2.1 Die Wirkung des Umganges mit Tieren auf Menschen
"Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund" (Hildegard von Bingen)
Erstaunlich ist, dass sich Menschen nicht erst als Folge der Vereinsamung in der modernen Zivilisation Haustiere halten. Bereits in der Steinzeit lebten unsere Vorfahren mit Hunden unter einem Dach. Bei fast allen Naturvölkern konnten geradezu bewegende Beispiele an Tierliebe beobachtet werden. Der Hund spielt in dieser uralten Liebesgeschichte zwischen Mensch und Tier durch alle Jahrtausende hindurch eine besondere Rolle – bis ins Weltraumzeitalter (Kusztrich).
Die erstaunliche Wirkung von Tieren auf Menschen könnte ihre Ursache in Beziehungen – die tiefenpsychologisch so bezeichneten Objektbeziehungen und vor allem die soziobiologisch untersuchte Biophilie haben. (Aaron Katcher in: Olbrich und Otterstedt S. 68) Ohne Zweifel spielten tiefenpsychologische und auf biologischer Verbundenheit zwischen den Spezies beruhende Beziehungen eine Rolle. Nicht erklären läßt sich damit allerdings die nachgewiesene heilende Wirkung von Tieren auf Organe. Ergänzend dazu vertreten Olbrich und Otterstedt die Auffassung, dass Tiere das Gefüge von Beziehungen zwischen der Person und der belebten Umwelt stärken und bereichern.
Die Heranführung von Kindern an das richtige Verhalten im Umgang mit Hunden wird von verschiedenen Vereinen gefördert. Es gibt speziell geprüfte Schulhunde, die in Schulklassen eingesetzt werden können, um den Kindern zu helfen, Angst abzubauen und um richtiges Verhalten zu üben. Als Schulhunde eignen sich nur besonders ruhige und sehr gut erzogene Hunde, die einen hohen Stresspegel ertragen, ohne Zeichen von Aggression zu zeigen. Die Rasse spielt keine Rolle, es kommt ausschließlich auf das Wesen des individuellen Tieres an. Eine sorgfältige Gesundheitskontrolle im Hinblick auf Impfungen, Entwurmung und Flohvorsorge wird gewährleistet
Durch den Verein „Hunde helfen Menschen“ sind bereits über 350.000 Kinder in ihren Klassen geschult worden. Das Unterrichtskonzept ist auf 9-12jährige Kinder ausgerichtet; dies ist ein Alter, in dem Kinder offen sind für Argumente und bereit, ihre Emotionen zu kontrollieren. Während beispielsweise Verkehrserziehung inzwischen einen festen Bestandteil der Kindergarten- und Schulerziehung darstellt, ist die Arbeit der Schulhunde noch nicht überall üblich.(Agsten: http://schulhundweb.de)
Hunde in der Schule können die Unterrichtssituation und damit auch das Lernklima in vielfältiger Weise verbessern. Dies zeigte unter anderen auch eine Studie der Konrad Lorenz Forschungsstelle gemeinsam mit dem IEMT (Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung) und dem Institut für Psychologie der Universität Wien an Volkschulklassen im 20. Wiener Gemeindebezirk (Olbrich und Otterstedt).
Das Beispiel wird nachgeahmt. So gibt es in der Nähe von Peine eine der Klassen, die sich die Vorteile eines Schulhundes auch zu Nutze gemacht haben.
„Der dreijährige Labrador von Lehrerin Anja Gleicher ist mit der Klasse eingeschult worden. und nimmt seither täglich am Unterricht teil. Der Tag beginnt mit einem freundlichen Schwanzwedeln: Jack begrüßt jedes Kind einzeln.„ (Stenftenagel)
Später besuche der Hund die Kinder auch an ihren Tischen. Er bemerke jede Stimmung und reagiert entsprechend darauf. Ob Konzentrationsschwäche oder Aggression – alles gleicht Jack auf seine Art aus.
