Heute ist es wieder soweit. Kleine Geister, Hexen, Skelette und Monster klingeln und fordern etwas Süßes, weil sie sonst böse werden und du Saures bekommst.

Das reicht von Senf auf dem Klingelknopf über Kondome in den Ziergehölzen des Vorzeigegartens bis zum total mit Altöl beschmierten Auto. Unsere Generation kennt die Bettelei nur von Rosenmontag, fern jeder Konsequenz für die Leute, die dann einfach nicht die Türe öffnen.

„Ich bin ein kleiner König,

 gib` mir nicht zu wenig,

gib` mir nicht zu viel,

 mit dem Besenstiel.

Lass` mich nicht so lange steh` n,

will noch ein Häuschen weiter geh` n,

von hier bis nach Essen,

da gibt es was zu fressen,

von hier bis nach Kray,

da gibt es süßen Brei!“

Keiner von den Erwachsenen wäre auf die Idee gekommen, auch nur eines der alten Weihnachtsplätzchen herauszurücken, bevor wir unser Lied nicht vollständig heruntergeleiert hatten. Die Generation meiner Tochter war da schon wesentlich zielgerichteter.

„Ich bin ein kleiner Frosch,

gib` mir einen Grosch,

gib` mir ein Stück Speck,

schon bin ich wieder weg!“

Heißa, haben die Hasen, Kapitäne, Piraten, Prinzessinnen, Cowboys und Indianer damals dumm geguckt, als ich ihnen die Speckwürfel in die ausgestreckten Hände legte. Die werden nie wieder Dinge fordern, die sie gar nicht wollen. Das war Erziehung fürs ganze Leben binnen Sekunden!!

In den ersten Jahren, hier auf dem „Dorf“ genannten Randbezirk der Großstadt, gab es weder Rosenmontag noch an anderen Tagen Kinder, die von Haus zu Haus zogen. Halt!! Doch! Die heiligen drei Könige kamen, doch die baten nicht für sich selbst…kann man so also nicht mitzählen.

Im letzten Jahr fing es dann an. Schon um die Mittagszeit klingelte es.

„Süßes oder Saures…“ blökte es in die Sprechanlage, die von Geistern, Monstern und einer Hexe umlagert war.

In der Schublade für die Leckereien hätten sich Mäuse Blutblasen gelaufen. Sie war von unserem Enkel  inspiziert, deren Inhalt erst akzeptiert und dann konfisziert worden. Nicht mal Speck hatte ich, doch der war ja auch nicht verlangt worden.

Das Kleingeld im Hause war auch einem festen Ritual zum Opfer gefallen. Vom 1 Cent- bis zum 20 Cent-Stück kommt alles, was sich bei Opa und Oma in der Börse finden lässt, auf den Tisch. Dann spielen wir „Liter und Krone“. Gewinnt Liter, bekommt unser Enkel das Geldstück, gewinnt Krone, haben Oma und Opa verloren…..;-)

Jedenfalls waren nur noch die „Silbertaler“ vorhanden. Da ich Saures nicht wollte, verteilte ich die ersten fünf Taler an die Kinder. Keine zehn Minuten später meldete sich die Klingel erneut. Es schien sich herumgesprochen zu haben und manche Geister kamen mir bald schon bekannt vor!

In diesem Jahr war ich klüger. Ich habe einen gut geschulten Einkaufsberater geleast, der mich eingehend über den momentanen Geschmack junger Gaumen informierte.

Trolli  „Glotzer“, ekelhaft echt wirkende Augäpfel, aus denen rote Flüssigkeit quillt, wenn man sie öffnet.  Brrrr, Grusel pur!  Unverschämt teuer aber absolut „in“.

 Nimm 2 soft sauer, da jubelt das Herz der Oma, die Vitamine für wichtig hält.

Saure Heringe, aus Lakritz! und saure Regenwürmer, das muss wohl Weingummi sein.

Zusätzlich habe ich noch Würfelzucker und ein großes Netz Biozitronen gekauft. Ich denke, ich bin bereit!

Meine Nachbarin ist geflohen, sie will das lange Wochenende in vollen Zügen genießen.

Die wird sich wundern! Wahrscheinlich steht sie jetzt irgendwo am Bahnhof und die DB kommt mal wieder nicht. Der Kiosk im Zug ist garantiert wieder aus „Personellen Gründen“ geschlossen und wenn Klimaanlage und Räder auch tadellos ihren Dienst tun, sind mir kleine Geister lieber als eine Menschenmasse, zwischen der ich wohlmöglich noch stehen müsste, weil kein Sitzplatz mehr frei ist.

Der Wunsch für die Freizeitgestaltung mancher Menschen ist mir mehr als fremd. Da lob` ich mir meine Geistlein...