Immer wieder fällt mir auf, dass Menschen dazu neigen, wenn etwas nicht mehr funktioniert, dieses schön zu reden. Egal ob im Beruf oder in der Partnerschaft. Doch meistens werden die Partnerschaften schön geredet.
In einer funktionierenden Partnerschaft besteht immer ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen,
die Partner vertrauen einander und sind sich der Liebe des anderen sicher.
Beide besitzen ein starkes Selbstwertgefühl und wissen, dass sie auch ohne Partner weiterleben können.
Sie lassen zu, dass der Partner sich weiterentwickelt, seinen Interessen nachgeht und auch alleine mit Freunden etwas unternimmt.
Da gibt es keine Eifersucht.
Solche Partner sind sich einig über die gemeinsamen Ziele.
Sie achten sich gegenseitig, akzeptiert die Grenzen des anderen und sind offen und ehrlich zueinander und zu sich selbst………..
……..da sieht jeder Außenstehende sofort, das ist stimmig.
Anders, und das weiß ich aus eigener Erfahrung, wenn man weiß, da stimmt nichts, aber auch gar nichts, doch nach außen malt man alles rosig, belügt sich selbst. Macht den Partner zum Übermenschen, erzählt von einer Liebe, die schon lange nicht mehr existiert, so nie existiert hat.
Der Partner wird zum Seelengefährten, zum Herzensmenschen, ja sogar zur Dualseele idealisiert.
Warum? Weil man es gerne so hätte? Weil die Sehnsucht so riesig groß ist nach einer solchen Partnerschaft?
Was bringt einen dazu sich – manchmal über Jahre hinweg – selbst zu belügen? Festzuhalten an einer Beziehung, die einen im Grunde nur krank macht?
Man erzählt jedem, egal ob er es hören will oder nicht, wie toll doch die Beziehung ist, so verstanden fühlte man sich noch nie, auch Sex hat man so noch nie zuvor erlebt, diese Gefühle für diesen Menschen, so kannte man es vorher nicht. Man demonstriert eine Verbundenheit, die man sich so sehr wünscht, die jedoch nicht existiert. Man ist süchtig, süchtig nach einem Partner, süchtig nach dem Partner, beziehungssüchtig.
Was ist der Grund für eine solche Beziehungssucht?
Oft ist der Beziehungssüchtige ein erwachsenes Kind suchtkranker Eltern und oder disfunktionaler Familie.
Er hat sich immer nach Liebe gesehnt in der Kindheit, sie aber nicht bekommen und jetzt fürchten er sich davor, verlassen zu werden,
er kümmert sich lieber um andere als um sich selbst,
er möchten alles unter Kontrolle haben,
er ist ständig im Stress.
Er vertraut sich selbst nicht und vertraut daher oft den falschen Personen, das wiederum führt dazu, dass er ausgenutzt wird.
Hinzu kommt die Angst vor persönlicher Kritik, denn der Beziehungssüchtige will keine Fehler machen und demonstriert nach außen, dass er niemals Fehler macht, er ist perfekt und innerlich fühlt er sich minderwertig.
Er braucht den Partner, da er sich nur über die Beziehung definieren kann. Alleine der Gedanke, ohne den Partner leben zu müssen, stürzt den Beziehungssüchtigen in tiefste Verzweiflung, wenn er nicht mit dem Partner zusammen ist, fühlt er sich unvollständig. Nur mit dem Partner fühlt er sich geborgen.
Er klammert und will nicht loslassen, erstickt den anderen und versteht nicht, wenn der Partner aus einer solch kranken Beziehung ausbricht.
Er nennt es die große Liebe seines Lebens und weiß nicht, was wirkliche Liebe ist.
Text: Nika Nachtwind
Quelle: Die Flucht vor der Nähe: Warum Liebe, die süchtig macht, keine Liebe ist von Anne Wilson Schaef
