Mein erstes Date über die neue Agentur erinnerte mich an eines der schönsten Life-Konzerte, das ich je erlebt hatte. Und das kam so:

Ich hatte wieder eine Menge Frauen mit einem gut formulierten Text angeschrieben. Wieder gab es keine Bilder, die man ohne Zustimmung der Besitzerin hätte öffnen können. Die Psychotest-Ergebnisse, ich nannte sie nach einigen Erfahrungen ‚Matsch-Punkte’, interessierten mich überhaupt nicht mehr, und ich achtete vorwiegend auf räumliche Nähe. Nichts ist ätzender als wegen einiger, gut verlaufener Telefongespräche ein paar hundert Kilometer weit zu fahren und bereits nach einem kurzen Blick zu wissen, dass die Chemie nicht stimmt. Das war mir von vorn herein klar, aber ich traute mir zu, allein durch ein einziges Telefongespräch weniger interessante Frauen aussortieren zu können.

Mich rief eine Frau an. Sie hatte eine verdammt hübsche Mädchenstimme. Wir verstanden uns sofort, flirteten wie die Wilden, überlegten gemeinsam, rein theoretisch natürlich, unter welchen Umständen jeder von uns bereit sein könnte, Telefonsex zu machen, stellten fest, dass dies nur ginge, wenn man die Stimme des anderen sexy fände, und ich knarrte probehalber wie der Typ, der die Werbung ‚... der Blockbuster wird Ihnen präsentiert von... Raaadeberger’ spricht. Wir törnten uns gegenseitig so sehr an, dass wir uns auf der Stelle verabredeten.

Die Erinnerung an das Life Konzert mit Mike Oldfield kam mir, als ich die Frau sah. Maggie Reilly hatte damals ‚moonlight shadow’ mit zarter Stimme gesungen, aber ihre Erscheinung war die einer Olympiasiegerin im Hammerwurf gewesen. Sie warf keinen Schatten auf das Mondlicht, sondern verursachte eine richtige Sonnenfinsternis. Mike hatte die Frau sicherlich mit einem Scheinwerfer ausleuchten müssen, wie in die Flugabwehr im zweiten Weltkrieg verwendet hat, um deutsche Stukas über England zu orten. Und so eine Frau kam mir entgegen.

Nun hat jeder Mann Angst davor, Frauen zu begegnen, die proportional nicht zu ihm passen. Frauen, in denen ein Mann ganz aufgehen, vielleicht sogar komplett und nicht nur teilweise mit dafür vorgesehenen Körperteilen verschwinden kann. Ich hätte zweimal in sie hinein gepasst.

Wie sahen uns, blieben stehen, und sie sagte: „Das muss nicht sein, oder?“ Ich stotterte „nein, muss wirklich nicht“, und wir drehten uns um und gingen wieder Richtung Autos. Sie drehte sich noch einmal um. „Tschuldigung“, sagte sie. „Macht nichts. Geht mir ja auch so“, stammelte ich und fuhr völlig verdattert davon.

Kaum zu Hause hatte ich eine Mail. Eine Frau schickte mir gleich eine ganze Reihe von Fotos, eines anziehender als das andere. Sie würde mich am gleichen Tag nachmittags um zwei anrufen.

Kaum hatte ich mich rausgeklickt, klingelte mein Kumpel an der Tür. Von dem hatte ich ursprüngliche die Idee mit der Online-Partnersuche gehabt. Der Kerl hatte pausenlos Glück, und wieder war er mit einer Frau verabredet. Nur hatte diese Frau einen ziemlich großen Hund und er einen kleinen (Hund). Deshalb bat er mich, auf seinen Mini-Rüden aufzupassen, so lange er weg war. Damit es keine Beißerei gab.

Warum eigentlich nicht? Ich kriegte ja nur einen Anruf, also würde das kein Problem sein. Kaum war mein Freund weg, schleppte der Hund die Leine im Maul an, die mein Kumpel – nur für alle Fälle, wie er sagte – dagelassen hatte. Hmmm, noch eine Stunde bis zum Telefonat, warum sollte ich den Hund nicht Gassi führen, bevor ich meinen göttlichen Anruf kriegte? Eher er mir in die Wohnung pinkelte oder das Gespräch durch sein Winseln störte. Ich stellte vorsichtshalber meinen Anrufbeantworter an und ging mit dem Hund nach draußen.

Dieser kleine Köter war kaum mit mir um die Ecke, da flippte er aus. Eine Frau kam in Sichtweite, das heißt, ich sah sie gar nicht richtig, weil die Köter wie irre aufeinander reagierten. Der Grund war klar: der gegnerische Hund trug eine selbstgestrickte Hose.

„Meine Susi ist läufig“, sagte die Frau verlegen. „Aber sie muss trotzdem raus. Aber weil die Kerle immer nur das Eine wollen, auch die Hunde-Kerle, musste ich der Susi trotzdem so ein selbstgemachtes Outdoor-Kondom anlegen.“

„Ja, und wenn sie raus muss, dann doch wohl deswegen, weil sie ihre Notdurft verrichten will. Wie soll das gehen?“

Die Frau sah mich mitleidig an. „Sie haben wohl keine Ahnung von Hunden? Kommen Sie, trinken wir einen Kaffee, ich weihe sie in die Grundregeln ein.“

Ich sah auf die Uhr. Noch mehr als vierzig Minuten bis zum Anruf. Zeit genug. Also saßen wir uns gegenüber, sie erzählte und ich sah zu, wie die Hunde vergeblich versuchten, das Hindernis ihrer Liebe aus dem Weg zu schaffen. Hätte ich eine Schere dabei gehabt, ich hätte sie den beiden in die Pfoten gedrückt. „Raus darf ja was, aber nicht rein“, sagte sie zu dem Problem mit dem Strickhöschen. Reine Tierquälerei, wenn ihr mich fragt.

Die Frau erzählte mir lebhaft, mit Händen und Füßen, mit Mimik und Gestik, was sie über Hunde wusste. Mir wurde schnell klar, dass sie beim Erzählen jede Menge feinster Tröpfchen gleichmäßig über mir und meiner Tasse Kaffee verbreitete, aber das störte mich irgendwie überhaupt nicht. Ich trank meinen Kaffee wacker aus. Und als die Zeit ran war, dass ich ans Telefon musste, machte sie mir ein eindeutiges Angebot. Hier sei ihre Karte mit der Telefonnummer, und wir würden uns sicher bald wieder sehen.

„Ja, ja“, sagte hastig und rannte nach Hause. Den Minirüden musste ich auf den Arm nehmen, um überhaupt weg zu kommen. Er wand sich und winselte, und ihre Telefonnummer muss ich auf dem Weg nach Hause irgendwie verloren haben.

Meine Telefonliebe hatte inzwischen auf meinen Anrufbeantworter gesprochen. Sie riefe ein anderes Mal wieder an, sagte sie.

Ich überlegte mir eine Strategie. Wie war das in der Wissenschaft? Zuerst überlegt man doch, was man will. Man analysiert die Situation, indem man Ist und Soll fixiert und stellt dann fest, was zu tun ist, um das Ziel zu erreichen. Ich beschloss, meine Partnersuche genau so anzugehen. Aber, verflixt noch mal, wenn man jemanden leibhaftig trifft und die Chemie stimmt, wenn man mit dem anderen aus ein- und derselben Tasse trinken kann, wenn man zur Not die gleiche Zahnbürste benutzen könnte, was soll denn noch passieren, damit ein anderer Mensch noch anziehender für einen wird? Morgen mehr dazu.