Seit sie denken konnte, wurde es ihr verboten diese zu öffnen und sie befolgte all die Jahre strikt dieses Verbot. Niemals machte sie sich große Gedanken, was eventuell dort verborgen lag, denn sie hatte bis zum Schluss  ein fantastisches Verhältnis zu ihrer Mutter und ein Vater hat ihr nie gefehlt. Zwar wurde sie in bestimmten Familien nicht eingeladen, aber auch dies bedrückte  niemals ihre Seele, denn es gab genug Freunde  die sie besuchen konnte und die Rosi auch besuchten. 

Ihre Hand griff in einen Satz von Papieren , als sie das verschlossenes große Kuvert , das nicht beschriftet war sah. Rosi ging mit dem Kuvert drei schritte zurück und setzte sich in den alten Lehnstuhl  ihrer Mutter. Fest umklammernd hielt sie das Kuvert gegen ihre Brust  und ihre Augen starrten gegen die Decke. Was so fragte sie sich, was wird in diesem Kuvert sein, welches Geheimnis barg ihre Mutter all die Jahre fragte sie sich und hatte große emotionale Mühe es zu öffnen.

 Das Telefon klingelte und sie nahm den Hörer ab und meldete sich unter den Nachnamen ihrer Mutter. Hallo, sagte sie als an dem anderen Ende keine Antwort kam, hallo, hier ist der Anschluss von Frau Elise Sattmann. Sie sprechen mir ihrer Tochter, sagte sie höflich ins Telefon, doch sie hörte nur das Atmen  eines Menschen am anderen Ende. Rosmarie begann weiter zu sprechen, Meine Mutter ist vor sieben Tagen gestorben und ich bin in ihrer Wohnung um Ordnung zu machen und den Nachlass zu regulieren, sagte sie zu dem Unbekannten. Kann ich ihnen helfen fragte sie und hatte nicht wenig Lust den Hörer aufzulegen, doch irgendetwas hielt sie ab  dies zu tun.

 

Sie kennen mich nicht sagte eine männliche Stimme und ich kannte sie auch nicht, erst als ich die Todesanzeige las, wusste ich um ihre Existenz.

Mein Name ist Herrscheid, Klaus –Dieter Herrscheid, stellte sich der Anrufer vor und wartete auf eine Antwort von Rosmarie.

Rosmarie wusste genau wer Klaus- Dieter Herrscheid war, denn es verging fast kein Tag an dem nichts von ihm in der Zeitung stand. Herrscheid , das wusste sie war vom Bürgermeister , zu Kommunalpolitik und später in die große Politik gewechselt und vertrat  als Parlamentarier  den Staat im Europaparlament.

Was so dachte sie, will dieser Mann von mir und weswegen ruft er an, ging es ihr blitzschnell durch den Kopf. Sie sammelte sich um eine Antwort zu geben.

Herr Herrscheid, es ist sehr nett dass sie mich anrufen und kondolieren, sagte sie höfflich, aber was ist der eigentlicher Anlass ihres Anrufs fragte sie.

Herrscheid, atmete tief durch und fragte , wie alt sind sie  Frau  Palmer und entschuldigte sich sofort für diese unhöfliche Frage. Verzeihen sie wenn ich so direkt frage, aber das ist sehr wichtig für mich, sagte er .

Rosmarie hatte nie Probleme ihr alter zu nennen, denn siebenunddreißig Jahre waren ein gutes Alter, doch war sie verwundert über die Frage des Politikers.  Sie nannte ihr alter und auch das Datum ihrer Geburt.

 Am anderen Ende wurde es Still und dann sagte die Stimme, also doch.

Also was, fragte Rosmarie und ihre Neugier bekam die Oberhand. Was, so fragte sie den Anrufer, was wollen sie mir erzählen und ihr Blick fiel auf das geschlossene Kuvert. Den Hörer am Ohr haltend ergriff sie es vom Tisch und riss dieses auf.  Fein säuberlich handgeschriebene  Seiten zog sie heraus  und erkannte die wunderschöne Handschrift ihrer Mutter.

Ich würde sie gerne Persönlich treffen sagte der Anrufer und bat um einen Termin. Rosemarie war durchaus bereit den hohen Politiker zu treffen und sagte zu, indem sie am Wochenende einen  Termin vereinbarten.

Rosmarie legte den Hörer auf und begann zu lesen.

 

Meine liebe Rosmarie, was ich hier schreibe, soll nun ein Geheimnis  auch für dich sein , denn es wäre für dich nicht gut  wenn es ein anderer erführe, waren die erste Zeilen die sie las.

 

Hast du dich nie gefragt, woher du stammst und wer dein Vater ist, las sie weiter und vertiefte sich immer mehr  in das Geheimnis ihrer Mutter.  Sie erfuhr das ihre Mutter mit Absicht  im Geburtsregister Vater unbekannt angegeben habe, obwohl sie wusste wer der Erzeuger ist, sie erfuhr das sie nie Ansprüche an diesen Mann stellte und das  dieser nicht wisse das sie, Rosmarie existiere. Sie las von der Mutters größten Liebe und das sie sich aus familiären Gründen, als sie die Bestätigung der Schwangerschaft hatte, sich  sofort von dem Mann trennte, ohne jemals ihn wieder zu sehen.

Sie wolle so las Rosmarie ferner, den Namen des Mannes, Ihres Vaters auch jetzt nicht preisgeben, denn es würde zuviel Komplikationen entstehen und das Leben von Ihr, sowie von ihrem Erzeuger durcheinander wirbeln.

Sie hat nie geheiratet, schrieb sie zum Schluss, denn  niemand war wie er und in niemanden konnte sie sich nochmals so verlieben. Mein größtes  Glück warst immer du, denn du warst ein Stück von ihm und meine ganze Liebe, die ich ihm geben wollte habe ich auf dich übertragen. Du warst mein Glück und meine Seeligkeit, du warst mein Sonnenschein und mein Lebensinhalt.

Tränen liefen Rosmarie über ihr Gesicht und eine unendliche Trauer und doch ahnte sie wer sie vor einer Stunde angerufen hat.

Sie nahm den Hörer auf und wählte die Telefonnummer des Anrufers.

 Herrscheid, meldete sich  der angerufener.

Hier ist Frau Palmer sagte  Rosemarie und erzählte ihm was sie grade gelesen hatte.  

Ich habe nie geheiratet sagte er zu Rosmarie, ich habe ihre Mutter abgöttisch geliebt, aber zu Stolz sie zu fragen warum sie mich verlassen hat.  Erst jetzt, als ich  die Trauernachricht las, konnte ich sofort mir ausrechnen warum sie gegangen ist und welch großer Trottel ich war. Mich hat es damals nicht gestört, das sie aus einer Arbeiterfamilie stammte und  wenn sie nicht gegangen wäre , so hätte ich sie sofort geheiratet.

Ja, du bist meine Tochter sagte er erfreut  und ich bin froh dass es dich gibt.

 

Stolz, sagte er ist manchmal eine große Dummheit, aber nun bin ich Stolz  meiner Tochter zu begegnen.

 

B. Brabant 1.6.2010