Der Deutsche liebt seine Dialekte. 60% sprechen einen. Im Saarland sind es 94%, in Bayern und Baden-Württemberg 86 % und im Ostteil Berlins 83 %. Aber 30% aller, die das IDS in Mannheim befragt hat, finden das Sächsisch besonders unsympathisch.
Wie kann man einen Dialekt unsympathisch finden? Wenn das so ist, muss ein Dialekt bereits als Sprache etwas ausdrücken, ohne dass ein Wort in diesem Tonfall gefallen ist.
Ich glaube, dass die meisten Westdeutschen das Sächsisch nicht mögen, weil es ihnen während der Zeit der Mauer als Amtssprache der DDR präsentiert wurde. Die „Deitsche Dämogrodische Räbbublik“ aus dem Munde Walter Ulbrichts klang grauenvoll, und viele Witze wurden im sächsischen Dialekt gemacht.
Wie der Berliner an einer sächsischen Haustür fragt: „Is der Dieta da“? Und die sächsische Hausfrau ruft ihren Mann nach vorn. „Diedo, gomm mol heo, hio is eeno von do fraiwillischen Foioweo.“
Aber auch in Ost-Berlin, in der „Häeuptschdodd dor Dädäärr“ wurde der Dialekt nicht gern gehört. Weil fast alle Bürokraten und Soldaten aus Sachsen kamen. Erst recht nicht an den Grenzen. „Mochn se mol den Gofferräouum uff“ klingt heute noch in den Ohren der damaligen Transitreisenden.
Mit anderen Worten: die DDR, die einen regelrechten Austausch von jungen Leuten in den verschiedenen Gegenden betrieb, damit es schwerer war, abzuhauen, hat uns den sächsischen Dialekt vergällt.
Für mich haben aber auch die anderen Dialekte zum Großteil einen eigenen „Charakter“, ein Gefühl, das in mir entsteht, wenn ich den Tonfall höre.
Das Bayerische klingt für mich gemütlich. Das Schwäbische schlitzohrig und das Badische und Saarländische bodenständig. Das Frankfurterisch klingt durchtrieben, aber humorig. Eine Ausnahme ist für mich das Norddeutsche. Es hat etwas Heimeliges, weil ich aus Bremen stamme, etwas Ehrliches, Aufrichtiges. So sehen das auch 24% aller Befragten quer Beet.
Aba watt janz andaret iss det Balinarisch. Det vamittelt sowatt wie Durchblick, det klingt weltstädtisch, und is ma unheimlich sympathisch. Ick könnt den janzen Tach üban Alex oda üban Kudamm loofen und „♫ ick liebe dia, Balin ♪“, singen.
Herz mit Schnauze eben.
Trällan wa det ssusamm?
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