Doch sie hat da ein kleines Problem. Sie denkt öfter an einen anderen. Man könnte ihn auch den "Schattenmann" nennen. Ich habe mal gelesen, dass fast jede Frau so einen hat, einen geradezu perfekten Traummann, den man nie vergessen konnte, oder einen, den man nie persönlich kennengelernt hat. So geht es auch Hanna. Ihr Schattenmann war eine kurze, aber heiße Affäre, die sie nie wiedergesehen hat.
Man könnte es ein Phänomen nennen. Dieser (Schatten)-Mann steht auf einem Sockel, von dem ihn kaum jemand hinunterstoßen kann. Manchmal, wenn es in Hannas Beziehung mal nicht so gut läuft, denkt sie an ihn und daran, wie eine Beziehung mit ihm wohl laufen würde. Wenn er nicht unerreichbar wäre. Wenn man ihn früher kennengelernt hätte. Wenn er nicht so weit weg wohnen würde. In ihren Gedanken ist er immer bei Hanna. Wie ein Schatten folgt er ihr überall hin. Hanna weiß, dass sie ihn nur so unwiderstehlich findet, weil er für sie unerreichbar ist.
Gut, dass ihr Mann nichts von seinem Nebenbuhler, dem Schattenmann, weiß. Hanna betont, dass die Gedanken schließlich frei sind. Und solange sie ihre bessere Hälfte mehr liebt als den anderen, Unerreichbaren, ist doch alles in Ordnung, findet sie. Ihr Schattenmann ist ihr kleines und süßes Geheimnis. Das wird er auch bleiben, davon ist Hanna überzeugt: "Ab und zu träumen können ist doch etwas Schönes, solange man nicht dauerhaft in einer Traumwelt lebt," lautet ihre Devise. Vielleicht hat Hannas Angetrauter ja eine heimliche Schattenfrau? Möglich wäre es.
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Geralt
