Herr Feddersen
ein Mann mit Prinzipien.
Genau Punkt sieben Uhr morgens stand er auf, machte am offenen Fenster ein paar Leibesübungen, ging zur Küche,-
Er war immer noch im Nachthemd, (er hatte es geerbt von seinem Vater, wie so viele andere Kleidungsstücke).
Nun holte er eine, schon vom Alter her gesprungene, Tasse aus dem Schrank, füllte Wasser aus dem Hahn hinein, und machte es mit dem Tauchsieder heiß. Für das Ganze wurden nur zwei Minuten gebraucht. Dann ging er zum Fenster und nahm von der Heizung ein Brettchen. Darauf lag einsam ein Tütchen. Es war ein Teebeutel, den er in das heiße Wasser hängte. Es war kein gewöhnlicher Teebeutel, nein er tat schon seinen Dienst seit drei Tagen. Er wurde nämlich immer wieder getrocknet.
Nachdem er seine Tasse geleer hatte, ging er ins Bad um zu duschen. Exakt fünf Minuten. Das Waser ließ er nicht ab, nein, er schöpfte es in einen Eimer, um es später zum Clospülen zu benutzen.
Langsam, wissen Sie schon liebe Leser, wen sie vor sich haben.
Einen Pedanten, das Wort Sparsamkeit wäre untertrieben.
Man möchte fast glauben, dass er sehr arm sei. Keineswegs, er ist Bankdirektor bei einer Sparkasse.
Und wenn Sie denken , dass er nur gegen sich selbst so knauserig war, dann irren Sie sich gewaltig.
Genau so verfuhr er in der Bank. Pünktlichkeit war oberstes Gebot. Wehe, wenn im Kassenraum mehr als zwei Lichter brannten. Er schaute genau auf die Uhr und notierte, wann wer zur Pause ging.
Im Aufenthaltsraum durfte nicht geraucht werden, da hätte man das Fenster öffnen müssen,und die schöne warme Luft wäre entwischen.
Es ging soweit, dass die Angestellten ihr eigenes Clopapier mitbringen mussten. Oft saß er am Schreibtisch und grübelte, was er noch verbessern konnte.
Doch eines morgens war alles anders. Er musste zum Arzt. Eigentlich war es weiter nicht schlimm, aber Herr Feddersen hatte panische Angst vorm Sterben. Er wurde untersucht, ein paar Pillen verschrieben, "sie hören von mir."
Nach vierzehn Tagen lag das Ergebnis vor, "bitte kommen sie in meine Sprechstunde."
Mit mulmigem Gefühl stieg er die drei Stockwerke hinauf. Oben angekommen musste er sich erst ein mal setzen, so zitterten seine Knie.
Was der Arzt ihm dann mitteilte, hörte er garnicht richtig. Nur das eine Wort : "Unheilbar!"
Zum ersten Mal in seinem Leben ging er nicht zur Arbeit. Statt dessen nahm er sich ein "Taxi," (hört, hört!)und fuhr in die nächste Stadt. Zielstrebig ging er zu dem Haus mit der roten Lichtreklame.
(Aber Herr Feddersen, sie wollen doch nicht?) (Natürlich wollte er.)
Es dauerte nicht allzu lange, dann kam er hochbefriedigt heraus, nahm verträumt den Weg zu einem Straßencafe, und bestellte sich ein Frühstück. "Aber bitte mit allem!"
(Herr Feddersen, ich muss mich doch sehr wundern!)
So saß er ziemlich lange, bezahlte und gab dem Kellner das Restgeld zurück. "Es stimmt schon, nehmen Sie nur."
Zum ersten Mal in seinem Leben verspürte er eine leise Freude, als er bemerkte, wie der Kellner strahlte.
(Ja, Herr Feddersen, geben ist schöner, denn nehmen.)
Sein Gewissen meldete sich, 'war in meinem Leben alles falsch? Aber so wurde ich doch erzogen. Meine Mutter musste jeden Pfennig belegen, den sie ausgab.
Aber als mein Vater starb, war nichts da. Wo war das ganze gesparte Geld?' Darüber grübelte er heute noch nach.
Herr Feddersen hatte nie eine Liebschaft und seines Wissens sei alter Herr auch nicht. Sie lebten sehr bescheiden, hatten kein eigenes Haus, nur drei Zimmer, seine Kammer mit eingeschlossen. Sein Vater war Prokurist in einer Papierwarenfabrik. Was hatte er mit dem Ersparten gemacht?
Herr Feddersen hatte auf einmal Zeit, an seine Arbeit dachte er nicht. Auch nicht an seine Kollegen, was die wohl von ihm denken würden, wenn sie ihn so sahen.
