Du hast dich soeben bei Platinnetz angemeldet? Atme ein wenig durch und überprüfe, ob du bei deiner Anmeldung alles richtig gemacht hast. Und dann höre auf, dich dafür zu schämen, dass du suchst.

 

Du bist nicht allein. Wir alle suchen irgend etwas. Frauen suchen einen Mann, Männer suchen eine oder mehrere Frauen, Mütter suchen Pampers rechts neben dem redaktionellen Teil und manche suchen einfach nur Entspannung.

 

Solltest du einen Mann suchen, erfülle vor allem die Klischees der männlichen Erwartungen. Schreibe in dein Profil, dass du gutes Geld verdienst (!) und dass dir eigentlich nichts fehlt außer einem süßen Kopfkissenzerwühler und ein wenig Fußballgeräusche im Fernsehen, während du die Küche putzt. Und dann schreibe, dass du derzeit frisch verliebt seist, das schafft dir die meisten Zuschriften. Männer wollen schließlich keine, die niemand haben will.

 

Verfasse all deine Angaben in Andeutungen. Du musst die Waage zwischen zu direkt und zu indirekt finden. Im ersten Fall werden sie denken, du suchtest Freier und im anderen, du seist prüde und zu dem nicht bereit, was Männer eigentlich wollen.

 

Bei der Gelegenheit.

Für alle Frauen, die immer noch nicht wissen, was Männer wollen:

Im Grunde wollen Männer nach dem Beischlaf nicht mehr nach Hause fahren oder dein Taxi zahlen müssen.

 

Falls du hast, nimm ein Bild von dir aus der Zeit, als du noch lange, dicke, braune Zöpfe trugst, und das das Kindchenschema erfüllt: große Augen und runde Bäckchen solltest du zeigen. Sowas mögen Männer, weil es ihnen emotionale Sicherheit im Zeitalter der erwachenden Frauen bietet. Und schreibe, das Bild sei zwar schon 20 Jahre alt, aber irgendwie seist du sowieso in deiner Entwicklung stehen geblieben. Sowas mögen die Männer erst recht.

 

Warte nicht auf Zuschriften. Um einen Mann bei Platinnetz zu finden, solltest du selbst aktiv werden. Dafür bieten sich die Modi ARTIKEL SCHREIBEN, FRAGEN & ANTWORTEN  und der CHAT an. Oder du tust dich innerhalb einer GRUPPE mit anderen Frauen zusammen, und ihr vergleicht die „Anmachen der Woche“ miteinander. Hie könnte es zu spannenden Wettbewerben darüber kommen, welche von euch die obszönsten und welche die blödsten Angebote von Männern bekam.

 

Als Preis könntet ihr einen Mann ausloben, der gleich mehrere Frauen sucht. So wäscht eine Hand die andere.

 

Im Chat bestehen die geringsten Aussichten, einen passenden Mann zu finden. Du könntest dich zwar bereits durch ein wenigstens mittleres Schreibtempo positiv von anderen Frauen abheben, aber den wenigen Männern dort die Telefonnummer ins Postfach zu schreiben bringt kaum etwas, weil man vom Chat aus nicht erkennt, ob einem jemand was geschrieben hat.

 

Ist der informierte Mann aus dem Chat und liest er deine Mail, hat er bereits wieder vergessen, wer du bist. Die Männer im Chat sind nämlich noch langsamer.

 

Eine gute Möglichkeit gäbe es bei „Fragen & Antworten“.

 

Stell’ eine Frage von der Art ein, die Männer von Frauen erwarten. Frage beispielsweise, wie du erkennen könntest, ob dein Bremslicht funktioniert. Wo du doch im Wagen säßest, während du bremst. Du seist zwar immer mal wieder beim Bremsen aus dem Wagen gehuscht um nachzusehen, aber du seist offensichtlich nie schnell genug gewesen.

