Dat is kein Gras, sondern so en Kletschzeugs, dat angeblich besonders kosmisch is. Mir is et egal, ich will nur die schöne süße Luft atmen un die Musikk hören. Der Kerl am Schalter sagt widder , dat er nur fünf Gramm haben darf, un Günni versucht et widder mit der Nummer, dat ich sein Frau wär.

 

Der Typ lässt sich abber auf nix ein un schickt ihn mit sein fünf Gramm White Widow weg.

 

„Dat is auch kein Problem“, grinst Günni un zieht mich mit zu nem anderen Schalter, wo en Kamera hängt. „Dat is mein Frau“, erzählt er dem jungen Leckerchen hinter dem Fotoapparat. „Wir brauchen en Kart für sie.“

 

Der Typ guckt mich nett an, ich zwinker zurück, un dann macht et „Knips!“, un ich hab mein erste eigene Drogenkarte mit meiner eigenen Nummer drauf. Irgendswie is et mir schwindelig. „Steck dir die Kart gut weg“, sagt Günni. „Un am besten merkse dir die Nummer gleich auswendig. Denn wenn uns de Bullen auffer Rückfahrt kaschen, bisse se los.“ Er guckt mich an. „Gertie? Is alles im Lot bei dir, Gertie?“

 

„Ja doch!“, sag ich. „Mir is nur so … et is alles so schööön …“

 

„Wat du jetz brauchs, is en starke Tass Kaffee!“, stellt Günni fest un schleppt mich mit an de Thek. „Zwei Kaffe für mein … öööh … mein Frau un mich, abber flott. Un dann krieg ich noooooch ….“ Er guckt auf en Preisschild. „Drei fertige Joints von dem Hazetabakk.“

 

Der Kaffeemann holt die drei Dinger, jedes fein sauber in en Plastikhülle, un schiebt se ihm übber de Thek. Dat wär wegen dem Geruch, erklärt Günni, un wegen de Hunde von de Bullen. Damit se dat Gras nit gleich riechen.

 

„The times, they are a-changing“, sing ich zur Antwort. “If you’re going to … säääään frääänzisko, be sure to wäääährr a flower in your …”

 

“Alles klar mit dein Frau?”, fragt der Kaffeemann. Günni stützt mich wie en Ritter vom König Artus sein Tafel. „Alles klaaar, Jerry. Mein Frau brauch nur wat frische Luft.“

 

Damit schiebt er mich auch schon raus auf de große Veranda, wo auch Tische un Stühle stehen. „Jetz mal ganz tief durchatmen, Gertie, hörsse?“ Gleich geht et dir widder besser.“

 

Wieso besser? Mir ging et noch nie im Leben so gut! „If you’re gooooo-wiii-ng to sää-hääää-n frännnn..zisssskko … be schuuuuurrrr tu wäääähhhhrrr …“

 

“Hier, Gertie!”, sagt Günni un schiebt mir mein Kaffeetass rübber. Vom anderen Tisch kommt en blondet Gift un hält mir en Zigarett vor et Gesicht. „Hier, Schwester“, sagt se. „Nimm nen guten Zug, dann wird das ganz schnell wieder. Ich spüre dein Chakra, wir sind Seelenverwandte …“

 

Bevor mich der Günni dran hindern kann, hab ich die Kippe im Mund un nimm ene gaaanz tiefe Zug. „If yuuuu’re gowwwwwiiii-ngggg tu sään fräähää…häää…nnnzisssko … be schuuur tu wääähr …“

 

Um et kurz zu machen: Als ich dann widder wach wurd, so gegen zwei Uhr – also vierzehn – saß ich in meinem Wohnzimmer auf mein Couch, un neben mir der Günni un zwei fremde Leut. Sie en blondet Gift wie Madonna, er en düsterer Blödmann wie der Silvester Ställon.

 

„Wat is denn passiert?“, frag ich um mich.

 

„Et is alles guuut, Gertie“, sagt Günni, vollgedröhnt wie tausend Mann. „Sonja und Wotan haben dich … also uns … nach Haus gefahren. Ich hab ihnen versprochen .. ööööh …, dat se heut bei dir pennen dürfen, weil zurück können die heut nit wegen de Bullen.“

 

„Wegen de … der Polizei?“ Ich schreck auf. „Wie, wat, Polizei??? Warum dat denn?“

 

„Die Scheißbullen haben uns am Kreuz Mönchengladbach von der Bahn geholt, Schwester“, sagt dat blonde Sonja. „Zum Glück hatte Wotan seine Knarre bei sich, aber fast hätten sie uns doch noch erwischt. Wo hast de denn dein Wahnsinnsauto her, Gertie? Wir haben sie alle abgehängt. Natürlich haben sie uns einige Male mit 190 geblitzt, wundere dich also nicht, wenn du Post von den Schweinen bekommst. Der Kampf gegen das Schweinesystem fordert Opfer wie jeder Kampf, doch am Ende werden wir sie …“

 

Ich hab se nur angeguckt. Nur geguckt. Dann hab ich mir vom Günni ne große, dick Joint drehen lassen, un als ich dann ruhig genug war, un mit der ganzen kosmischen Kraft in mir drin, hab ich mein Freund Franz angerufen un se von ihm rauschmeißen lassen, auch Günni.

 

„Was war denn hier eigentlich los?“, fragt der Franz danach. „Wo hast du denn diese Verrückten aufgelesen, Gertie?“ Er spricht nit immer so doof, arbeitet im Eros-Center auf der Vulkanstraß als Rausschmeißer un raucht wie en Schlot.

 

„Ach“, sag ich un schieb ihm en Selbstgedrehte rübber. „Dat is ene lange Geschichte, Franz. Jetz zieh dir erstemal eine, danach mach ich uns ene starke Tass Kaffee.“

 

Franz hat die Zigarett bis an de Rand geraucht, un jetzt sitz er oben auf meinem Geschirrschrank un liest mir aus de gesammelte Gedichte von Hermann Hesse vor.

 

Nee, nee … ich sag et euch: Jetz hab ich auch mein Erfahrungen mit de Drogen gemacht, abber ich bin et ja selber schuld. Denn wenn de dich mit Günni mal auf so enen Schwachsinn einlässt … nee, nee. Ich mach jetz hier Schluss un such mein Lieblings-CD. Irgendswo muss se ja sein.

 

„If you’re gooooing to sääään frääänzisko, be sure to wäääähääär ö flauwer in yorr hääänd …“

 

Copyright © 2010 by Gertie (wem sonst?)