Der Kurs zur Erlangung der Sachkunde soll sich auf folgende Themen erstrecken. (Quelle LHV NRW in: www.tieraerztekammer-nordrhein.de)
- das Sozialverhalten und Ausdrucksformen des Hundes
- die Haltung, Fütterung und allgemeine Hygiene
- das Erkennen typischer Gefahrensituationen mit Hunden
- die Erziehung des Hundes sowie
- die Rechtsvorschriften über den Umgang mit Hunden
Da der Sachkundenachweis aus konkreten Problemen der Bevölkerung mit Hundehaltern erwachsen ist, sind die Themen des Sachkundenachweises ausgewogen und gut überlegt. Vornehmlich wird der Schutz der Mitmenschen vor Hunden berücksichtigt. Die elementare Einsicht, dass der Hund vom Wolf abstammt, wird als besonders hoch eingeschätzt. Denn auch ein sehr kleiner niedlicher Yorkshire-Terrier hat Wesenszüge und Bedürfnisse des Wolfes und weiß diese auch durchzusetzen. Der Vermenschlichung der Hunde und der dadurch erwachsenden Probleme soll vorgebeugt werden. Zwar ist der Hund ein soziales Rudeltier und damit den menschlichen Sozialformen nicht unähnlich, hat aber auch das Bestreben, in „seinem Rudel“ die Dominanz zu erlangen.
Die Kinder lernen in der „Hunde-AG“ anhand von Videos, wie schnell die Stimmung eines Hundes umschlagen kann. Tiere sind nicht „gut“ oder „böse“; der Hund reagiert auf die Reize seiner Umwelt. Anhand von Photos und Zeichnungen sowie Papphunden, deren Körperteile beweglich sind, können die Kinder Stimmungen des Hundes analysieren. Während das Zurücklegen der Ohren beim Pferd eine Drohgeste ist, heißt sie beim Hund Unterwürfigkeit (siehe Anhang 9). Durch das Erkennen von Ausdrucksformen des Hundes werden den Kindern Mittel an die Hand gegeben, mit denen sie sich für oder gegen das Anfassen von Hunden entscheiden können.
Inhalte des Sachkundenachweises erklären für die Menschen, dass es der Hund vielleicht gut meint, wenn er zum Tyrannen in der Familie wird, dass dies aber selbstredend nicht gut für die Familie ist. Im Kapitel „Dominanz“ leiten die Kinder ab, dass sie selbst zum Rudelanführer aus Hundesicht werden müssen. Wenn das Zusammenleben gelingen soll, sind ganz einfache Maßnahmen schon erfolgreich. Der Mensch bekommt immer als erster zu essen. Gestreichelt wird, wenn es der Mensch will und nicht wenn der Hund es fordert. Der Mensch darf dem Hund das Futter wegnehmen. Praktischerweise fängt man damit beim Welpen an und gibt dem Welpen als Ersatz für das kurzfristig weggenommene Futter schnell ein Leckerli. So lernen die Schüler Methoden, mit denen sie den Hund psychologisch beeinflussen und gleichzeitig ernsten Konflikten aus dem Weg gehen können. Durch diese praktischen Anweisungen üben die Schüler, wie ein Hund untergeordnet werden kann und damit Beißunfälle vermieden werden.
Die Rechtsvorschriften, welche für die Hundehaltung relevant sind, beinhalten unter anderem das Tierschutzgesetz, welches auch Inhalt des Lehrplans für Biologieunterricht ist. Die fachgerechte Unterbringung des Hundes im Auto ist aus unfallpräventiven Gründen ein genauso wichtiger Inhalt der Verordnungen wie Hygienevorschriften. Das z.B. unter Hundehaltern wenig beliebte Entfernen von Hundekot aus Grünanlagen wird durch dieses Gesetz geregelt. Mittlerweile sind die Bußgelder für das freie Herumlaufen von Hunden in bewohnten Gebieten in Nordrhein-Westfalen nicht unerheblich Höhe. Der Sinn dieser Vorschriften soll in der AG möglichst kontrovers diskutiert werden. Wichtig ist letztendlich, dass die Schüler informiert sind.
