Vor zehn Jahren behauptete X. noch, so ein PC käme ihr nicht ins Haus. Vor einer Weile erklärte sie mir, das Ding sei Gold wert, verschaffe es ihr doch ohne langes Hin und Her einen Gesamtüberblick hinsichtlich männlicher Singles.

 

Nachdem sie für sich beschlossen hatte, nicht länger ein unbemanntes Raumschiff zu sein, ist sie auf Männerfang. Der Vergleich mit dem Raumschiff hinkt, X. ist gertenschlank und ein recht jugendlicher Typ, gut gebaut und am Hungertuch nagt sie auch nicht. So eine Frau sollte schnell vergeben sein, eigentlich dürfte die gar nicht auf dem freien Markt sein, oder?

 

X. kennt jede Plattform für Liebessuchende. Nicht nur die kostenfreien, denn da gibt’s eh nur Fakes und vernachlässigte Ehemänner, wie sie meint. X. möchte einen adäquaten Partner! Nachdem ich dies schwere Wort gegoogelt hatte, wusste ich, was sie meinte.

 

Ich bewunderte X.! Nicht wegen ihrer Figur oder des Aussehens, ich fand es grandios, wie sie die Flut der Angebote managte. Nicht weniger als sieben Anbieter schickten ihr Profile von echten Traummännern. Nach und nach durchschaute ich X. Arbeitsweise. Alle Männer, die kein Bild schickten oder frei stellten, fielen weg. Nach einiger Korrespondenz, die natürlich fehlerfrei sein musste (nicht ihre, seine!) googelte sie die Männer, um die Angaben zu prüfen. Wichtige Leute kann man googeln, behauptete X. Ich stellte fest, unwichtige Leute, wie mich, auch.

 

Aus der Masse wurden Männer ausgesucht, die Handwerksmeister, Anwälte, Ärzte, Manager, Piloten ect. waren. Herrje, warum suchte ein Mann mit gutem Aussehen und einem so tollen Beruf im Internet eine Frau? Liefen Frauen solchen Männern nicht nach? Dieser Gedanke beschäftigte auch X. und so fragte sie nach.

Zeitmangel war die Antwort, Ausrede nannte es X. Einige Ärzte und Anwälte konnten glaubhaft machen, dass eine Beziehung zwischen Arzt und Patientin oder Arzthelferin nicht gut sei, ebenso wie die von Anwalt und Klientel. Das leuchtete ein.

 

Dr. A fiel durch, weil er zu gelbe Zähne hatte. Ich fand ihn ideal für X. , weil er, ebenso wie sie, Teetrinker , Opernfan und Veganer war. Vielleicht fehlte ihm nur die Zeit für das regelmäßige Bleichen beim Zahnarzt.

 

Dr. B fiel durch, weil er ein rosa Hemd und einen unmöglichen Haarschnitt trug. Ich fand ihn modisch frech und bei seinen Locken konnte er sich den Schnitt durchaus leisten.

Dr. C fand keine Gnade vor ihren Augen, weil er eine Tochter hatte, die studierte. Gemeinsames Geld wollte sie nicht durch drei teilen, wobei sie sich nicht erkundigte, ob er seine Tochter unterstützte, sie setzte es voraus. Hätte er es nicht getan, wäre er gewiss wegen Geiz durchgefallen.

Dr. D trug ein Toupet…NO GO!

Dr. E fiel durch, weil er ein Ferkel war. Er erkundigte sich schon beim dritten Date, ob ihre Oberweite echt war.

Dr. F war es auch nicht, er hatte krause Haare auf der Brust, dafür warDr. G ein Schnösel, der nicht mal Bartwuchs hatte. Die Tatsache, dass Männer von den Philippinen eben kaum Bartwuchs haben, galt nicht. Ich fand ihn sehr nett im Aussehen, seine Mails humorvoll und geistig im oberen Bereich angesiedelt, ganz, wie sie es wünschte.

Dr. H war Witwer und erdreistete sich, einmal von seiner Frau zu sprechen. Das war der Beweis, den X. brauchte, um ihn für nicht bindungsfähig zu halten, da er noch trauerte.

Dr. I kam die akademische Viertelstunde zu spät…durchgefallen.

Dr. J kam zu früh…im Bett…na, darüber lässt sich streiten.

Dr. K gefiel ihr sehr. Da fiel X. durch, weil er meinte, er habe schon eine Mutter. X. hatte ihm erklärt, dass man sein Sektglas nur am Stiel halten dürfe.

 

Auch die anderen 100? Männer hatten schwerwiegende Fehler.

X. wird nie einen passenden Mann finden, selbst dann nicht, wenn sie ihn eigenhändig backt.

 

Schade um die verlorene Zeit. Die hätte sie gut mit einem völlig normalen Mann verbringen können, sich mit ihm streiten und versöhnen, seine Zahncreme zuschrauben, seine Pantoffeln in den Schrank und seine Rosen in die Vase stellen können. Sie hätte leben können.  

 

PS. Ich danke Andrea Krebs für den Denkanstoß