Er ging in den nahen Park, setzte sich auf eine Bank und sah den Vorübergehenden zu. Die Sonne schien, er wollte seine letzten Tage noch genießen. Die Hunde schnüffelten an seinen Hosenbeinen, er streichelte sie und sprach sogar zu ihnen.
(Unglaublich, gestern wäre das bestimmt nicht passiert.)-
Eine Mutter mit Kinderwagen setzte sich neben ihn und fing gleich ein Gespräch an. Herr Feddersen, der wortkarge Mann lachte auf einmal. Er wunderte sich selbst, als er sie zu einem Eis einlud.
(Herr Feddersen, das kostet aber Geld.) Na und?
Die junge Frau hatte einen starken Eindruck auf ihn gemacht. Er bat um ein Wiedersehen. Dabei erfuhr er, dass sie alleinerziehend ist.
Jetzt meldete er sich mal fürs Erste krank. Kein weiterer Kommentar.
(Herr Feddersen, Herr Feddersen, wo soll das hinführen?)
Nun sahen sie sich öfter, er führte sie zum Essen aus und sie besuchten Konzerte. Längst waren sie vertraut.
Doch eines Tages kam er nicht zur Verabredung. Sie rief bei ihm an, er meldete sich nicht. Einen Anrufbeantworter hatte er nicht, der kostet ja Geld.
Sie fuhr zu seiner Wohnung, er war nicht da. Sie fragte die Nachbarn, keiner hatte ihn gesehen.
Wo war Herr Feddersen?
Als er am Morgen erwachte, lag Post seines Arztes unter der Tür.
Lange drehte er den Brief in den Händen, holte sich ein Glas Wasser aus der Leitung,und setzte sich auf das schon etwas durchgesetztes Sofa. Er kämpfte mit sich, welche Nachricht wird er erhalten?
Schließlich ließ er es zu, und öffnete den Umschlag. Er war froh, dass er saß, als er die Zeilen las. Alles verschwamm vor seinem Blick.
Sehr geehrter Herr Feddersen,
Leider ist uns ein Fehler unterlaufen. Ihre Proben wurden vertauscht. Ich darf Sie beglückwünschen, Sie sind kerngesund.
gez Dr. Schmitt
Ud so steht er jetzt wieder jeden Morgen umsieben Uhr auf, macht am Fenster ein paar Leibesübungen, geht zur Küche um sich eine Tasse Wasser heiß zumachen.Hängt wieder einen getrockneten alten Teebeutel hinein und trinkt seine Tasse leer. Dann geht er in die Dusche und genau nach fünf Minuten ist er fertig.
Er war immer noch im Nachthemd, (er hatte es geerbt von seinem Vater, wie so viele andere Kleidungsstücke).
Nun holte er eine, schon vom Alter her gesprungene, Tasse aus dem Schrank, füllte Wasser aus dem Hahn hinein, und machte es mit dem Tauchsieder heiß. Für das Ganze wurden nur zwei Minuten gebraucht. Dann ging er zum Fenster und nahm von der Heizung ein Brettchen. Darauf lag einsam ein Tütchen. Es war ein Teebeutel, den er in das heiße Wasser hängte. Es war kein gewöhnlicher Teebeutel, nein er tat schon seinen Dienst seit drei Tagen. Er wurde nämlich immer wieder getrocknet.
Nachdem er seine Tasse geleer hatte, ging er ins Bad um zu duschen. Exakt fünf Minuten. Das Waser ließ er nicht ab, nein, er schöpfte es in einen Eimer, um es später zum Clospülen zu benutzen.
Langsam, wissen Sie schon liebe Leser, wen sie vor sich haben.
Einen Pedanten, das Wort Sparsamkeit wäre untertrieben.
Man möchte fast glauben, dass er sehr arm sei. Keineswegs, er ist Bankdirektor bei einer Sparkasse.
Und wenn Sie denken , dass er nur gegen sich selbst so knauserig war, dann irren Sie sich gewaltig.
Genau so verfuhr er in der Bank. Pünktlichkeit war oberstes Gebot. Wehe, wenn im Kassenraum mehr als zwei Lichter brannten. Er schaute genau auf die Uhr und notierte, wann wer zur Pause ging.
Im Aufenthaltsraum durfte nicht geraucht werden, da hätte man das Fenster öffnen müssen,und die schöne warme Luft wäre entwischen.
Es ging soweit, dass die Angestellten ihr eigenes Clopapier mitbringen mussten. Oft saß er am Schreibtisch und grübelte, was er noch verbessern konnte.
Doch eines morgens war alles anders. Er musste zum Arzt. Eigentlich war es weiter nicht schlimm, aber Herr Feddersen hatte panische Angst vorm Sterben. Er wurde untersucht, ein paar Pillen verschrieben, "sie hören von mir."
Nach vierzehn Tagen lag das Ergebnis vor, "bitte kommen sie in meine Sprechstunde."
