Vor 14 Tagen  wurde mein Sohn konfirmiert, da geht man auch als konfessionsloser aber stolzer Vater schon mal in die Kirche.

 

Am Samstagnachmittag, war schon eine kleine Veranstaltung, weil die Kids fotografiert wurden und so etwas wie ein kurzer Probe- oder Einweisungsgottesdienst  stattfand.

Schon da wurde der Pastor gefragt, wie das mit der Sitzverteilung am Sonntag wäre. Für ihn, genau wie für mich, eine total unsinnige Frage und seine Antwort darauf war, dass keine Platzkarten vorgesehen seien und sich jeder dahin setzen möge wo ein Platz frei sei.

 

Bei allem was meinen Sohn betrifft achte ich immer sehr auf Pünktlichkeit, weil ich ihm ein Vorbild sein will und meistens auch bin.

 

Da ich aus irgendwelchen Gründen, die  Nacht von Samstag auf Sonntag aber nicht so richtig schlafen konnte, war  die Nacht für mich um 2:30 Uhr vorbei und ich habe mir schon um 4 Uhr in der Frühe, Kaffee gekocht, schön gefrühstückt und mich gefreut, es doch wieder einmal pünktlich geschafft zu haben. Ich war stolz auf mich.

 

Der fehlende Schlaf muss allerdings Geist und  Körper, bei einem kleinen Zwischenspiel in der Waagerechten, übermannt haben. Ich schlief wieder ein und weiß nicht genau wann und warum.

Als ich vom Klingeln des Telefons geweckt wurde, war es jedenfalls schon 8:45 Uhr und es stellte sich anschließend heraus, dass die Thermoskanne noch fast voll war.

Am anderen Ende mein  Sohn, der schon vor der Kirche stand und mich fragte ob ich das Telefon um 8:00 Uhr nicht gehört hätte. Im Übrigen sei die Kirche schon rappelvoll.

 

Ich musste zugeben, dass ich verpennt habe und versprach ihm sofort zu kommen.

Der Gottesdienst fing um 9:30 an und ich war trotz 10 Minuten Fußweg um 9:15 an der Kirche.

Da an diesen Tagen die ersten Leute anderthalb Stunden vor dem Gottesdienst in die Kirche gehen, um ja einen guten Platz zu haben, wurde mir unterwegs klar, dass nun trotz meiner müden Verfassung ein fast 2 stündiger Steh- Gottesdienst vor mir lag.

 

Angekommen war ich froh, dass es ja immerhin noch 15 min vor Anfang war und ich fragte den Türsteher ob es noch eine Chance auf einen freien Sitz gäbe. Der Presbyter meinte, dass er bei seinem letzten Rundgang, ganz vorne im Kirchenschiff, wo etliche Stuhlreihen aufgestellt waren, noch 2-3 freie Plätze gesehen habe.

 

Also musste ich  durch die gesamte Kirche um einen der freien Plätze zu suchen oder alternativ ca. 2 Std. ganz hinten stehen.

Ich entschloss mich für die erste Möglichkeit und ging los, wohlwissend, dass 500 Augenpaare auf mich gerichtet sind und ich spürte förmlich die Blicke der bösartigen Verwandtschaft meiner ehemaligen Partnerin und hörte im Geiste ihre hohlen Sprüche von wegen Unpünktlichkeit, usw.

 

Wenn man allerdings müde ist, schon vor tausend  Menschen gesungen hat und auf die Meinung anderer Menschen sowieso nichts gibt, stören einen solche Gedanken nicht  besonders. Vielmehr war ich bedacht, nicht auch noch über irgendeins der herumliegenden Kabel zu stolpern, denn mit stolpern wo es nichts zu stolpern gibt, habe ich so meine Erfahrungen. Außerdem  hatte ich ja ein festes Ziel vor Augen.  Einen Sitzplatz finden.

