„Oma! Darin soll ich doch richtig schwimmen lernen können, “ seufzte mein Enkel hinlänglich meiner Begriffsstutzigkeit.
Es dauerte drei Stunden, bis sich das Ding endlich mit Wasser füllte und ich von dem Kauf im Sonderangebot überzeugt war. Nach einer vorsichtigen Probe mit dem Zeigefinger nahm der Superopa, der natürlich sofort begriffen hatte, dass er nur ein Riesenbecken kaufen konnte, das Thermometer aus dem Koiteich und warf es ins Planschbecken…
„Ui, 17 Grad,“ murmelte er aber Junior sprang mit einem Satz hinein, quietschte kurz auf und lernte dann eifrig schwimmen. Kalt sei das Wasser nicht, schwor er und tobte mit dem Wasserball und seiner Kinderluma durchs Wasser.
Nach der wohl dreißigsten innigen Einladung stieg Opa vorsichtig ins kühle Nass.„Uaaaaah! Da bekommt man ja Frostbeulen!“„Opa, du Memme! Sieh mal, das Thermometer steht schon auf 19 Grad, “ jubelte Simon und tauchte von Beckenrand zu Beckenrand, was im Gegensatz zum Schwimmen schon prima klappt.
Samstag zeigte das Thermometer schon 24 Grad an und heute in der Früh waren es dann 26 Grad.Gerade als unser Junior abgeholt wurde, kamen die Leute aus dem übernächsten Nachbarsgarten rechts von uns. Oma und Opa als Gartenbesitzer, Enkelkind mit Mama, ihrem neuen Freund und dessen Hund als Besucher.
„Ach, ihr habt auch so ein Becken bei Toom gekauft?“ Schnell war der Rand aufgepumpt und der Schlauch lag voll aufgedreht im Becken.Während bei uns nun absolute Stille im Garten herrschte, fing der Trubel neben uns an.
Mein Mann, durch die anstrengende Toberei mit Junior recht müde, schlurfte mit einer Handbewegung, die mir anzeigte, dass er sich hinlegen wollte, ins abgedunkelte Gartenhaus. Ich holte mir schnell noch eine Flasche eiskaltes Wasser.Uff, hier drin waren es auch mindestens 30 Grad, das Außenthermometer sagte was von 37.
Mit fiel ein, dass ich immer sehr schnell fror, wenn ich mich nicht bewegte. Dabei verdrängte ich den Zusatz, dass dies bei Langzeitbeobachtungen in Feld und Flur geschah, die ich meist im Winter und zeitigem Frühjahr unternahm.
Wegen der lustigen Wasserschlacht, die kaum 20 Meter neben mir stattfand, ging ich nochmals ins Haus und holte mir Ohrenstöpsel. Mein Mann schnarchte tief und fest, er hatte seine auch genommen, da er die Begeisterungsschreie unseres Enkels wohl noch in Erinnerung hatte. Das große Sonnensegel war schnell zwischen Rosenbögen, Vogelhaus und Fahnenmast gespannt. Nun war ein schattiger Pool allein mein!
Das Wasser war auf angenehme 27 Grad erwärmt, ich legte mich mit dem Rücken auf die eigentlich zu kleine Luma. Die tauchte tief ins Wasser ein, was ich als sehr angenehm empfand. Die Luft halb aus dem Wasserball gelassen und schon war er ein prima Kopfkissen. Arme seitlich ins Wasser hängen, die Beine waren wegen der zu kurzen Luma eh schon drin und dann……abschalten.
Träge wie ein defekter Ozeandampfer dümpelte ich dahin, schob mich nur ab, wenn ich mit dem Kopf zu dem kleinen Flecken kam, auf den die Sonne noch heiß und unbarmherzig herunterbrannte. Wenn ein kleiner Windstoß herüber wehte, bekam ich sogar eine Gänsehaut und spürte, wie ich auf kleinsten Wellen schaukelte. So und nicht anders würde ich diese Hundstage verbringen, selbst wenn ich anschließend Tag und Nacht schuften muss, um den Schlendrian wieder aufzuholen.
Trotz meiner verschlossenen Ohren drangen Schreie und Quietschen zu mir herüber. Als besonders lästig empfand ich die schrille Stimme der Mutter, die ihren Sohn ständig anbrüllte, er solle leise sein, ansonsten müsse er das Becken verlassen. Nach der sechsundachtzigsten Warnung nahm er, ebenso wie ich, das Gebrüll gar nicht mehr wahr.
