Das mein Herr Hund den Kühlschrank aufmachen konnte, hatte ich schon leidvoll erfahren, als ich von der Arbeit heimkam und einen leer gefressenen Kühlschrank vorfand. Dementsprechend habe ich den Griff abmontiert.
Türen öffnen kann er auch ganz perfekt. Dumm ist mein Herr Hund nun wirklich nicht, insbesondere wenn es ums Fressen geht.
Ich hatte eine Gans geholt, da mein Sohn sich für den 1. Advent Gänsebraten gewünscht hatte. Das ist schon lange Tradition bei uns, dass er für den 1. Advent das Mittagessen bestimmen kann. Also stehe ich am Samstagmorgen in der Küche, fülle die Gans mit Äpfel, Maronen, Rosmarin, würze sie und ab in den Backofen. Dort kann sie brutzeln während ich meine Wohnung putze und morgen brauche ich sie dann nur noch aufwärmen, das spart Zeit.
Es roch sehr verlockend und mein Herr Hund stand erwartungsvoll und sabbernd in der Küche, immer wenn ich den Backofen öffnete um die Gans mit dem Bratensud zu übergießen. Als er merkte, es gibt nichts für ihn, verzog er sich beleidigt auf seinen Platz, zwischendurch ein paar jammernde Töne abgebend um mir zu zeigen, was für ein armer verhungernder Hund er doch ist.
Die Gans war fertig, der Backofen ausgeschaltet, die Gans blieb drin. Mittlerweile hatte er sich wohl damit abgefunden, dass er nichts bekam. Wir machten weiter mit unserem samstäglichen Programm, einkaufen und dann zum Hundeplatz.
Abends wieder zu Hause bekam Herr Hund sein Futter, eine letzter Gang um den Block Und dann ab ins Bett, Schlafenszeit.
Morgens, nach dem ich wach geworden war, wunderte ich mich ein wenig, dass mein Herr Hund so ruhig war und mich nicht geweckt hatte, wie er das morgens, zumindest am Wochenende, immer machte.
Ich stand auf, mein Herr Hund hörte dies, begrüßte mich freudig. Ich ging in die Küche, wollte den Kaffee aufsetzen und mich traf der Schlag. Die Backofentüre stand offen und da war keine Gans mehr. Mein Herr Hund hatte es tatsächlich geschafft, die Backofentüre zu öffnen, trotz Kindersicherung. Kindersicherung scheint keine Hundesicherung zu sein, ich überlegte, ob ich das dem Hersteller melden sollte, doch der würde mich wahrscheinlich für verrückt halten.
Auf seinem Platz, fand ich eine Marone und noch einen Gänseflügel. Alles andere war weg. Schimpfen war sinnlos, das versteht Herr Hund so lange nach der Tat sowieso nicht und außerdem war's ja Beute.
Für uns war es aus mit Gans am 1. Advent. Damit mein Sohn trotzdem zum gewünschten Gänsebratenn kam, gingen wir dann Essen. Mein Herr Hund bekam zur Belohnung Sauerkraut, da ich Angst wegen der Geflügelknochen hatte. Belohnung deswegen, da er das sehr gerne frisst.
Und ich..........
ich lasse in Zukunft nichts mehr im Backofen, denn ich hatte herausgefunden ...............
nicht nur Füchse stehlen Gänse.
Text: Nika Nachtwind