Mit mulmigem Gefühl stieg er die drei Stockwerke hinauf. Oben angekommen musste er sich erst ein mal setzen, so zitterten seine Knie.
Was der Arzt ihm dann mitteilte, hörte er garnicht richtig. Nur das eine Wort : "Unheilbar!"
Zum ersten Mal in seinem Leben ging er nicht zur Arbeit. Statt dessen nahm er sich ein "Taxi," (hört, hört!)und fuhr in die nächste Stadt. Zielstrebig ging er zu dem Haus mit der roten Lichtreklame.
(Aber Herr Feddersen, sie wollen doch nicht?) (Natürlich wollte er.)
Es dauerte nicht allzu lange, dann kam er hochbefriedigt heraus, nahm verträumt den Weg zu einem Straßencafe, und bestellte sich ein Frühstück. "Aber bitte mit allem!"
(Herr Feddersen, ich muss mich doch sehr wundern!)
So saß er ziemlich lange, bezahlte und gab dem Kellner das Restgeld zurück. "Es stimmt schon, nehmen Sie nur."
Zum ersten Mal in seinem Leben verspürte er eine leise Freude, als er bemerkte, wie der Kellner strahlte.
(Ja, Herr Feddersen, geben ist schöner, denn nehmen.)
Sein Gewissen meldete sich, 'war in meinem Leben alles falsch? Aber so wurde ich doch erzogen. Meine Mutter musste jeden Pfennig belegen, den sie ausgab.
Aber als mein Vater starb, war nichts da. Wo war das ganze gesparte Geld?' Darüber grübelte er heute noch nach.
Herr Feddersen hatte nie eine Liebschaft und seines Wissens sei alter Herr auch nicht. Sie lebten sehr bescheiden, hatten kein eigenes Haus, nur drei Zimmer, seine Kammer mit eingeschlossen. Sein Vater war Prokurist in einer Papierwarenfabrik. Was hatte er mit dem Ersparten gemacht?
Herr Feddersen hatte auf einmal Zeit, an seine Arbeit dachte er nicht. Auch nicht an seine Kollegen, was die wohl von ihm denken würden, wenn sie ihn so sahen.
Er ging in den nahen Park, setzte sich auf eine Bank und sah den Vorübergehenden zu. Die Sonne schien, er wollte seine letzten Tage noch genießen. Die Hunde schnüffelten an seinen Hosenbeinen, er streichelte sie und sprach sogar zu ihnen.
(Unglaublich, gestern wäre das bestimmt nicht passiert.)-
Eine Mutter mit Kinderwagen setzte sich neben ihn und fing gleich ein Gespräch an. Herr Feddersen, der wortkarge Mann lachte auf einmal. Er wunderte sich selbst, als er sie zu einem Eis einlud.
(Herr Feddersen, das kostet aber Geld.) Na und?
Die junge Frau hatte einen starken Eindruck auf ihn gemacht. Er bat um ein Wiedersehen. Dabei erfuhr er, dass sie alleinerziehend ist.
Jetzt meldete er sich mal fürs Erste krank. Kein weiterer Kommentar.
(Herr Feddersen, Herr Feddersen, wo soll das hinführen?)
Nun sahen sie sich öfter, er führte sie zum Essen aus und sie besuchten Konzerte. Längst waren sie vertraut.
Doch eines Tages kam er nicht zur Verabredung. Sie rief bei ihm an, er meldete sich nicht. Einen Anrufbeantworter hatte er nicht, der kostet ja Geld.
Sie fuhr zu seiner Wohnung, er war nicht da. Sie fragte die Nachbarn, keiner hatte ihn gesehen.
Wo war Herr Feddersen?
Als er am Morgen erwachte, lag Post seines Arztes unter der Tür.
Lange drehte er den Brief in den Händen, holte sich ein Glas Wasser aus der Leitung,und setzte sich auf das schon etwas durchgesetztes Sofa. Er kämpfte mit sich, welche Nachricht wird er erhalten?
Schließlich ließ er es zu, und öffnete den Umschlag. Er war froh, dass er saß, als er die Zeilen las. Alles verschwamm vor seinem Blick.
Sehr geehrter Herr Feddersen,
Leider ist uns ein Fehler unterlaufen. Ihre Proben wurden vertauscht. Ich darf Sie beglückwünschen, Sie sind kerngesund.
gez Dr. Schmitt
Ud so steht er jetzt wieder jeden Morgen umsieben Uhr auf, macht am Fenster ein paar Leibesübungen, geht zur Küche um sich eine Tasse Wasser heiß zumachen.Hängt wieder einen getrockneten alten Teebeutel hinein und trinkt seine Tasse leer. Dann geht er in die Dusche und genau nach fünf Minuten ist er fertig.
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