Da stehe ich mal wieder am Strand. Füße, die Wasserumspülungen fühlen … Wind, der mir sagt, nichts kann noch so böhig sein … Und ich fühle ihn, würde gerne von ihm fortgetragen, so für einen Moment, der mir ein Stück Ewigkeit vermittelt … Endlich raus aus allem, was mich umgibt, außer meiner Tochter und meiner Freundin … Neee, lächel, meine Freundin ist und bleibt meine Freundin, nichts weiter, obwohl wir echte Seelenverwandte sind … Selten, aber an ihrer Schulter fühle ich mich einfach angekommen … weil wir Sympathie leben können, egal was im Leben des Einzelnen passiert …
Ich sehe schon … ich diese maßlose Hexe mit ihrem Allerlei, die uns im Alter auf so eine Insel verbannt, mit oder ohne Männer … aber Hauptsache, Sonne, unser Lebenselixier ist garantiert … lächel
Strand, Wasser, Dünen sind das Sinnbild dessen, wonach wir streben, wenn wir uns erholen möchten. Gleichzusetzen mit: Die Seele baumeln lassen …
Ja, Wasser hat so etwas an sich, es kann bedrohlich wirken, Ängste auslösen, aber auch das Balsam in Reinkultur sein, je nachdem wie sich Wasser präsentiert … Es übt eben jene Faszination aus, die schiere Überwältigung in einem selbst auslösen kann …
An Kindern können wir sogar äußerlich noch mehr unsere eigene Freude viel besser erkennen, die wir dem Wasser huldigen …
Respekt vor diesen leichten Wellen, die unsere Füße warm umspülen, haben wir wahrscheinlich allemal … es gefällt uns … Wasser signalisiert so eine Art Freiheit, weg sein vom Alltäglichen für all diejenigen, die nicht am Wasser wohnen … Wasser signalisiert Schauspiele … seine eigene Macht … Licht der Sonne spielt mit dem Wasser und mal ist es grün, mal blau, mal schwarz …
Unheimlich sind die Tiefen der Nacht …
Unsere Seele lebt nicht anders … sie ist tiefgründig, wenn wir Angst haben. Sie zieht sich zurück, wenn der Verstand gefordert wird … sie schlägt Schaumwellen bis haushohe Wellen, wenn wir sie beachten … und sie kann leiden bis Hoffnung wieder einziehen kann ...
…
Er war viel zu schnell, weil alkoholisiert … klischeehaft … Sie wollte nur den Flummy, den Mama ihr mitgebracht hatte von der Straße holen … dieser schöne pinkfarbene Flummy … den Mama doch extra für sie als Überraschung kaufte …
Sie sah diese Delphine, wovon Mama immer erzählte, welche sich gleitend im Wasser bewegten, wovon, wenn man Wasser lieben lernt, keine Gefahr ausgeht … Sie wollte doch nur Mama nicht enttäuschen … denn Mama schenkte ihr einen Flummy um sie glücklich zu machen für die Zeit, die Mama ohne sie war …
Und sie sah, wie Mama sie in ihren Armen hielt und sie sah, wie Mama erschlagen mit ihr am Strand lag … "Hohe Wellen werden dich überraschen", so sagte Mama … "aber wir bleiben hingebungsvoll vor diesen Wellen stehen und beobachten sie nur …"
Sie fühlte Mamas Sein, sie spürte den Kampf in ihr, um mit Mama so viel noch zu erleben … Sie fühlte, wie Mamas Hand sie nicht mehr erreichen konnte … Sie hörte noch einmal die Worte, die Mama über sich selbst erzählte im kindlichen Alter … sie sah Mama und wollte mit aller Kraft nicht in diesen Tunnel, der so viel leichter ist, als auch nur ansatzweise zu denken … sich gleiten lassen, sich hingeben zu lassen … und doch war da Mama und das Meer … Mama … Die letzten Worte waren: „Mama, ich sehe uns und das Meer …“
….
Eine Seele muss leben können … eine Seele muss lachen können … eine Seele muss loslassen können … eine Seele lebt in Erinnerung und sie vergisst nie … aber eine Seele lebt … und jeder Lebenswille wird umspült von der eigenen Kraft der Seele im Hier und Jetzt … sie ist wie das Meer, sie holt sich Trauer und schickt Kraft …
In Erinnerung an Chloé …
Sarah
