Mein Name ist H²o.ka-o-pe-ef . Ich bin vom System Castor, das ist 51,55 Lichtjahre von der Erde entfernt. Nein, nicht von einem dieser Atommüll-Transporte, welche die einen losschicken und die anderen aufhalten wollen.

 

Solange sie die Plutoniumkippen (abgebrannte Stäbe) nicht in die Umlaufbahn schicken, wo ich möglicherweise mit ihnen kollidieren könnte,  ist mir egal, was sie damit machen.

 

Mein Thema sind die Widersprüche auf der Erde. Um die erst einmal zu dokumentieren und dann zu analysieren bin ich hier. Und noch vor Halloween  soll ich auf Castor Bericht erstatten. Dann soll der interstellare Rat entscheiden, ob die Erdbevölkerung bekloppt ist oder nicht. Falls ja, soll auf der Erde das Zentrum des intergalaktischen Karnevals installiert werden. Falls nein, wollen wir Paris Hilton mit Arnold Schwarzenegger kreuzen und George W. Bush mit Angela Merkel, und die Zuchtergebnisse sollen bei uns zu Hause im Kuriosenkabinett ausgestellt werden.

 

Da gibt es schon siebenköpfige Raupen und Wesen, die vergessen haben, dass Sex eigentlich dazu da ist, Nachkommen zu erzeugen. Sowas ist äußerst selten. Mal sehen, ob es so was auf der Erde auch gibt.

 

Seit einem Monat bin ich auf der Erde. Meinen Aufenthaltsort, mein Aussehen und mein Outfit konnte ich mir aussuchen. Auf der Titelseite eines Magazins sah ich das Konterfei von Boris Becker. Der war frisch liiert. Ich wählte sein Aussehen, aber weil ich mit seiner Freundin nichts anfangen konnte – wir vermehren uns per Daumendrücken und Augenzwinkern - hat sie sich per SMS von mir verabschiedet. Seitdem schwanke ich zwischen unsichtbar und Michael Schuhmacher.

 

Anfangs war ich unsichtbar. So konnte ich erste Eindrücke gewinnen. Man beamte mich also auf eine Wiese. Als erstes fiel mir ein Pärchen auf, dessen weiblicher Teil an einem Weidezaun stand und ein Kälbchen lockte. Statt die Stimme der Mutter der Jungkuh zu imitieren, was naheliegend gewesen wäre, setzte sie eine hohe Fistelstimme auf, neigte ihren Körper und schlug sich auf die Oberschenkel. Zuerst dachte ich, sie hätte irgend etwas Interessantes in oder zwischen den Schenkeln, aber das war nicht der Fall. 

 

Das Kalb konnte auch nicht erkennen, was die Frau eigentlich wollte und blieb, wo es war. Auch ich konnte den Sinn des Lockens trotz googeln – es gibt nicht nur google earth sondern auch google castor - nicht nachvollziehen, aber nur wenig später wurde mir klar, dass die Frau das Kalb fressen wollte.

 

Glaubt ihr nicht?

 

Doch, denn das Pärchen aß in einem Lokal zu Mittag und bestellte ein Kalbsschnitzel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwo Wesen gibt, die derartig widersprüchlich handeln. Einerseits vergöttern sie kleine Tiere, und einen Moment später essen sie die und erkennen keinen Widerspruch.

 

Oh, ich fand noch viele Widersprüche auf der Erde, aber erst einmal will ich reflektieren, ob euch meine Erkenntnisse überhaupt interessieren. Bis dahin zwinkere ich euch zu und drücke euch die Daumen. Ihr wisst ja noch, was so was auf Castor bedeutet, oder?

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© Jürgen Berndt-Lüders

Bildquelle: STAR DIVISION CD. 10.000 Cliparts und Fotos