Im Augenwinkel sah ich Püppi, die Nachbarskatze zur Linken, souverän über den Zaun springen. Hier war ihr Revier und ein Becken dieser Größe aufzustellen, das ihr den Blick auf den Nistkasten nahm, fand sie moralisch verwerflich, wie mir ihr Blick strafend kundtat. Um mir zu zeigen, dass sie unseren popligen Garten überhaupt nicht nötig hat und Zäune für sie nur eine Trainingseinheit sind, sprang sie leichtfüßig oder auch leichtpfotig darüber hinweg. Im Nebengarten rechts sind Katzen nicht sonderlich erwünscht und es stehen viele „verpiss dich“ Blumen in den Beeten. Nun war ich neugierig.
Ein kleiner Schwung mit dem Arm und die Luma drehte sich so, dass ich den Garten mit dem Badenden sehen konnte. Geschmeidig ließ Püppi gerade ihren schlanken Körper über den Zaun gleiten als der Hund sie sah und den Eindringling augenblicklich in die Schublade der Todfeinde einsortierte.
Püppi war nun Hunde in diesem Garten gar nicht gewohnt und zögerte mit ihrer Flucht einen Moment zu lange, um sich drehen und wieder über den Zaun springen zu können. Es blieb nur der Weg zur Seite. Der war aber durch ein hellblaues Ungetüm weitestgehend versperrt. Gottlob fiel ihr ein, dass sie eine Katze und somit ein Meister der Sprungkraft war. Mit einem Satz war sie auf dem Beckenrand, was dem Hund irgendwie nicht gefiel, denn er setzte ihr, obwohl er an einen Plastiktisch gebunden war, in gewaltigen Sätzen nach.
Jeder, der im Physikunterricht nicht geschlafen hat, weiß nun, dass ein Hund von ca 38 Kilo einen Tisch von ca 3 Kilo umreißen kann. Das geht auch noch, wenn soeben Teller, Besteck und eine Schüssel Kartoffelsalat darauf gestellt wurden.Während sich der Tisch durch die Wucht des kraftvollen Anzugs, den so ein eben erwachsener Riesenschnauzer erzeugen kann, um seine eigene Achse drehte, war der Kartoffelsalat zu fett. Er ploppte einfach, ohne den geringsten Willen zu anmutiger Grazie, auf die Wiese und deckte sich halbwegs mit der Schüssel gegen die Sonne ab, während das Besteck bemüht war, ein wenig akrobatische Züge in dieses unerwartete Volkvergnügen zu bringen.
Die Mutter schrie noch schriller, Oma half ihr, Herrchen brüllte nach seinem Hund, der allerdings vergessen hatte, das jemals ein Befehl von diesem Mann in seine Schlappohren gedrungen waren. Er schnappte nach der Katze, die mit einem Buckel und steil aufgerichtetem Fell auf dem aufblasbaren Ring stand und fauchte. Irgendwie wirkte Püppi dadurch kastenförmig. Ich wunderte mich soeben noch, wie eine dünne Mieze zu einem Überseekoffer werden konnte, als ich das Geräusch hörte. Es lässt sich schlecht beschreiben.
Beschreiben kann ich die Gesichter des Freundes und des Jungen, die jetzt mit einem riesigen Schwall Wasser durch den Garten geschwemmt wurden. Der Kleine freute sich wie auf einer Rutsche, der Freund der Mutter zeigte sich sichtlich erstaunt als er in einer Welle rollend im Rosenbeet zum Stoppen kam. Auch der Hund wurde umgerissen, denn immerhin befinden sich in so einem Becken 5000 Liter Wasser, das durchaus mit seinen Balken Beine umwerfen kann.
Der Tisch, der mit der Platte auf der Wiese gelandet war, segelte elegant in den Hibiskus und die Oma, die weiter weg stand, tanzte wegen des ankommenden Wassers wie ein Bär auf einer heißen Herdplatte. Opa stand mit weit offenen Augen da und stemmte sich tapfer gegen die Welle, bis er sich zu weit nach vorn legte und die abebbende Welle überschätzte. Nun fiel er doch noch ganz ins Wasser, nicht nach hinten, sondern nach vorn.
Man gewinnt, wenn man in seiner Vorstellung einzigartig ist. Seine Darbietung erhielt von mir die höchste Punktzahl.
Auch die schreiende Mutter hatte ihren Kopf im Wasser gehabt, wie ihre unmögliche Ondulation jetzt zeigte. Ich registrierte aber auch den Effekt, dass sie wohl sprachlos war. Das Wasser schwappte über den Nachbarsgarten und gluckerte bis in mein Rosenbeet.Prima, das brauchte ich dann nicht gießen.
Es war viel zu warm, um weiter zu gucken oder gar zu lachen…ich hatte außerdem beschlossen, nur zu dümpeln…was ich auch tat. Ich nahm den halbgefüllten Wasserball unter meinem Kopf weg und tauchte nun auch mit den Ohren ins Wasser.
Ich sehnte mich nach Stille, denn drüben wurde es gerade laut….
