Guten Tag, ich bin die Uschi

 

 

Ich wollte mal ein wenig von mir persönlich erzählen, da viele Buerger, deren Interessen ich vertrete, ein vollkommen falsches Bild von mir haben.

 

Und dies liegt nicht an mir oder gar in meiner Verantwortlichkeit, was ich nun näher erklären werde.

 

Mit sechs Brüdern aufgewachsen, fiel es mir sehr schwer, mich innerhalb des Familienverbundes zu finden, daher habe ich mich später ‚neu erfunden’. Nicht, dass man draußen meinen könnte, dass ich mich von mir selbst abgespalten habe, nein!, es war eher so, dass ich immer schon erkannte, wann es Zeit für Erfindungen war. Oder, besser ausgedrückt: Zeit, um seine Träume Wirklichkeit werden zu lassen. So, nun weiter im Text.

 

Wer sich übrigens über meinen Ton, oder gar meine vermeintliche Ellbogenmentalität, die meinen sanften Umschreibungen für notwendige Maßnahmen entgegenstehen mögen, wundert: auch ich bin oft verwundert, wache morgens auf, wie Dornröschen, und meine sieben Zwerge sind ja nun auch keine kleinen Zwerge mehr. Ein wenig preußischer Drill und Achtung vor dem Muttersein hat niemandem geschadet. Ich spreche aus Erfahrung.

 

Nun, dass ich in das bundesdeutsche Arbeitsministerium berufen wurde, nachdem ich ja als Familienministerin für Furor gesorgt habe, kommt ja nun nicht von ungefähr. Als berufstätige Hausfrau und Mutter habe ich nach dem dritten Kind gedacht, dass ich das alles nicht mehr schaffe.

Ich habe dann meine Facharztausbildung abgebrochen und bin meinem Mann in die USA gefolgt, um mich hier vor Ort über das Gesundheitswesen …*laechel … zu informieren. Der Abschluss des *Master of Health* ist ein weiterer Preis meines außerordentlichen Schaffensdranges.

 

Apropos Schaffensdrang … vier weiteren Kindern habe ich, wie bekannt, das Leben geschenkt, nachdem ich nach den ersten drei Geburten ja eigentlich nicht mehr wollte. Dem damaligen ‚Burn-out’ folgte ein ‚Burn-in’ und es hat mir immer Spaß gemacht. So ist das Leben. Ich habe alles  immer als gegeben (hin)genommen. Auch das Feuer in mir.

 

Als Quereinsteigerin in der Politik – Erfahrung hatte ich ja nicht, ich bin promovierte Ärztin! – habe ich mich dann doch im Nachhinein über die Gnade der Geburt und des damit weitergereichten  Politiker-Gens gefreut (mein Vater ist der ehemalige Ministerpräsident  Albrecht, was ich nicht ohne Stolz bemerke, aber ohne dass man ableiten könne, ich sei privilegiert), da helfende Hände von allen Seiten mir gereicht wurden.

Ich kann mit Nachdruck sagen, dass mir die vielen Geburten arg zugesetzt haben und ich mich erlöst fühle, da mir bei der Erziehung der Kinder auch hier Feen und Gnome wie von Geisterhand geführt die alltäglichen Belastungen abnahmen. Nicht, dass ich selbst nicht der Aufgabe gerecht geworden wäre … auch hier ein klareres NEIN.

 

 

Mein soziales Gewissen christlicher Prägung ließ mich Verantwortung für und mit anderen teilen, so dass alle Beteiligten aus ihrer persönlichen und beruflichen Situation Nutzen ziehen.

 

Was gibt es Schöneres, als seinen Kindern zu signalisieren:

 „Seht mal, die Mama hat keine Zeit für euch, wie andere Mamis, die mit der Kittelschürze den ganzen Tag sauber machen. Oder die Hartz IV-Mamis, die rauchend den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen und sich Gedanken um die Welt machen. Nein, eure Mami ist eine ganz besondere Mami.

Sie bezahlt andere dafür, dass sie sich um euch kümmern,  euch bekochen, spielen, euch in die Privatschulen und Elite-Universitäten fahren, eure schmucken Studenten- Penthouse-Wohnungen sauber halten. - Und da haben wir alle was davon. Dadurch, dass ich sieben Kinder (wem auch immer) schenkte, haben andere, arme, leider, leider, minder gebildete Menschen Arbeit. Ja, indem ich meine Verantwortung abgebe, haben andere Menschen Arbeit. Viel Arbeit. Das versteht ihr doch sicherlich? Ich meine es nur gut mit den Menschen. Auch mit euch. Eure Mami erhaelt sehr viel Geld dafür, dass sie den Hartz IV-Mamis das Denken abnimmt. Denn das kann ich gut. Anderen das Denken abnehmen.

Ihr könnt mir bestimmt auch in diesem Punkt beipflichten? Ja?, ich wusste es, denn ihr seid liebe, verständige Kinder. Nicht so undankbar, wie der Mob, der intrigant behauptet,  dass diese Leistungen vom Steuerzahler erbracht würden …“

 

Sie, liebe Leser, glauben gar nicht, wie verständig Kinder sein können. Ich kann daher das Gemaehre der Buerger – sie mögen verzeihen, wenn ich präzisiere – einer ganz bestimmten Klientel Buerger, einfach nicht mehr hören. Es schmerzt in meinen Ohren, so dass ich oft fürchte, einem Tinnitus zu erliegen. Das sind die Momente, wo ich doch ein ganz klein wenig zweifle daran, dass ich meine Facharztbildung abgebrochen habe, und vor allem, warum.

Nun, wenn es für mich in der Politik nicht mehr weitergehen sollte, was ich nicht glaube, denn ich bin sehr gläubig … Kinder habe ich mir immer gewünscht … habe daran geglaubt, dass ich das alles schaffe, dann gibt es in den Job-Centern wunderbare Wiedereingliederungsangebote!

Die habe ich innerhalb von Arbeitsgruppen für die Menschen, die unsere Hilfe brauchen, ausgearbeitet. Schwierige Kopfgeburten waren das!

 

Da fällt mir gerade ein, dass ich ja nie selbst für meine … hm … Geburten letzten Endes … ja, also, ich habe da keinen Gebrauch von gemacht … es ist mehr so, dass … ich immer nur für andere da war. Für andere gedacht und gehandelt habe.

 

Und so möchte ich gesehen werden: als vollkommen nutzloser Mensch. Nein, pardon, bitte berichtigen Sie dies zwecks eventueller Veröffentlichung: gemeinnütziger Mensch.

Haben Sie das so notiert? – Danke.

 

Und drunter stehen soll (weil das rührig ist, man nannte mich im Familienkreis *Röschen* … bestimmt von Dornröschen, weil es wachge …küsst wurde):

 

Mit dem Wunsche, endlich verstanden zu werden, grüsst Sie alle im Lande sehr herzlich,

 

Ihre

.uschi.

 

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