Auch wenn Gutmenschen und Weltverbesserer das gerne so hätten, aber menschliches Verhalten funktioniert nun mal nicht so, dass man sich hinsetzt und überlegt: "Was ist denn jetzt wohl das beste für meine Mitmenschen, für Flora und Fauna, Umwelt und Klima und überhaupt für die ganze Welt?" Und das tut man dann.
Zum Beispiel: Getränke in Mehrwegflaschen kaufen statt in Einwegflaschen.
Menschliches Verhalten funktioniert über Anreize. Und zwar über Anreize, das eigene Wohl zu steigern.
Welchen Anreiz habe ich also, Getränke in Mehrwegflaschen zu kaufen, und welchen, Getränke in Einwegflaschen zu kaufen?
Natürlich kann man sein Wohl auch steigern, indem man Gutes tut und sich dann edel fühlt. Das wäre dann ein Anreiz, Getränke in Mehrwegflaschen zu kaufen.
Aber erstens ist das ja nicht wirklich weniger egoistisch. Schließlich geht es dabei ja ebenfalls darum, mein Wohl zu steigern - dadurch, dass ich mich als was besseres fühle, weil ich so ein Umweltfreund bin.
Und zweitens... und genau das ist der Denkfehler der Politiker und sonstiger "Vordenker zur Verbesserung der Menschheit": sie meinen immer, das vorderste Streben des Bürgers sei, hilfreich edel und gut zu sein. Aber so ist es ja nicht - das vorderste Streben des Bürgers ist, sein eigenes Wohl zu steigern. Das kann darin bestehen, sich hilfreich edel und gut zu fühlen, aber das ist noch lange nicht zwangsläufig so. Denn der Möglichkeiten, sein Wohl zu steigern, gibt es viele, und dass die Steigerung des Wohls durch Empfinden von Edelmut gewissen Damen und Herren die liebste Möglichkeit ist, heißt ja noch lange nicht, dass sie bei allen Menschen auf Platz 1 der Rangliste der Möglichkeiten, wie man sein Wohl steigern kann, steht bzw. dass sie da überhaupt draufsteht.
Die Politiker und sonstigen "Vordenker zur Verbesserung der Menschheit", die uns veranlassen wollen, Mehrweg statt Einweg zu kaufen, wären also besser beraten, wenn sie die Möglichkeit "Ich will mein Wohl steigern, indem ich mich als besserer Mensch fühle" mal weg lassen und dann aufs Neue - bzw. überhaupt mal - fragen: Welchen Anreiz habe ich, Getränke in Mehrwegflaschen zu kaufen, und welchen, Getränke in Einwegflaschen zu kaufen?
Und wenn ich bei einem Discounter eine Flasche Mineralwasser für 20 ¢ bekomme, während Mehrweg 2 - 3 mal so teuer ist, 2 - 3 mal so schwer zu tragen und 2 - 3 mal mehr weh tut, wenn mir der Kasten vor's Schienbein schwingt, dann ist die Frage doch wohl schon beantwortet.
Und was soll daran ein Einwegpfand ändern? Das ist ein Anreiz, leere Pullen nicht mehr einfach in die Landschaft zu schmeißen, weil das jedesmal 25 ¢ sind. Das ist ein Anreiz, die Pullen wieder zurück zu bringen zu Aldi, Lidl und Co., zumal ich dort ja sowieso wieder hingehe, nicht weniger und nicht mehr!
Im Gegenteil, jetzt schmeiße ich sogar die Pfandflaschen weg, in denen ich gelegentlich mal eine vereinzelte Cola an der Tanke kaufe. Weil der Rücknahmeautomat beim Discounter nur Einwegflaschen nimmt und es mir viel zu umständlich ist, für 1..2 Pullen extra dahin zu latschen, wo man sie zurücknimmt.
So, die Anreize sind der Boden, auf dem alle Überlegungen, wie man das Einwegsystem zurückdrängen und das Mehrwegsystem durchsetzen kann, wachsen müssen!
Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass man da ja vielleicht mal am Biermarkt spionieren könnte. Ich denke mal, Bier ist weniger von der Einwegseuche betroffen. Weil immer noch der Mythos herrscht, Bier schmecke nur aus Glasflaschen richtig gut. Vielleicht muss man den Leuten einfach nur irgendwie schmackhaft(!) machen, dass das bei Mineralwasser und Erfrischungsgetränken genauso ist.