 

Antworten von Männer wie, du sollest dich hinter dein Auto stellen, mit einer Dachlatte die Heckscheibe zerdeppern und über die mittlere Kopfstütze mit der Latte das Bremspedal herunter drücken, kannst du glatt vergessen. Solche Männer wollen dich nur verspotten.

 

Auch wenn jemand angibt, du sollest rückwärts gegen eine Schaufensterscheibe fahren und kurz vorher bremsen, damit du an den sich spiegelnden Bremslichtern erkennen könnest, ob sie funktionieren, traut er dir nur nicht zu, dass du wirklich rechtzeitig bremst und hält sich schon mal virtuell die Ohren zu.

 

Schreibt aber einer, er käme dich besuchen, um mit dir in Teamarbeit alle deine endogenen und exogenen Funktionen zu überprüfen, könnte er der Richtige sein. Könnte, sage ich.

 

Stellt er sich auch noch zwischen Fahrzeug und Hauswand, während der Motor läuft und du bremst, besteht ein Vertrauensverhältnis zu dir. Dies ist die erste Voraussetzung für eine funktionierende Beziehung.

 

Die beste Möglichkeit, den Richtigen zu finden, besteht für dich in der Rubrik „Artikel.“ Schreibe eine nette, nicht allzu professionell aufgemachte Selbstdarstellung in volkstümlichem Deutsch. Beschreibe dich als liebevolle, unkomplizierte, eher etwas langweilige, kinderliebende Frau (die allerdings selber keine hat), und du wirst die Männer von dir begeistern.

 

Hast du zu viele Männer begeistert, schocke den Überschuss, damit sie dich zufrieden lassen. Bei dem Schlimmsten schreibe einen Kommentar unter seinen Bericht über „das technische Museum am Rande der französischen Pyrenäen“, der keinesfalls zum Artikel passen darf. Schreibe bspw. einfach, du gäbst ihm nur ein Sternchen für den Artikel, weil du keinen Fisch magst, und er weiß, dass er dir intellektuell nicht gewachsen ist. Auch, wenn er immer wieder behauptet hat, die Sternenzahl mache ihm nichts aus: das wird er dir nie verzeihen.

 

Findest du immer noch keine Möglichkeit, die von dir selektierten Männer für dich zu begeistern, orientiere dich an ihrer weiblichen Fangemeinde. Greift deine Konkurrenz ihn immer wieder heftig an, sei lieb zu ihm, und sind die Frauen lieb, reagiere antizyklisch und mache ihn fertig. Auch hier ist gleichgültig, womit. Ist er dir argumentativ überlegen, behaupte einfach, es handele sich um ein Missverständnis.

 

Bedenke bei allem, was du schreibst, dass Männer eitel sind. Schreibe in Form von versteckten Komplimenten, dass du seine Thesen zwar für überholt hieltest, dass du aber bei einem so tollen Mann wie ihm eher vermutest, dass er absichtlich das Gegenteil seiner eigenen Meinung schildere, weil er eine positive Diskussion in Gang setzen wolle.

 

Hast du alle meine Erfahrungen berücksichtigt, die ich als alter Platinnetz-Hase völlig selbstlos und ohne tiefere Absichten von mir gegeben habe, wird dir so mancher „lonely wolf“ eine Mail schreiben. Damit bietet er dir eine Möglichkeit, näher auf ihn einzugehen, ohne deine natürliche, weibliche Zurückhaltung, die man von dir erwartet, über die du aber eigentlich gar nicht verfügst, aufgeben zu müssen.

 

Gut fährst du mit dem Standardsatz: „wo ich schon mal auf deinem Profil bin, möchte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, dir einen lieben Gruß ins Gästebuch zu schreiben“.

 

Erweitere den Standardsatz in etwa wie folgt:

„Du bist ein toller Mann, und ich glaube nicht, dass du eine einfache Frau wie mich jemals beachten wirst.“

 

Der Erfolg ist vorprogrammiert. Er macht es dir einfach und beachtet dich.

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© Jürgen Berndt-Lüders

Bildquelle: STAR DIVISION CD. 10.000 Cliparts und Fotos