Halli Claudia, der Abend ohne Dich im Chat ist traurig, deshalb erzähle ich Dir die Geschichte vom kleinen Waldschrat, er war genauso wütend wie DU:

Feuchte Dämmerung umgab die Beiden. Aus dem weichen Waldboden entwichen Blasen eines übelriechenden Gases. Der Schwarze Wald verschluckte gleichsam die Fee und ihren Boten wie ein riesiger Bauch. Ihnen schien, als seien hineingeglitten in dieses ungeheure dunkle Loch, gefüllt mit beunruhigenden, unheimlichen Geräuschen. Es gluckste, fauchte, zischte. Die Töne schienen kleinen Bällen gleich, die aus der Dunkelheit hervorsprangen, auswichen, um schließlich von den Baumstämmen zu prallen. Noch verhießen sie nur Ungutes, aber keine direkte Gefahr. Wachsam schlich Kata auf dem kaum erkennbaren Pfad. Ein keckerndes Lachen und ein Waldschrat versperrte dem Boten den Weg.

Du wirst nicht weitergehen glaube ich!

Abschätzend schürzte Kata die Lippen. Und das bestimmst Du?

Eine rotglühende Kugel bohrte sich, ein Funkenfeuerwerk werfend vor seinen Füßen in den Boden. Der Mann sprang erschrocken zurück. Bösartiges Gelächter begleitete seinen Rückzug. Kata griff zu dem Mittel, das schon zweimal half, er zog das Schwarze Messer. Sollte das, was die Kreatur und die Hechel zwang nicht auch diesen hässlichen kleinen Gnom vertreiben? Auf jeden Fall schaffte das Zücken der Waffe einige Sekunden Sicherheit, denn der Schrat machte große Augen, um dann hinter einen dicken Baum zu springen. Nach nur kurzer Zeit explodierten erneut zwei Kugeln.

Mach noch einen Schritt und die nächste hast du in deiner dreisten Visage, ereiferte sich der Angreifer. Kata wusste nicht mehr weiter. Er stand ohne Deckung. Ein Feuerschein sauste auf ihn zu blendete die in der Dunkelheit übergroßen Pupillen. Instinktiv hob der Mann das Schwarze Messer, die Gefahr abzuwehren. An der Klinge zerplatze die Kugel in einen Regen kleiner Feuersternchen. Rasch suchte auch er hinter einem Baum Schutz. Wo war der Schrat? Wie einen Feind besiegen, der sich nicht stellt? Hinter ihm kicherte es. Gerade gelang es noch, um den Baum herumzuschwenken, als sich genau an der Stelle, an der er stand eine Kugel in das Holz bohrte. Die Tasche an seiner Seite begann zu vibrieren. Er schaute nach und entdeckte, das sich die Fee bemühte heraus zu gelangen.

Bleib drinnen Kleine, nix für Dich hier draußen! Ein Feuerball zerplatzte unmittelbar über ihm und überschüttete die beiden mit einen Funkenregen. Ärgerlich schrie Kata auf. Ein glühendes Stück war in seinen Kragen gefallen und hatte den Rücken verbrannt. Fürchterliche Schmerzen. Er schüttelte sich voller Wut. Die Fee indes gab nicht klein bei. Sie zog und schob, bis sich die Möglichkeit auftat, aus der Tasche heraus zu kriechen. Die Waidjungfer flatterte nach oben, setzte sich auf Katas Schulter und baumelte mit den Beinen. Was dann geschah schien dem Mann wie ein Wunder. Der Feenbote hörte seine Fee zum ersten Mal sprechen. Es war eine hohe Stimme, klar und rein. Manche Laute pfiff sie wie ein kleines Vögelchen.

Lieber Schrat, neugierige Augen schauten vorsichtig hinter dem rissigen Stamm hervor, pff..wer hat Dich geärgert?

Oih, joih, joih, eine Waldwiesenfee, die, die bewusste?

Lass pffü...uns durch, ich bitt auch schön, ein Triller beendete den Satz. Lieblicher ließ sich ein Wunsch nicht aussprechen.

Zwei weitere Kugeln zerplatzten ohne Vorankündigung vor den Wartenden.

Nun ist es aber gut, kein Ärger war in der Stimme der Fee zu spüren. Wer hat Dir pff...was zu leide getan?

Der Schrat kam zögernd. Langsam seine krummen Beinchen voreinander setzend, schlich er heran. Noch war er sich nicht sicher was zu tun sei.

Mein Lieber, die Waidfee sprach so mitfühlend, Dir wurde arg mitgespielt..ilit?? Er ließ sich auf den Boden fallen, schlug die Hände vor sein Gesicht und begann zu weinen. Die Fee flog auf seine krumme Schulter, streichelte die filzigen, verschmutzten Haare, die der junge Mann nicht einmal mit Handschuhen berührt hätte. Und murmelte:

Ist doch gut, mein Kleiner, der Schrat heulte wilder auf. Kata machte sich Sorgen. Es war leichtfertig von der Waidjungfrau sich in solche Gefahr zu begeben. Er schickte sich an gleichfalls zu dem Waldwesen zu gehen, die Fee aber bedeutete ihn stehen zu bleiben. Der Schrat wischte sich die Tränen aus den Augen, dabei eine dicke Schmutzspur in seinem Gesicht ziehend, rappelte sich auf und verschwand. Die beiden konnten nun unbehelligt weiter ziehen.

Die ungewohnte Situation ausnutzend, sprach Kata die Jungfer an:

Was hatte er?

Ich pff...weiß nicht

Aber du hättest ihn doch fragen können?

Diesmal mit klarer Stimme begann sie: Lieber, noch nie hatte sie ihn so spüren lassen, was er für sie war, ?müssen wir alles wissen, überall unsere groben Augen hineinpressen, alles zerlegen ohne es dann wieder zusammen zu bekommen? Wäre es denn besser gewesen, ich hätte erfahren was ihn bedrückt? Ach ihr großen ungeschickten Menschentiere. Ihr horcht den Leidenden aus, stillt oft nur eure Neugier und erteilt ihm dann vermeintlich gute Lehren. Immer fragen und fragen und das Wichtigste zu vergessen, etwas zu tun. Wenn Du einen Kranken siehst, und der hier war an der Seele krank, so mach keine Vorwürfe, sondern reich die Hand und hilf. Es genügte, dass ich ahnte, was geschah. Er hatte eine große Kränkung erfahren und die hat ihn wütend gemacht. Er hatte nichts gegen uns, wir sind ihm nur gerade üben den Weg gelaufen. Er musste seine Bitternis herauslassen. Und er brauchte nur jemanden der ihn versteht und ihm seine Schulter bot zum Ausweinen.

Kata lachte ärgerlich auf. Die Schulter bieten? Hast Du ihm Deine Schulter geboten, ich sah Dich auf seiner sitzen!

Die Fee musste innerlich lachen. Eifersüchtig war er ihr Bote, wollte sie nur für sich, nicht teilen. Bitte, nicht so, nein nicht so. Du weißt es doch besser! Damit flog sie wieder auf seine Schulter und schmiegte sich an ihm. Kata atmete auf. Schnell weiter, bald haben wir es geschafft dachte er. Er sollte sich irren.

So und nun biete ich Dir meine Schulter an, wein Dich aus und denke ich stehe neben Dir und höre Dir zu

Liebe Claudia, gräm dich nicht, Du kannst so schön lachen

Bussi Dein alter Freund Kalle

(Autor unbekannt!)