"Wie jedesmal, wenn ich in ein Krankenzimmer gehe, befragte ich auch die ältere Frau nach ihrem Befinden. Sie hatte gerade eine Operation hinter sich. Ich stellte ihr die üblichen Fragen, aber sie begann, mir ihre Sorgen mitzuteilen. Sie sprach über viele leidvolle Augenblicke in ihrem Leben und über ihre derzeitige depressive Stimmung. Ihre Erzählungen wirkten auf mich sehr lang und ausufernd.

    Langsam wurde ich ungeduldig. Es fiel mir schwer, mich auf das Gespräch zu konzentrieren. Hin und wieder wollte ich die Besprechung in eine andere Richtung lenken, um an die Informationen zu kommen, die ich benötigte. Doch der Gedanke an das 'Wort des Lebens' hielt mich zurück: "Was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen." Ich erinnerte mich an Situationen, in denen es mir gut getan hatte, dass mir jemand zuhörte. So bemühte ich mich, ganz für diese Frau dazusein und nicht an die zahlreichen Arbeiten zu denken, die ich als Stationsleiterin noch zu erledigen hatte.

    Es entwickelte sich ein sehr tiefes und schönes Gespräch. Ich konnte ihr - wenn auch in der gebotenen Kürze - von einigen schmerzlichen Erlebnissen in meinem Leben erzählen und wie ich auch darin einen Sinn entdeckt hatte.

    Als ich mich schließlich von ihr verabschiedete, war sie sichtlich ruhiger und entspannter. "Sie sind jemand, der mich wirklich versteht", sagte sie. "Aber eigentlich wollten Sie mich doch etwas fragen?" "Das hat Zeit bis morgen", antwortete ich. P.G.