Jedenfalls beschließt meine bessere Hälfte, dass er Pfingsten mal GAR NIX tun will. Nur im Liegestuhl neben dem Teich vor sich hin dösen und das den ganzen Tag.Zwangsweise plant er kurze Unterbrechungen für die Nahrungsauf- und -abgabe ein.
Am Freitagabend klingelt das Telefon. Günter, ein Kollege meines Mannes läd uns zu einer Radtour ein, wirft seinen Plan jedoch sofort um, weil im Gegenzug unsere Einladung zum Nichtstun im Garten viel verlockender ist. Günters Frau Elke muss als Schichtarbeiterin nicht groß überredet werden, obwohl sie sich das überhaupt nicht vorstellen kann….nur da liegen und absolut NICHTS tun?
Grundsatzdiskussionen, ob automatische Vorgänge wie das Atmen und Denken schon zu den Tätigkeiten gerechnet werden sollte, werden schnell durch klare Leitlinien abgestellt.„Wir tun NIX, was überflüssig ist und mit Arbeit zu tun hat!“
Gut, genau so soll es sein und zwar pünktlich ab 10 Uhr früh am Pfingstsamstag! Leider hat man bei Wetter .de mal wieder gelogen und die vorher gesagten 16 Grad kommen nur zusammen, wenn man die acht Grad vor dem Gartenhaus mit den acht Grad hinter dem Gartenhaus addiert. Mit klappernden Zähnen suche ich in der großen Box und den Schränken nach Decken, die ich in den Garten schleppe. Mein Göttergatte lässt sich warm von mir verpacken, wenn der sich was vornimmt, hält der das durch bis zum bitteren Ende. Wer sich bewegt, verliert!
Gemeinsam schnattern wir leise vor uns hin, nein, wir reden nicht viel, wir frieren nur viel. Gegen 12 Uhr ist dann plötzlich die Sonne da, zehn Minuten später fliegt die erste Decke auf die Wiese, um halb eins sitzen die Männer in T-Shirts auf den Stühlen und versuchen mit wenigen Worten das Vakuum in ihren Mägen zu beschreiben. Da ich weiß, was kommt, stelle ich mich schlafend.„Schaaahaatz???“ Sanft fliegen die Worte meines Liebsten in mein Ohr. Oh nein! So nicht! Du hattest beschlossen, dass WIR nichts tun, das beinhaltet mich auch. Mach dir dein Essen selber. Ich grunze und murmele ein wenig, wie sich das für eine Schlafende, die gestört wird, gehört und drehe meinen Kopf in die andere Richtung, weil ich grinsen muss. Elke sieht das und kichert los. Gemeine Verräterin!
„Du bist doch wach,“ frohlockt mein Gatte und geht natürlich davon aus, dass ich den Kartoffelsalat und die Würstchen hole.„Ja, aber ich tu heute nichts, nicht mal Hunger haben, “ erkläre ich noch geduldig, weil mir klar ist, was jetzt kommt. Vertan, es kommt NIX. Wie gesagt, da ist er eisern. Nicht mal überreden oder streiten will er heute. Als die Töne unter seinem T-Shirt vom leisen Schnurren eines Katzenkindes in das Geräusch einer startenden Boing wechselt, quält er sich aus dem Liegestuhl und schlurft langsam ins Gartenhaus.
„Kannst du mir mal sagen, wo du den Salat versteckt hast?“ Eigentlich sollten normale, automatische Vorgänge wie das Atmen, Denken und Sehen beim Nixtun erlaubt sein, doch wieder einmal zeigt sich, wie eisern er ist.
„Augen auf! Wer sehen kann, ist klar im Vorteil, “ rufe ich mit schwacher Stimme, denn schreien strengt an. Inzwischen hat sich auch Günter aus seinem Stuhl gequält (nein, das ist missverständlich, zur Toilette gingen wir schon!) also Günter hatte sich aus seinem Liegestuhl erhoben und wohl soeben die Küche erreicht.
„Ich seh hier auch nix!“
„Mach doch dat Licht an,“ rät Elke und kichert in ihre Hand.
„Das geht automatisch an, wenn du den Kühlschrank öffnest, in dem der Salat steht, “ verrate ich freundlicherweise und schon tönt es im Doppelklang zurück.
„Hier ist kein Salat drin!“
„Versuch es doch mal im Schuppen, neben den Sämereien und dem Dünger, “ wage ich zu scherzen und sehe Sekunden später mit Entsetzen, dass die Herren tatsächlich den Schuppen aufschließen.
Das Thermometer hat derweil die 24 Grad- Marke geknackt, im Schuppen unter der schwarzen Teerpappe kann man gewiss inzwischen den ersten Aufguss machen.Ich schieße genervt aus meinem Stuhl hoch, stampfe von Männern verfolgt in die Küche, greife blind in den Kühlschrank und ziehe die einzige große Schüssel heraus, die da drin steht, knalle sie auf den Tisch und schicke böse, giftgrüne Blitze aus gleichfarbigen Augen zu den Blindfischen, die staunend neben mir stehen. Ich ermahne mich stumm…cool bleiben..aufregen gehört zu den anstrengenden Arbeiten…tu es nicht! Ich lasse mich so auf den unschuldigen Stuhl fallen, dass er ächzt.
„Wir können die Würstchen nicht finden, haben wir auch Senf?“
Während mir schon der Schaum vor dem Mund die Sicht nimmt, prustet Elke in ihr Kopfkissen. Ihr Bauch zuckt so doll, das gibt morgen Muskelkater vom Nixtun. Ein Blick von Frau zu Frau lässt uns aufstehen, wir decken den Tisch, füllen die Teller und erklären geduldig unseren Männern
"Das da ist der Mund, da müsst ihr die gefüllten Gabeln reinschieben, “ während wir es ihnen zusätzlich vormachen.
„Siehste, hab doch gesagt, das klappt, “ zwinkert mein lieber Mann seinem Spezi zu.
Männer sind Schweine!!! ;-)
