Heute geht es hier wieder äußerst verschwiegen zu. Geheimstufe ROT und Hektik hoch 3. Bereits heute morgen wurde hinter verschlossenen Türen diktiert, entsprechend genervt ist die Chefsekretärin (auf CHEF-Sekretärin legt sie großen Wert, obwohl außer Chef und ich sonst niemand mehr in dem Büro tätig sind). Auf meine Frage wurde mir mitgeteilt, es ginge um den Verkauf der Konkursfirma und da würde der Alte eben immer durchdrehen, weil ihm alles zuviel wird, außerdem müsse sie ihm ständig dasselbe immer wieder erklären, weil er alles vergisst. und dann erzählt er auch noch Blödsinn am Telefon. Der ist so aufgeregt, das ist richtig schlimm.

Irgendwie steckt die Hektik an, obwohl ich bis auf ein paar Buchungen nichts zu tun habe. Sie könnte mir ja Arbeit abgeben, aber die ist ja so fürchterlich geheim!

Zwischen Fax-Gerät und e-mail-Schreiben wird hin und her gesprungen, ein Häppchen Brötchen abgebissen, ein Schluck Tee getrunken, Fax läuft nicht, Internetanschluss will nicht so wie sie wohl will „nun komm schon, Baby“, Fax ist durch, (Ich bekomme schon keine Luft mehr vor soviel Betriebsamkeit) Blätter sind durcheinander, sortieren, e-mail ist auch endlich raus. Dann auch noch die Töffel, die sich verwählen. (So schnell bin ich gar nicht, um evtl. das Telefon zu bedienen, ich komme irgendwie nicht zum Zuge.)

Oh, jetzt kehrt Ruhe ein. Das Brötchen wird aufgegessen, Tee getrunken. Das Fax abgelegt. Die e-mail auf Diskette gespeichert und eingeschlossen (wegen der Geheimhaltung). Es werden allerdings noch immer Selbstgespräche geführt beim Auffüllen des Zettelkastens.

2½ Stunden später: Jetzt wird die Geheimhaltung aufgehoben und mir alles erzählt. (Dann hätte ich ihr auch Arbeit abnehmen können.) Die Zeitung wird hervorgeholt und von hinten nach vorne durchgelesen. Alle Hektik ist verflogen