Für die Erlebenswelt der Schüler sind noch folgende Themen sinnvoll:
- Der praktischer Umgang mit Hunden. Es wird angestrebt, bei der Hundesportlervorführung Hunde dabei zu haben, die ausgebildet sind und folgsam mit jedem mitgehen. Es dürfte ein beeindruckendes Erlebnis sein, einen fremden Hund an der Leine zu haben, der erstaunlicherweise gehorcht. Damit bekommen die Schüler ein Gefühl dafür, wie es idealtypisch sein könnte.
- Betätigungsfelder für Hunde (dogs with jobs). Hunde sind mehr als Freunde, sie können dem Menschen, vom Blindenhund angefangen, unschätzbare Dienste leisten. In dem Buch „Hundewerkstatt“ von Stephanie Cech, welches speziell für Hundeprojekte in der Grundschule geschrieben wurde, nennt sie gleich sieben Hundeberufe: Rettungs-, Wach-, Polizei-, Schäfer-, Blinden-, Jagd- und Schlittenhunde. Anhand dieser Einsatzmöglichkeiten wird den Kindern ganz nebenbei klar, dass Hunde eine Ausbildung brauchen, wenn sie etwas leisten sollen.
- Erste Hilfe am Hund. Diese ergänzende Unterrichtseinheit wird nur Sinn haben, wenn auch Hunde, die verarztet werden dürfen, zur Verfügung stehen. Das ist am Besten in Zusammenarbeit mit einem Tierarzt oder Hundeverein zu bewerkstelligen. Der Zeitrahmen von acht Doppelstunden begrenzt diese Möglichkeit. Die Durchführung ist trotzdem als eine besondere Bereicherung anzusehen.
Die Inhalte dieser Themengebiete können aus den offiziellen Fragebögen abgeleitet werden. Die Fragebögen sollen zerschnitten und die Fragen nach den Themengebieten neu sortiert und zusammengestellt werden. Diese Arbeitsschritte sind leicht nachzuvollziehen. So können die geforderten Inhalte klar strukturiert werden und die Schüler können die Lernziele am Ende der Stunde an den neu zusammengestellten Fragebögen überprüfen (siehe Anhang 9).
Zur Veranschaulichung eignet sich Bild- und Filmmaterial wie
- Zeitungsausschnitte über Hundethemen
- Bilder von Hunden um Körpersprache zu deuten
- Videomaterial über Hundeverhalten
- Informationsbroschüren vom Tierarzt oder Hundeverbänden über medizinische Themen, Rechtsvorschriften, Fütterung und z.B. Welpenaufzucht
Die AG soll sich über ein Schulhalbjahr erstrecken und 14-tägig als Doppelstunde stattfinden. Das Informationsgespräch sollte so rechtzeitig stattfinden, dass auch die Abschlussschüler noch daran teilnehmen können.
Nach erfolgtem Informationsgespräch soll den Schülern die offizielle Bescheinigung des Erwerbs der Sachkunde für Hundehalter in NRW ausgehändigt werden. Dieser Nachweis berechtigt Ersthundehalter zum Halten von Hunden, die größer als 45 cm sind
"Hunde AG" für Schüler
Tiere begünstigen die soziale Verantwortung von Kindern und wirken sich gesundheits- und lernfördernd aus. Als Grundlage des Unterrichtsstoffes werden die Themen des offiziellen „Sachkundenachweises für Hundehalter“ des Landes Nordrhein-Westfalen herangezogen. Dieser kann als Abschluss erworben werden. Ergänzt wird die AG durch Kontakte zu ortsnahen Hundevereinen, Polizeihundeführern sowie deren Hunden. Diese Events werden auch zur Öffentlichkeitsarbeit in den Printmedien genutzt.
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