später war es dann doch leichter, die zu zählen die wirklich nicht gedopt haben. Doping ist Manipulation. Mich würde es nicht überraschen, wenn nicht woanders auch manipuliert würde. Bei den Summen."
Peter schweigt. Er tut mir fast leid. Für den Moment habe ich ihm den Spaß verdorben.
"Aber du kommst doch vorbei. Wir gucken dann zusammen."
"Ich komm aber nur zum Spiel."
"Willst du nicht alles sehen?"
"Alles? Den meinst den Vorbericht zum Vorbericht, den Vorbericht, die Schaltung zur Fanmeile, die Übertragung von Einfahrt des Mannschaftsbusses, die Aufstellung, das Gespräch Delling- Netzer vor dem Spiel, den Tipp von Kaiser Franz. Und wenn das Spiel zu Ende ist, alles noch einmal rückwärts. Sollte die Übertragung vom ZDF kommen, ist es fast noch schlimmer. Die Skatrunde von Johannes B. Ich bin bescheiden. Mir reicht das Spiel."
"Und wer soll kommentieren?"
"Das ist mir egal. Ich dreh den Ton von Fernseher weg und schalte das Radio ein, dass bringt mehr Spaß."
"Hhmm...."
"Wollen wir wetten, um ein Eis. Wer wird Europameister?"
"Ein Eis ist zu wenig. Der Verlierer lädt zum Essen ein. Er muss ein Lokal aussuchen, das aus dem Land kommt für das er getippt hat."
"Peter, manchmal hast sogar du gute Ideen. Abgemacht. Für wen tippst du?"
"Deutschland natürlich."
Es hätte schlimmer kommen können, denke ich. Deutsche Hausmannskost kann gut schmecken.
"Und du?"
"Schweden."
"Kennst du ein schwedisches Lokal?"
"Mach dir keine Sorgen. Ich werde schon eins finden. Und wenn wir beide falsch liegen, lade ich trotzdem ein."
Ein bisschen skeptisch zog er die Augenbrauen hoch.
"Na dann auf ein schwedisches Essen." Er schien sich nun doch zu freuen. Und ich erst.
Ich brauche mal wieder das eine oder andere von IKEA. Peters Auto ist ein Kombi und Köttbullar sind lecker.
Doch was mache ich, wenn Schweden Europameister wird?
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