Jeder Liebesfilm gibt die Vorlage für ein Phänomen, welches den Tod bedeuten kann; den imaginären Tod als Folge einer Kontroverse.

Zwei Menschen lernen sich kennen, verstehen sich, und dann passiert das, was Enttäuschung fühlen lässt, was Konsequenzen fordert. Zwei Menschen, die jene Fähigkeit verloren haben, die man so landläufig Kommunikation nennt.

Im Liebesfilm, der mindestens einmal die Woche über die Bildschirme flimmert, finden diese beiden Betroffenen trotz aller Wirrungen zueinander, denn die Aussage eines jeden Liebesfilms ist, dass die Liebe stärker ist, als gedankliche Bestürzung. Konfuses Denken lässt doch das Herz gar nicht zu, denn das Herz spricht seine eigene Sprache, nimmt es doch wahr, was zwei Menschen in ihrem jeweiligen Unterbewusstsein miteinander kommunizieren. Jeder Liebesfilm zeigt, dass egal was geschieht von Äußerlichkeiten bestimmt ist, von Wahrnehmungen, die eine eigene Interpretation fehlleiten können, weil Gedanken rationalisieren. So kommen zwei Menschen dennoch glücklich zusammen, da  eben alles auf Missverständnissen beruhte. Soweit zur Visualität.

Was ein jeder Liebesfilm nicht berücksichtigt ist, dass in Menschen Ängste wohnen. Negative Erfahrungen prägen schließlich Menschen. Es ist auch bekannt, dass sich in der Regel die Menschen anziehend finden, welche ähnliche Defizite in der Gefühlswelt aufweisen. Topf findet Deckel. Gleichartige Strukturen ziehen sich magisch an, und dann kommt der Punkt, den ein Liebesfilm uns vorgibt, allerdings weicht eben Realität von Visualität weit ab.

Erste Meinungsverschiedenheiten, erster Streit, erste Kontroverse, die den eindeutigen Rückzug ankündigen. Und die Ängste halten endgültig Einzug. Nicht schon wieder, nicht nochmals so ein Drama wie die Vergangenheit zeigte. Davon hat Mann wie Frau die Nase eindeutig voll. Kommunikationsarmut ist die Folge …

Zwei Menschen, die sich mal verstanden, haben ein innerliches Kriegsbeil ausgegraben. Anfangs noch human, denn anfangs spricht das Herz ja noch heftig seine eigene Sprache. Doch mit der Zeit hat die Angst, gesteuert vom Kopf, die Überhand. Anstatt sich dem Seelenstrip zu stellen, bleibt man doch lieber bei dem, was man anfangs versuchte zu vermitteln, eben einfach abgeklärt zu sein, frei von Ängsten. Mann wie Frau stehen eben über allem, sind so abgeklärt und verheddern sich schließlich in ihren eigenen Gefühlen …

Angst wird rein vom Kopf gesteuert, sie hat rein gar nichts mit dem berühmten Bauchgefühl zu tun, denn Angst ist ein rein gedankliches Gut. Die Ratio signalisiert, dass man verletzt werden könnte. KÖNNTE. Das Bewusstsein sendet entsprechende Signale, die rational betrachtet, als bedenklich erscheinen.  

Das Bauchgefühl signalisiert hingegen unangenehme Gefühle, die sich auf das Gefühl Liebe oder Sympathie dem Gegenüber beziehen, genauso wie positive Gefühle. Dies resultierend aus den Signalen des Unterbewusstseins. Hier gibt es keine Ängste, sondern ausschließlich das spontane Gefühl, ob ein Mensch uns gut tut oder nicht.

Anstatt das man die Mauer um sich herum zum Einstürzen bringt, sich aus Glas präsentiert, um auch mit der Zeit das Glas zerspringen zu lassen, wird um die Mauer noch eine zweite Mauer aufgebaut. Schutz, doppelter Schutz bringt die gedankliche Sicherheit, denn der Partner wird zum imaginären Feind, welcher die Hand nach der eigenen Seele ausstreckt, vor welcher sich die Angst schützend stellt.

Die Fronten verhärten sich, keiner kommt mehr aus diesem Irrsinn heraus, denn die Grenzen der Einsicht sind längst überschritten. Eingeständnis wäre jetzt das Zauberwort. Aufeinander zugehen wäre jetzt jene Magie, an der viele Beziehungen scheitern, weil jene Magie den Seelenstrip fordert. Oberflächliches Nachgeben ist die Folge, welches bereits der erste Schritt zum Scheitern einer Verbundenheit führt.

Warum haben Menschen so viel Angst davor, sich zu öffnen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, anstatt lieber den imaginären Tod hinzunehmen? Wie leicht ist es zu sagen: Leck mich doch … und sich neu zu orientieren, denn Schwierigkeiten kratzen an das Ego. Man ist plötzlich angreifbar und nicht mehr unfehlbar …

Schwäche kann zur Stärke werden, wenn man sich selbst eingesteht, dass gerade Schwäche so rührend menschlich ist.  Kann es nicht auch sein, dass gerade Schwächen einen neuen Weg zeigen, sich gemeinsam weiter zu orientieren und sich gegenseitig zu helfen, diese zu überwinden?

Im Berufsleben suchen wir Hilfen bei autorisierten Menschen, die uns zeigen, wie wir diese Schwächen ausräumen. Häufig sind diese Lösungen so naheliegend, aber uns vernebelten die Ängste die Sinne, um selbst darauf zu kommen …

Warum ist das in einer Partnerschaft so schwierig? Geht es hier immer nur darum, wer der Mächtigere ist, welcher über allem steht? Der Irrsinn zu glauben, man liebt einen Menschen, wenn man mit ihm in einem Machtkampf steht, führt offensichtlich zum imaginären Tod.

Das Spielen mit Gefühlen, das Spielen mit der Macht ist eine kranke Beziehung. Diejenigen, die spielen, haben es nicht gelernt, was Gefühle bewirken. Oberflächliche Menschen kennen keinen Tiefsinn …

Doch sind diese Menschen wirklich oberflächlich, oder lassen sie die Angst in sich regieren? Angst ist mächtig, löst sie doch Verunsicherung und Argwohn aus. Auch Eifersucht ist eine Folge der Angst. Angst kann innerlich zerfressen und hinterlässt Gefühle, die sterben. Die Folge sind kurzlebige Beziehungen und Einsamkeit auf Dauer …

Ein Seelenstrip ist mutig, er lässt alle Hüllen fallen und der Mensch steht nackt und frierend da. Doch das Gegenüber, welches in der Lage ist, dies zu würdigen, hat große Flügel und vor allem viel Wärme …

Zwei Menschen treffen NICHT zufällig aufeinander. Alles hat seinen Sinn. Wir sind empfindsamer geworden, wir werden mit Visualität überhäuft, wir haben immer noch in uns, dass der Mann stark und die Frau schwach bleiben muss, doch hat sich so vieles im Laufe der Entwicklung unserer Zeit verändert. Nach außen hin halten wir mit der Moderne, innerlich aber verbrennen wir orientierungslos.

Da reicht sie ihm die Hand, weil sie einen guten Zugang zu ihren Gefühlen hat und weiß, dass diese nicht lügen. Wie einfach könnte es sein, über den eigenen Schatten zu springen, hätte man nur den Mut dazu … und so wäre man ruckzuck wieder auf der Sonnenseite des Lebens …

Sarah