 

Vorne angekommen sah ich sie sofort.  Zwei  freie Plätze auf der linken Seite in der zweiten Stuhlreihe ganz links außen und noch 2 Plätze mittendrin.

Also die beiden freien Plätze in der zweiten Reihe angesteuert und  gefreut, dass ich als letzter, noch einen der besten Plätze erwische.

Ich beschloss schon innerlich, meine Einstellung zu Gott und seiner Kirche doch noch einmal zu überprüfen, denn niemand anders konnte es gewesen sein der mir einen Platz, ganz nah am Geschehen, freigehalten hatte.

 

An den beiden freien Plätzen angekommen wurde ich allerdings eines besseren  belehrt.

Nämlich, dass man auch in einer Kirche nichts geschenkt bekommt und ich zog im Geiste, Parallelen zu was weiß ich nicht allem.

Als ich Platz nehmen wollte wurde ich Augenblicklich von einer grimmig blickenden Omi  angekeift, dass die beiden Plätze besetzt seien.

Mir schien, Omi hatte vor lauter Boshaftigkeit und Egoismus vergessen, dass sie sich in einer vollbesetzten Kirche, die mit einer wundervollen Akustik ausgestattet ist, befand und ich musste schmunzeln.

 

Außerdem schien Omi vergessen zu haben, dass man in der Kirche nicht lügt und wenn sie mich gekannt hätte, würde sie gewusst haben, dass ich selbst außerhalb von Kirchen keine Lügen mag.

Auf jeden Fall hatte sie mit ihrer Boshaftigkeit mich und auch den Gerechtigkeitsfanatiker in mir geweckt.

Ich entgegnete ihr also, ganz freundlich, dass ich niemanden auf den Plätzen sehe.

 

Sie versuchte mir zu erklären, dass die beiden Personen die da angeblich saßen, etwas ins Auto bringen. Das löste bei mir die Gegenfrage aus, was die beiden denn riesiges mit in die Kirche geschleppt hätten, dass sie es nun mit 2 Personen wegtragen müssen.

 

Nun versuchte die Dame schnell etwas auf die beiden Stühle zu platzieren,  womit sie aber nur erreichte, das ich Platz nahm und sie nun darüber aufklärte, dass wir nicht auf Mallorca seien und ich sowieso keine Handtücher auf der Liege akzeptiere.

Jetzt bekam ich auch hier Gruppendynamik zu spüren, denn plötzlich hatte ich mit 4  Stuhlreihen zu tun.  So groß war die Sippe, die mich anfeindete.

 

Ich gab diesen, in meinen Augen, dummen, dreisten Menschen noch ein paar dumme Verse, denn dumm müssen sie schon sein sonst verstehen einen diese Leute nicht.

Dass ich die ganze Zeit lächeln musste und am liebsten laut losgelacht hätte, weil mir in dem Augenblick PN absolut nicht aus dem Kopf wollte, brachte diese Meute immer mehr gegen mich auf.

Also tat ich das was ich hier gelernt habe. Ich habe diese Leute einfach ignoriert und hatte lieber meine Freude an dem wirklich schönen Konfirmation Gottesdienst.

 

Die restlichen 3 leeren Plätze waren auch nach dem Gottesdienst nicht besetzt, auf meinen Platz hatte auch niemand Anspruch erhoben  und dass tollste war für mich, dass ich dieser Sippe, die mich angefeindet hatte, noch einen arg spöttischen Spruch reinreichen konnte, der einigen von ihnen sogar einen roten Kopf bescherte. Naja, war ja auch warm draußen.

 

Ich bekam nämlich mit, dass das Ehepaar, für welches man die Sitze frei halten wollte, gar nicht geplant hatte, überhaupt  am Gottesdienst teilzunehmen und zur Zeit des Gottesdienstes noch auf der Autobahn war.

 

Euch wünsche ich immer einen freien Platz und immer dran denken: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

 

Copyleft Gerd