In meinem Wohnzimmer hat ein Bild meines damals achtjährigen Enkels einen "Ehrenplatz" erhalten. Es zeigt einen großen blauen Vogel, der seine Flügel weit ausbreitet.

 

Darunter schrieb er:

"Und an himmelblauen Tagen

kann ich mit den Flügeln schlagen ..."

 

Dieses Bild fasziniert mich immer wieder neu. Beim Betrachten habe ich das Gefühl, in die Seele meines Enkels zu blicken. Sicher gibt es für Kinder nicht nur die "himmelblauen Tage". Immer wieder werden sie auch "graue Tage" erleben müssen. Doch wir Erwachsenen sollten uns bemühen, dass die Himmelblauen in der Überzahl sind.

 

Kinderzeichnungen sind etwas Wunderbares. Die Zeichnungen meiner Kinder habe ich viele Jahre wie einen kostbaren Schatz aufbewahrt und oft sogar vor der endgültigen Vernichtung aus den Papierkörben retten können. Heute sind meine Sprösslinge längst erwachsen und freuen sich über diese Erinnerungen.

 

Da gibt es Bilder aus der Kindergartenzeit: Hände mit nur drei Fingern oder Figuren ohne Hals und höchstens drei spärlichen Haaren. Die Zeichnungen aus der Schulzeit zeigen gewisse Fortschritte, sind aber von sogenannter "Perfektion" weit entfernt. Doch gerade das macht ja den besonderen Zauber von Kinderzeichnungen aus.

 

Kein gekauftes Bild, und sei es noch so kostbar und außergewöhnlich, bedeutet mir soviel wie die selbst gemalten Zeichnungen meiner Kinder  und meines Enkels.